Ergreifend

Remarque: Flucht aus Europa

Das Kreischen der Möwen, das Tuten der Schiffe, der leicht säuselnde Wind und das ruhige Meeresrauschen – die maritime Idylle in den ersten Minuten des Literaturhörspiels Die Nacht von Lissabon kommt an ihr jähes Ende mit dem Einstieg in die Geschichte. Es ist die von Flucht, Vertreibung und einer großen Liebe. Sie dokumentiert die jahrzehntelange Auseinandersetzung des Exil-Schriftstellers Erich Maria Remarque mit dem Verdrängen und Vergessen. Er, dessen Bücher 1933 von den Nazis öffentlich verbrannt wurden, verließ Deutschland schon 1932 und wird 1938 ausgebürgert. Sein fünfzigster Todestag, der sich in diesem Herbst jährt, bietet Muße, diese von Silke Hildebrandt mit leisen Einspielungen im Hintergrund inszenierte und exquisit ausgestattete Gemeinschaftsproduktion von WDR und Radio Bremen zu hören.

1942, im Hafen von Lissabon, drückt Josef Schwarz, die mit Max von Pufendorf ausgezeichnet besetzte erzählende Hauptfigur, einem namenlosen Mann zwei Fahrkarten für eine Schiffspassage nach New York in die Hand. Einzige Bedingung: Dieser, gesprochen von Max Simonischek, soll ihm eine Nacht lang zuhören, wenn er seine Geschichte von Verhaftung, Flucht, Liebe und „Exilkoller“ erzählt. Die beiden Männer ziehen durch die Bars, es entspinnt sich eine dichte Stimmung. Die zurückhaltend eingesetzte Musik, komponiert von Julia Klomfaß und Magdalena Graça, unterstreicht mit ihrem Akkordeon und den Streichern die melancholische, nahezu trostlose Atmosphäre.

Und doch ermöglicht das verzweifelte Schicksal von Schwarz und seiner Frau Helen (Lisa Hrdina) die Rettung für das unbekannte Paar. Hoffnung und Verzweiflung, ein tragisches Duo, in dieser erstmals als Hörspiel gestalteten Exilerzählung.

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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