Exquisites Können

Goldklänge des Frühbarock

Einmal mehr schlägt eine große Stunde, wenn man die aktuelle CD des belgisch-europäischen Ensembles Vox luminis hört, denn einmal mehr ist der Name Programm. Was einem hier an klanglicher Einheit, transparenter Klangkunst und virtuosem Können widerfährt, das sich mit großer Innerlichkeit und allzeit präsenter Texterfassung paart, bildet kongenial den Ensemblenamen ab: Stimme(n) des Lichts. Dafür tun die Freiburger Barockconsorten als ebenbürtige instrumentale Gefährten ihr Übriges. Von exquisitem Können getragen und von großer, strahlender Schönheit und Staunen abringender Erhabenheit sind darum auch deren instrumentale Einschübe: die Sonaten von Johann Michael Nicolai (1629 – 1685) und Johann Joseph Fux (1660 – 1741). Sie rühren nicht nur durch die noch im streichelndsten Strich klaren Geigen, sondern auch durch die berückenden Bläser (Posaunen, Zinken und Dulzian) – intonatorisch in der Regel sonst immer auf schmalem Grat –, die hier mit souveräner Selbstverständlichkeit daherkommen.

Damit kommen wir zu einem wesentlichen Erfolgsrezept von Vox luminis: die Repertoireauswahl und Dramaturgie, die weniger dem einzelnen Komponisten oder einer griffigen Thematik mit schlagwortgetreuem Repertoire folgen, sondern auf einer großen Repertoirekenntnis und Entdeckerfreude beruhen, die sich mit Wesentlichem verbindet: wirklicher Textbeschäftigung und tiefer Textkenntnis samt ihrer theologisch-philosophischen Anknüpfungspunkte. Hier offenbaren Spiritus Rector Lionel Meunier und der kreative Mannschaftsrat des Ensembles ein aus großem Wissen und geronnener Erfahrung genährtes Gespür und eine daraus erwachsene dramaturgische Fähigkeit, die sie besonders macht. Die Dramaturgie dieser CD, die zeitlich zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach führt, basiert auf der einen Seite auf dem ökumenischen Gedanken, weniger der Musik und ihren Ausführenden als ihren Auftraggebern während dieser Zeit fremd, auf der anderen Seite in dem Feingefühl für Besonderheiten, die ihre Umgebung brauchen, um sich entfalten zu können. Die klingende Ökumene gestaltet Vox luminis hier mit den beiden protestantischen Komponisten Christoph Bernhard (1628 – 1692) und Johann Michael Nicolai sowie den beiden bedeutenden katholischen Kollegen Heinrich Biber (1644 – 1704) und Johann Joseph Fux. Neben dem titelgebenden, ungemein wirkmächtigen und virtuos noch der Polyphonie der Renaissance verpflichteten fünftstimmigen Requiem f-moll mit leuchtender erster Violine besticht hier als Besonderheit vor allem Schützens Meisterschüler Christoph Bernhard mit der ergreifenden, konzertant angelegten Motette Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren. Nur ein Klagelaut: Warum ist in der leeren Bookletspalte neben der französischen und englischen keine deutsche Übersetzung? Sonst gilt: (Dies) Hören ist alles. Es beseelt!

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