Andreas Goetze

Dr. Andreas Goetze ist Landeskirchlicher Pfarrer für interreligiösen Dialog der Evang. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Peter Frenkel

Peter Frenkel wurden 1939 in Eckartsberga in Thüringen geboren. Nach dem Abitur an der Kinder- und Jugendsportschule in Nordhausen/Harz hat er 18 Jahre lang Leistungssport beim Armeesportklub Vorwärts Potsdam (ASK) absolviert. Er nahm an drei Olympischen Spielen teil und gewann 1972 die Goldmedaille im 20-Kilometer-Gehen in München (1 Stunde 26 Minuten, 43 Sekunden) und Bronze 1976 in Montreal. Während seiner Laufbahn stellte Frenkel sieben Weltrekorde auf. Frenkel stellte zudem vielfache Weltrekorde auf.

Michael Maillard

Michael Maillard ist Pfarrer und Beauftragter für Gedenkarbeit der Evangelischen Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf / Berlin.

"Kirche ist politisch"

zeitzeichen: Frau Dr. Pruin, Sie sind jetzt gut hundert Tage Präsidentin von Brot für die Welt. Was hat Sie überrascht?

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Zeichen der Zeit

Zeichen der Zeit

Punktum

Er hat Karriere gemacht: der Doppelpunkt. Früher hätte ich wahrscheinlich zwischen „gemacht“ und „der“ einen Gedankenstrich gemacht oder gar nur ein ordinäres Komma. Aber damit würde ich mich als ziemlich traditioneller Sprachnutzer outen. Und wer will das schon sein, in diesen Zeiten, in denen sich gesellschaftlicher und persönlicher Fortschritt am Sprachgebrauch zeigt. Boomer bin ich ja schon, da muss ich doch nicht auch noch so reden und schreiben. Denn dass der Sprachgebrauch steter Änderung unterliegt, ist für die eifrig Bearbeitenden von Manuskripten, wie es Medienschaffende nun einmal sind, nichts Neues. So ist mir schon seit einigen Jahren aufgefallen, dass zum Beispiel der Gebrauch des Doppelpunkts zunimmt, und zwar auch an Stellen, an denen früher andere Zeichen gesetzt wurden.
Was bedeutet es, wenn immer öfter statt eines kleinen Kommas, das es grammatikalisch auch tun würde, oder eines Gedankenstrichs nicht nur ein Punkt, sondern gleich ein Doppelpunkt gemacht wird? Die Antwort könnte in der Frühgeschichte des Kolons liegen, der ja schon ab dem 4. Jahrhundert vor Christus genutzt wird. Er mag nämlich die Bühne. In dramatischen Texten, vor allem Komödien, und in den platonischen Dialogen grenzte der Doppelpunkt die einzelnen Sprecher voneinander ab. Wenn der Gedankenstrich nun immer öfter zum Doppelpunkt wird, könnte man das als Reflex auf unsere veränderte Debattenkultur sehen. Wo früher schreibend und lesend der Wörterstrom unterbrochen wurde, um nachzudenken, kündigt der Doppelpunkt nun mit der ihm eigenen Eitelkeit Dramatisches an: Mein Auftritt, Herr Kollege! Meine Bühne! Mein Statement! Doch nicht nur als Verweis auf den Presenter-Modus surft der Doppelpunkt auf der Zeitgeistwelle. Er macht auch als Genderwerkzeug Karriere und dem jungen Sternchen seinen Platz streitig. Graphisch sprengt er weniger das Schriftbild, soll aber das Gleiche aussagen: Mann, Frau und alle anderen Geschlechter sind mitgemeint. Und tatsächlich hilft der Doppelpunkt ganz uneitel der Software, die etwa Blinden Texte vorliest. Sie weiß nämlich nicht, was sie mit einem Sternchen im Text anfangen soll, macht aber bei einem Doppelpunkt automatisch eine kleine Pause. Das war ein Grund, warum zum Beispiel die Hansestadt Lübeck Ende 2019 den Gender-Doppelpunkt für die interne und externe Kommunikation der Stadtverwaltung einführte. Bei so einem Multitalent haben es Komma und Gedankenstrich schwer und müssen sich wohl oder übel ins Halbdunkel der Sprachbühne zurückziehen, wo auch schon das Semikolon auf seine rar gewordenen Auftritte wartet. Aber halt: Wäre das eindeutig uneindeutige Strichkomma nicht eigentlich das passende Symbol für das sprachliche Miteinander in versöhnter geschlechtlicher Verschiedenheit? Darüber sollte man vielleicht mal – nachdenken. 
 

