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Über diakonische Bildung

Die Themen diakonisches Profil und Kultur sind momentan ein Dauerbrenner im diakoniewissenschaftlichen Diskurs. Die Frage, was das Diakonische im professionellen Unternehmensalltag ausmacht, treibt um. Helke Ricker ist Referentin für diakonische Profilbildung im Diakonischen Werk in Niedersachsen und beleuchtet dieses umfangreiche Thema aus der Erfahrung ihrer Kursarbeit mit Mitarbeitenden aus der Diakonie. Ihr Anliegen ist es, fernab einer belehrenden Wissensvermittlung einen Beitrag dazu leisten, wie diakonische (Profil-)Bildung direkt am Ort der Mitarbeitenden ansetzt und die existenziellen Fragen des diakonischen Arbeitsalltages theologisch reflektiert und begleitet.

Nach einer Hinführung in das Thema startet das Buch mit einem Kapitel zum Thema diakonische Unternehmenskultur von Sven Quittkat, Referent für diakonische Theologie und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Er verortet das diakonische Spezifikum im Christusgeschehen, welches es praxisnah für den diakonischen Alltag zu reflektieren gilt, damit es das „Wie“ der Arbeit prägen kann.

Genau dieser Reflexion widmet sich der Hauptteil des Buches. Anhand der beiden Schwerpunktthemen Schuld, Scham und Vergebung sowie Fragilität, Fragmentarität und Endlichkeit beschreibt Ricker, wie diese Themen für Mitarbeitende in der Diakonie relevant werden. Dabei wechselt die Darstellung zwischen theologischen Erläuterungen, Beschreibungen aus dem Seminargeschehen und zusammenfassenden Impulsen für die Praxis. So wird in Bezug zu Schuld und Scham aufgezeigt, dass dies zentrale Themen des Menschseins darstellen. Jeder Mensch kennt Momente des Zerbrochenseins, das Gefühl, Fehler gemacht zu haben oder selbst fehlerhaft zu sein. Religion bietet hier die Möglichkeit, sich selbst in einem neuen Licht des Angenommenseins zu erleben und Momente der Aufarbeitung, ja vielleicht sogar Vergebung und Versöhnung zu ermöglichen.

Anhand von Gesprächsprotokollen wird beispielsweise dargestellt, wie in der Jugendarbeit die Erfahrung von Annahme trotz Schuld einen Neuanfang im Leben der Jugendlichen ermöglichen kann. Ebenso gehören die Endlichkeit und der Tod zum Leben, auch wenn dieses Thema oft erst in den Grenzmomenten des Lebens eine Rolle zu spielen scheint. Behinderungen, Krankheiten und Alter als Teil des Lebens zu begreifen, sich darin selbst zu akzeptieren, aber auch immer wieder Neuanfänge zu wagen und sich in aller Zerrissenheit vor Gott als Ganzes erkennen zu dürfen, dafür will der christliche Glaube werben. Ricker nimmt dabei sensibel die Zweifel, Ängste und Sorgen der Mitarbeitenden ernst.

Versteckt sich hinter diesen Themen kein Moralismus oder gar Mission unter dem Deckmantel der Hilfe? Ricker lässt Spannungen bestehen und zeigt, wie biblische Texte den Mitarbeitenden helfen können, eigene Antworten auf die drängenden Fragen des Lebens zu finden. Viele der Erläuterungen sind aus theologischer Perspektive nicht neu, doch die lebens- und praxisnahe Aufarbeitung dieser Themen für die diakonische Bildung ist die große Stärke des Buches. An vielen Stellen kann man die teils predigtähnlichen Texte kaum lesen, ohne selbst innezuhalten und über diese zutiefst menschlichen Fragen ins Nachdenken zu kommen. Ricker zeigt damit, dass die bewusste Thematisierung christlicher Inhalte eine fruchtbare, sinnstiftende und zutiefst diakonische Sache ist, für die sich auch eine pluralistische Diakonie im 21. Jahrhundert nicht zu schämen braucht.

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