Faszinierende Reise

Über Friedensaktivisten

Friedensbewegung auf buddhistischer und hinduistischer Basis: Wer weiß in Europa davon? Der Dalai Lama als Friedensnobelpreisträger ist bekannt, vielleicht noch der aus Vietnam stammende Thich Nhat Hanh zusammen mit Schwester Chan Kong. Aber darüber hinaus? Eher kommen national-religiöse buddhistische Extremisten in Myanmar in den Blick oder der politische Hinduismus in Indien.

Martin Bauschke, Theologe und Religionswissenschaftler, bekannt durch seine Bücher über Jesus im Koran und über die Goldene Regel, hat sich vorgenommen, buddhistische und hinduistische Friedensaktivisten und ihr vielfältiges Wirken vornehmlich in Asien, aber auch ihre Ausstrahlung nach Amerika und Europa vorzustellen und bekannt zu machen.

Bauschke hat ein Buch geschrieben, das spannend zu lesen ist: von der Vielfalt der religiösen, geschichtlichen und politischen Perspektiven her, mit klarer, übersichtlicher Darstellung und sensibler Einführung in die geistigen, spirituellen und ethischen Grundlagen der geschilderten Friedensbewegungen. Dazu gehört, dass die Lehren Buddhas, die verschiedenen buddhistischen Traditionen und auch die Prinzipien Gandhis in seiner Beziehung zu Buddha, Mahavira und Jesus so erläutert werden, dass sie als komplexer Begründungszusammenhang für quasi alle geschilderten Friedensprojekte einsichtig werden.

Merkmale sind die Verknüpfung von Weisheit, Meditation und Ethik, das Bewusstsein der wechselseitigen Abhängigkeit alles Lebenden und Existierenden, die Überzeugung, dass die Arbeit für den Frieden im Großen abhängt vom inneren Frieden jedes Einzelnen. Gegenüber einer auf äußere rituelle Praxis bezogenen Religionsausübung und hierarchischer Machtstrukturen, die auch in Buddhismus und Hinduismus zu finden sind, gewinnt der soziale Verantwortungsbereich neu an Gewicht. Typischerweise wird vom engaged buddhism – oder Buddhismus mit kleinem „b“ (so Sulak Sivaraksa in Thailand) – gesprochen. Ein weiteres Kennzeichen ist der interreligiöse Ansatz und die Förderung der internationalen Bewegung „Religions for Peace“.

Es sind charismatische Persönlichkeiten, die hinter den Friedensaktivitäten stehen. Bauschke schildert plastisch ihre Wege, die sie oft in einem von Konflikten und sozialen Ungerechtigkeiten bestimmten Umfeld gehen, ja wiederholt Exil und Gefängnis auf sich nehmen. Neun Bewegungen mit buddhistischem, elf mit hinduistischem Hintergrund werden vorgestellt. Ein Beispiel auf buddhistischer Basis ist die von A.T. Ariyarathne aufgebaute Sarvodaya (Wohlfahrt für alle)-Bewegung in Sri Lanka, mit Entwicklungs-, Frauen-, Bildungs- und ökologischem Engagement in mehr als 15 000 Dörfern des Inselstaates; interreligiös ausgerichtet, wirkte sie helfend im Bürgerkrieg mit dem tamilischen Norden und ist führend in der Versöhnungsarbeit danach.

Direkt von der Gandhi-Bewegung geprägt ist das Wirken der Aram-Familie in Indien, die zunächst als Friedensstifter im von Unruhen geprägten Nagaland erfolgreich war und dann in Coimbatore in Südindien den Shanti Ashram (Ashram des Friedens) gegründet hat – mit intensiver Frauen-, Kinder- und Umweltarbeit in einer besonders von Armut geprägten Region.

In zwei Abschlusskapiteln beschreibt Bauschke systematisch Merkmale und Methoden religiöser Friedensstifter in Asien und den Beitrag religiöser Frauen, der sich in den geschilderten Bewegungen vielfältig niederschlägt.

Bauschke, dessen Buch leider nur über amazon versandkostenfrei zu bestellen ist, nimmt Leserinnen und Leser mit auf eine faszinierende Reise zu Menschen und Gemeinschaften, die sich konkret vor Ort, aber immer auch in internationalem Horizont den globalen Herausforderungen stellen, vor denen wir gegenwärtig stehen.

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