Rumms, da war es aus mit der Ampel. Dabei war sie doch die erste ihrer Art, aber sie hielt nur kurze Zeit. Sie explodierte einfach, denn die 1868 auf dem Parliament Square in London aufgestellte Ampel wurde noch mit Gaslicht betrieben. So gesehen ist es nur folgerichtig, dass sich die nach langen Jahren der großen Koalition hoffentlich kommende „Ampel“ in Berlin auch sehr intensiv mit dem Ende der fossilen Energienutzung auseinandersetzt. Ein Thema voller Sprengkraft, der Big Bang am Big Ben sollte als Warnschuss dienen.

Apropos Urknall – tatsächlich war die Geschichte der Ampel mit der Explosion ja nicht zu Ende. Im Gegenteil, sie setzte elektrifiziert zum Siegeszug rund um die Welt an: Cleveland (1914), Detroit, New York (beide 1920), Paris (1922) und  dann auch in Deutschland, am Potsdamer Platz in Berlin, wo man heute noch einen Nachbau des Verkehrsturms aus dem Jahr 1924 sehen kann. Das wilde Treiben im Babylon an der Spree konnte sie zum Glück nicht wirklich regulieren.

Übrigens – hätte es damals schon eine „Ampelkoalition“ gegeben, wären die Liberalen außen vor geblieben. Es gab nur  zwei Farben, rot und grün. Wobei es die Grünen ja noch nicht gab, dafür aber die „Heuer-Ampel“, erfunden von Josef Heuer. Die würfelförmigen Gebilde, die mit Drahtseilen über einer Kreuzung hingen und in denen Zeiger auf einer  Scheibe mit roten und grünen Farbflächen rotierten, waren von den 1930er- bis in die 1960er-Jahre in den Niederlanden, Österreich und Deutschland in Betrieb. Einen historischen Nachbau dieser Ampel kann man übrigens in der Bochumer Innenstadt bewundern. Muss man aber vielleicht auch nicht.

In einigen Regionen Chinas gibt es heute noch Ampeln, die auf „Gelb“ verzichten – sehr passend für ein Land, für dessen Regierung liberales Denken und Handeln eine Bedrohung ist.

Apropos – in der katholischen Kirche gibt es ja schon lange Ampeln, und zwar mit noch geringerem Farbenspiel. Denn eigentlich bezeichnet der Begriff „ampulla“ laut Wikipedia ein „kleines Gefäß für Öl oder andere Flüssigkeiten“, meist zu geweihtem Gebrauch bestimmt. Im Mittelalter war das dann vor allem das Ewige Licht in der Kirche. So viel also zur Frage, wie politisch Kirche sein sollte. Schließlich gilt es ja, hier auf einen ordentlichen Umgang mit dem etymologischen Erbe zu achten – und vielleicht auch auf etwas mehr Besinnung und Konzentration auf das Wesentliche.

Dazu könnte eine Ampel in Mumbai hilfreich sein. Dort testet die Polizei eine Ampelanlage, welche die Lärmbelästigung durch hupende Verkehrsteilnehmer reduzieren soll. Wenn es an der Kreuzung lauter wird als 85 Dezibel, bleibt einfach alles auf Rot. Freie Fahrt für leise Bürger. Wäre das nicht eine Idee für die neue Verkehrsministerin? 

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