Mal kurz lachen

Punktum
Foto: Rolf Zöllner

Okay, Leserpack, Ihr wollt eine lustige Glosse in traurigen Zeiten – hier ist sie! Erst Internet-Filmchen, die die Corona-Krise ein wenig erträglich machen, und mehr erlebt man ja derzeit nicht: Der Mann, der aus lauter Langeweile in der ewigen häuslichen Quarantäne, nur mit Badehose bekleidet, auf seinem Skateboard liegend durch die Wohnung rollt, Schwimmbewegungen imitierend. Der Komiker, der gefragt wird, was er vorziehen würde, nämlich „A“ – die Quarantäne zuhause mit seiner Familie zu verbringen oder „B“ … „B“ antwortet er schlagartig. Die Szene in einem bayerischen Friseursalon, in der die vom Ministerpräsidenten geforderte Entfernung von anderthalb Meter zur Kundin eingehalten wird und diese deshalb von weitem mit einem Schwall von warmem Wasser für ihre Haare bespritzt wird … bei Filmen wie diesen kann man lachen. Mal kurz.

Ansonsten kann einem das Lachen schon mal vergehen in diesen Zeiten. Ich habe noch herzlich gelacht, als ich anfangs in einem leer gekauften Supermarkt einen der Verkäufer fragte, wo man denn Lasagne-Plättchen kaufen könne, und er antwortete: „Dort, wo jetzt keine Nudeln mehr sind.“ Witzig fand ich auch die Auskunft des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte, der in einem Supermarkt von einem Kamerateam bei einem spontanen Gespräch mit einer Kundin über Klopapier beobachtet wurde. Rutte sagte der Kundin, ziemlich derbe: Ja, man habe mehr als genug Klopapier – „wir können zehn Jahre kacken.“ Und als ich – die dritte Supermarkt-Geschichte, sonst kommt man ja nicht raus – eines Tages mit gebührendem Abstand zur nächsten Kundin an der Kasse stand, wich sie voller Angst immer weiter zurück, als vor ihr ein Kind anhaltend hustete. Ihr Rückwärtsgang ging so lange, bis sie mich beinahe umstieß.

Viel gelacht habe ich auch mit meinen rund zwölf Basketballfreunden, die ich größtenteils schon seit Schultagen kenne. Wir treffen uns möglichst zwei Mal im Jahr in einem Seminarhaus bei Kassel. Dieses Mal war es wegen Corona nur virtuell in einer Videokonferenz. Wir sind in ganz Deutschland verteilt, von Köln bis Berlin, von Hamburg bis München.

Aber das Lachen war, ehrlich gesagt, getrübt: Markus sagte, dass ihm als freier Trainer von seinen Auftraggebern alle Coachings gestrichen worden seien, Einnahmen: null. Udo berichtete, dass er als Orthopäde keine ordentlichen Schutzmasken habe ergattern können und auch Desinfektionslösung fehle, so dass man sie wohl jetzt selbst zusammenrühren müsse. Adam erzählte von seiner Mutter, der eine Nachbarin sagte: Wenn sie als ältere Dame sich mit dem Virus infizieren und sterben sollte, dann wäre es gut, wenn sie ihren erbenden Sohn, also Adam, vorher Bescheid geben könne, dass sie als Nachbarin gern das Haus kaufen würde, das dann ja frei sei … das Ganze ist so zynisch, dass einem die Spucke wegbleibt. Lachen ist da echt schwer.

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