Lehrreich

Briefe engagierter Frauen

Halt den Mund! Gib gefälligst keine Widerworte!“ Kinder der 1950er- und 1960er-Jahre kennen solche Sätze zur Genüge. Auch zwanzig Jahre nach Kriegsende kennzeichneten sie noch den bundesdeutschen Erziehungsstil. Grundsätzlich galten die autoritären Einschüchterungsversuche allerdings beiden Geschlechtern.

Zum Glück kann inzwischen ein Hörbuch mit dem Satz „Ich kann meinen Mund nicht halten“ betitelt und „Widerworte“ als legitimer Protest aufgefasst werden – erst recht, wenn er sich gegen ein totalitäres System auflehnt. Pikant ist allerdings, dass die Verfasserinnen der hier versammelten aufgesprochenen Protestbriefe sich an den kirchlichen Binnenraum richten, noch dazu an die oppositionelle „Bekennende Kirche“. Deren makelloser Vorbildcharakter bröckelt ein wenig.

Auch in den Reihen von Bonhoeffer und Co. gab es Feigheit, die als „Diplomatie“ oder „Geist der Brüderlichkeit“ bemäntelt wurde, auch dort wurden Irrlehren nicht Irrlehren, Terrorakte nicht Terrorakte genannt, und die Herren Professoren bemerkten nicht immer, wie leicht sich die traditionelle „Kinder-Küche-Kirche“-Frauenrolle in die Ideologie der Nationalsozialisten einpassen ließ. „Einspruch!“ – zur Einführung des Arierparagraphen in der Kirche zum Beispiel. Frauen, denen auch in der evangelischen Kirche Ämter verwehrt waren, formulierten ihr eigenes „… und kann nicht anders“; mal in einer Sprache, die für den heutigen Geschmack allzu devot rüberkommt, mal beißend ironisch, mal ungeschminkt empört über die Unentschiedenheit der männlichen Kampfgefährten.

Überall, wo Kirche zwischen Anpassung und Protest umher laviert, lässt sich aus diesem „Lehrstück der Widerworte“ lernen.

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