Handwerk statt Mundwerk

Bildende Kunst jenseits von Feuilleton und Markt
Foto: pixelio/Dietmar Meinert
Foto: pixelio/Dietmar Meinert

Drei Generationen Bronzeskulpturen, Malerei, Grafiken und Bildteppiche – drei Generationen künstlerisches Handwerk, das aus der Zeit in die Zeit sieht und sich darin zeigt: mit individuell erfassten, konkret in den Blick genommenen Momenten des Sichtbaren.

Diese besondere, Traditionen, Generationen und Ambitionen präsentierende Ausstellung ist derzeit am Rande der Stadt in der Galerie Panther Art Foundry in Berlin-Weißensee zu sehen.

Präsentiert werden dort derzeit die Weisen ihrer Zunft: die vor allem als Teppichkünstlerin bekannte Ingeborg Flierl (geboren 1926), der Bildhauer Wilfried Fitzenreiter (1932 – 2008) und der Bildhauer und Grafiker Hans Scheib (geboren 1949) – die Gestandenen: die Bildhauer und Kunstgießer Alberto Lescay (geboren 1950) und Marco Flierl (geboren 1963), vielen als Schöpfer der Bronzetür in der Wittenberger Schlosskirche bekannt – ein auf den Weg Gekommener: Piotr Kowalski (geboren 1962) – und drei tastend das Eiland erstürmende Junge: Frieder Sailer (geboren 1996), Alejandro Lescay (geboren 1987) und Moreen Vogel (geboren 1985).

Sie alle sind Schöpfer im langwierigen Prozess des Formens und Gestaltens, des Verwerfens und Prüfens, des Bildens und ans Licht Bringens – Schöpfer, die dem Vagen und dem Wort Paroli bieten mit dem Werk ihrer Hände in der symbiotischen Form von Schauen und Schaffen. Jedes der in der Panther Art Foundry ausgestellten Werke wartet sehr konkret auf. Jedes drängt aus der Sichtbarmachung in die Sichtbarwerdung für die Betrachtenden. Auf Resonanz. Auf Auseinandersetzung. Das ist für die äußeren Ansprüche an die Bildenden Künste zunächst nichts Ungewöhnliches. Aber ist es erwartbar? Oft ist sie Opfer ihrer Oberfläche und flink und geräuschvoll überlagernder Deutungen. Oft wird das Handwerk vom Mundwerk erlegt. Das hier Sicht- und Spürbare entzieht sich dem. Es ruht in der Form und lugt in der Stille hervor. Es sind ertastbare Momente körperlicher Unmittelbarkeit und visionärer, versonnener wie verschmitzter Realität des Alltäglichen. Diese Stärke offenbaren die hier zur Schau gestellten Werke: Spannend ist hier vieles; das vertraute, sich gegenseitig Raum gewährende Nebeneinander der Gattungen: Malerei und Teppichkunst an den Wänden, Plastik im Raum.

Spannend ist ebenso der an die Tradition anknüpfende, im Detail ungeheuer aufwendige Umgang mit den Materialien – Bronze, Ton, Papier und Wolle – und deren Gestaltwerdung im Sehen und Ertasten. Großartig etwa Wilfried Fitzenreiters „Stehender“ (1970), Marco Flierls „Sitzende“ (2008), Pjotr Kowalskis „Minotauros“ (2020) und Moreen Vogels „Pferdeengel“ (2017).

Ihrer Hände Werk ist nicht en vogue für Feuilleton und Markt. Ihre Kunst misst sich an subkutaner Fühlbarkeit, die Sehen in Staunen wandelt. Ähnlich ist es bei zwei anderen, in Entstehung und Handschrift gänzlich unterschiedlichen, in ihrer Kraft aber einander verwandten Werken: Ingeborg Flierls Gobelin „Labyrinth mit Hindernissen“ (1986) und Frieder Sailers Zeichnung „Portrait eines Irren“ (2016).

Die Ausstellung zeigt und vereint auf gelungene Art vieles: die allem multimedialen und hightechbasierten Kunstbetrieb zum Trotz unbeirrbare Orientierung an der Tradition in Fertigkeit und Material, das reifende Greifen nach der eigenen künstlerischen Wirklichkeit im Vertrauen auf die lernend schaffende Hand und den inneren Kompass, dem Markt, Menge und Medien keine Götter sind. So schafft diese Ausstellung den erkenntnisreichen Mehrwert, wie sehr die handwerkliche Meisterschaft der geistig-ästhetischen ebenbürtig ist.

Panther Galerie, Friesickestraße 17, 13086 Berlin; Dienstag und Mittwoch von 9 bis 15 Uhr/Donnerstag und Freitag von 17 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung per Mail post@panther-art-foundry.de.

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