Vivaldi war schuld

Punktum
Foto: Rolf Zöllner

Ein herrlicher Frühlingseinbruch mitten im Februar. Zwanzig Grad plus. Und das nur wenige Tage, nachdem wir bei minus zwanzig Grad gebibbert hatten. Absolut rekordverdächtig! Und natürlich Besorgnis: Das gab’s früher nicht, der Klima-wandel … ja, doch, sicher, aber ich freute mich unbändig, trat auf den Balkon, schloss die Augen und dachte – Beam me up, Scotty – ich sei auf den Kanaren gelandet … na ja, mit Augenauf war ich immer noch auf dem Balkon. Aber zum Glück liegt ganz in der Nähe unserer Wohnung eine sehr schöne öffentliche Gartenanlage. Darinnen werde ich jetzt dem plötzlichen Februarfrühling huldigen und beim Spaziergang vielleicht entspannt Verweilen auf einer Bank und meine Gedanken reifen lassen. Aber halt! Man geht ja heute nicht nur einfach so. Wo sind meine Kopfhörer? Jetzt noch das Tablet, denn was würde besser passen, als draußen Vivaldis „Frühling“ zu hören, und erstmals seit Oktober wieder die dünne Jacke anzuziehen und loszugehen.

Willkommen, Du Vor-der-Haustür-Paradies: Vivaldi tönt, kurz mal WhatsApp gecheckt, und weiter geht’s durch die erwachende Natur. Schon grüßt die Bank an der Allee – da werde ich mich setzen und etwas aufschreiben, ja, mein grünes Notizbuch für Grundlegendes habe ich natürlich dabei … aber erst noch  mal Facebook gucken, und vielleicht hat jemand mich an-gewhats-apped, wer weiß … verflixt, wo ist denn mein Handy … ach so, ich habe ja die leichte Jacke an, wo habe ich das denn da immer hingesteckt voriges Jahr … verflucht … wo ist es … liegt es etwa unter der Bank? Quatsch … oh nein, wie kann es sein …. es ist weg! Herz-rasen, Schweißausbruch: Meine Daten, mein Leben! Warum bloß habe ich die immer noch nicht in die Cloud gepackt? Und was macht man eigentlich, wenn das Handy verloren ist. O weh, oh weh …

Dann piept’s: Ach so, mein Tablet, das liegt ja neben mir. Eine E-Mail von einer lieben Kollegin aus Berlin, etwa dreihundert Kilometer von meinem Park entfernt. Schon die Betreffzeile entzückt: „Du hast dein Telefon heute verloren! Es ist gefunden!“ Woher weiß sie das? Wie kann mein Handy so schnell so große Weiten überwinden? Enterprise-Scotty? Für einen Moment wanken die Säulen meiner Erde. Dann aber lese ich, dass eine Christina hier in Hannover das Handy gefunden und die liebe Kollegin sofort angerufen hat, deren Nummer als erste in meinem Verlauf stand. Was für ein Glück! Und als ich nur eine Stunde später mit einem Blumenstrauß ausgestattet bei jener lieben, ehrlichen Christina aufkreuze, erfahre ich: Vivaldi war schuld! Sein „Frühling“ muss so laut in mir getönt haben, dass ich doch tatsächlich mein Handy statt in die Jackentasche wohl elegant daneben gesteckt hatte und es so unerhört auf den Rasen glitt, und dann kam Christina – ob vielleicht Scotty doch seine Hände im Spiel hatte? Wer weiß...

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