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Heißes Land

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Deutschland im Jahr 2050

Der Klimawandel ist keine Glaubensfrage, sondern ein naturwissenschaftlich belegbarer Fakt. Es existieren Unmengen von meteorologischen Datenreihen, die über einen langen Zeitraum gesammelt wurden und bereits jetzt die Klimaerwärmung dokumentieren. Auf Grundlage dieser Daten lassen sich aber auch recht zuverlässige Aussagen über das Klima der nahen Zukunft treffen. Wie wird der Klimawandel also Deutschland in dreißig Jahren verändert haben? Das war Ausgangsfrage, mit der die beiden Journalisten Nick Reimer und Toralf Staudt an die Arbeit gingen. Und auch hier ging es um Empirie. Sie führten mehrere hundert Interviews, sichteten unzählige Forschungsberichte und Studien, reisten zu den Hotspots der deutschen Klimaforschung.Das Ergebnis: „Deutschland wird 2050 ein anderes Land sein – ein heißeres.“ Klingt banal, ist es aber nicht, weil die Auswirkungen unser Leben unsicherer machen werden. Und jeder und jede werden diese Auswirkungen spüren, und müssen sie zum Teil schon jetzt in ihre Planungen einbeziehen. Forstwirte sollten ohne die Fichte planen, Stadtplaner müssen Hochwasser und Hitze gleichzeitig bedenken, Immobilienkäufer lieber die Finger von Dachgeschosswohnungen lassen. Und dass jedes Altenheim, das jetzt gebaut oder modernisiert wird, klimatisierte Räume braucht, um viele Hitzetote zu vermeiden, ist nicht nur für kirchliche Betreiber eine wichtige Information. Apropos Kirchen: Sie könnten in den kommenden Jahrzehnten einen unerwarteten Zulauf bekommen. Zumindest ihre Räume, die als kühle Rückzugsorte notwendig werden.

Und das alles ist keine Dystopie oder Fiktion, auch wenn die Autoren ihr journalistisches Handwerk beherrschen und mit vielen Reportageelementen und flüssigem Stil ein auch für Klimalaien gut lesbares Buch geschrieben haben, dessen Ansatz bislang einmalig ist. Alles, was sie beschreiben, werden viele der jetzt Lebenden noch erleben. Denn es wird mit der hohen Wahrscheinlichkeit geschehen, die auf Physik und Messungen beruhende Prognosen in sich tragen. Und die waren in der Klimaforschung bislang ziemlich treffsicher.

Dabei ist es gleich, ob die Welt ab sofort auf einen strengen Klimaschutzpfad einschwenkt oder nicht. Denn das Klimasystem ist träge, bis zur Mitte des Jahrhunderts wirken sich jetzt getroffene Klimaschutzmaßnahmen nur gering aus. Danach allerdings unterscheiden sich die Szenarien gewaltig. Es wird also so kommen oder noch viel schlimmer. Deshalb ist es nicht egal, was wir jetzt tun, um den Klimawandel zu begrenzen. Was zu tun ist, ist in dem Buch kein Thema, das haben Nick Reimer und Toralf Staudt in ihrem Buch Wir Klimaretter aufgeschrieben. Denn eigentlich wissen es ja auch alle. Wir müssten es nur tun.

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