In die Seele

Hörreise über den Ozean

Der Meister aus Europa ist wieder da“, jubelte man in New York, als Gustav Mahler 1910 von Bord eines Ozeandampfers stieg. Doch konnte er den Beifall nicht genießen, da er sich in einer großen Lebenskrise befand. Zeitlebens krank, hatte er auf dieser Reise gespürt, dass es seine letzte sein sollte. Und von dieser Überfahrt erzählt Robert Seethaler in seinem Roman Der letzte Satz, schaut in Mahlers Seele.

Umsorgt von einem Schiffsjungen, lässt der Komponist und Dirigent Teile seines Lebens Revue passieren, die Jahre in Wien, die Schwierigkeiten der Beendigung der neunten Sinfonie. „Ob er sie ihm erklären könne, diese Musik“, fragt der Junge. „Musik braucht nichts und niemand, Musik ist einfach da. Man kann über Musik nicht reden“, antwortet Mahler. Und so hält es der Autor, es geht weniger um Musik als um die letzte Zeit im Leben eines Mannes, der reflektiert, sich quält. Dem nichts mehr zu gefallen scheint, selbst die mitreisende Tochter betrachtet er distanziert, mit der Vorahnung der Trennung. Auch die Natur, die geliebten Berge – nichts hat mehr Gewicht.

Nur noch das Meer und der Mann, der still in seinem Deckchair liegt und atmet und den großen Schmerz, den Zweifel an der Liebe, der Ehe, fühlt. Denn Alma, die schönste Frau Wiens, seine Trophäe, die sich offensichtlich in einen anderen verliebt hatte, scheint ihm zu entgleiten. Was hatte er falsch gemacht? Was hatte die kurze Konsultation bei Sigmund Freud ihm offenbart? All diese bilanzierenden Gedankensplitter lässt Seethaler aufblitzen, und der Schauspieler Matthias Brandt hat die ideale, ruhige Erzählstimme, die mitnimmt auf eine knapp dreistündige Hörreise.

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