Brillant

Wieder gehört: Heinrich Mann

Es war Lion Feuchtwanger, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu Heinrich Manns Essay-Band Der Hass schrieb: „Heinrich Mann hat das Deutschland des letzten Jahrzehnts früher und schärfer vorausgesehen als wir alle.“ Von dieser Weitsicht blitzt viel auf in Heinrich Manns (1871 – 1950) zahlreichen Essays und Erzählungen. In ihnen zeigt sich aber auch die Summe der gesellschaftlichen und politischen Ansichten des Dichters, der in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag begeht.

Deshalb ist es ein besonderer Gewinn, die neun Texte Manns zu hören, die auf den zwei CDs Das Gute im Menschen im Hamburger Jumbo Verlag erschienen sind. Es sind längere Schriften wie „Abdankung“, Anfang 1906 im Simplicissimus vorabgedruckt, von fast einer halben Stunde oder kürzere wie die siebenminütige Novelle Drei-Minuten-Roman (1904). Sie alle werden trefflich präsentiert von den Schauspielern Volker Hanisch und Julia Nachtmann. Sie lesen ohne Sentimentalitäten, mit der nötigen Achtung vor den Texten und sorgen durch ihre Unterschiedlichkeit im Sprechgestus für angenehme Abwechslung. Mal unterhaltsam, mal apodiktisch.

Leider fehlt ein CD-Booklet, das die Texte einordnet, zeithistorisch und auch in Heinrich Manns Biografie. Ärgerlich ist, dass nicht einmal die Erscheinungsdaten hinter den einzelnen Titeln zu lesen sind. Umso mehr, da die Texte zwischen dem Anfang des 20. Jahrhunderts wie Drei-Minuten-Roman aus dem Jahr 1904 oder Die Deutsche Entscheidung von 1931 erschienen sind. Das allein schmälert jedoch nicht die Qualität der Hördarbietung, denn Manns Texte haben nichts an Aktualität eingebüßt. Vielmehr ist das Hörbuch auch eine Einladung zum Wiederlesen des „Autors, Rebells und Vorreiters“.

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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