Bischof Kramer weist Mammon-Kritik zurück

Foto: EKMD / Anne Hornemann

Der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer (Magdeburg) wehrt sich gegen die Vorwürfe, die der Theologe Arnd Henze, WDR-Journalist und Buchautor („Kann Kirche Demokratie?“) am Tag vor Heiligabend unter dem Titel „Die Mammonfrage“ auf zeitzeichen.net erhoben hatte. Henze hatte sich wiederum auf Äußerungen in einem Interview des Landesbischofs für die Katholische Nachrichtenagentur KNA bezogen. Kramer stellte sich den Fragen von Willi Wild, dem Chefredakteur der Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ aus Weimar. Wir dokumentieren das Gespräch im Wortlaut:

Frage: Henze behauptet, Sie „denunzieren Ausgetretene als Götzendiener", weil Sie die „Mammon-Frage“ zum gravierendsten Austrittsgrund gemacht haben. Haben Sie das so gemeint, oder hat Sie Arnd Henze da falsch verstanden? Wenn ja, wie haben Sie es denn gemeint?

Landesbischof Friedrich Kramer: Wenn wir fragen, warum Menschen aus der Kirche austreten, nennen sie uns neben verschiedenen Gründen auch oft, dass sie die Kirchensteuer sparen wollen. Dass erleben viele Organisationen am Anfang des Jahres, dass die Menschen ihre Einkommenssteuererklärung machen und sich dann verabschieden. Die Mammon-Frage, also die Frage, wofür ich mein Geld einsetze, ist in unserer durchökonomisierten und kapitalistischen Gesellschaft eine zentrale Frage, um die die Menschen kaum herumkommen. So stellt sich die Frage, wem will ich dienen mit meinem Geld, was sind die wichtigen Werte in meinem Leben, wie viel ist mir die Kirche wert, fast von selbst. Da braucht es mich gar nicht. Mir geht es allerdings darum, zu sagen: Wer Kirchensteuer zahlt, setzt sein Geld sinnvoll ein, wer austritt, hat vielleicht nicht im Blick, was die Kirche mit dem Geld macht, wofür es gebraucht wird. Die katholische Nachrichtenagentur, die mich interviewt hatte, hat zusammengefasst: Kramer „kritisiert Ausgetretene" und Arnd Henze macht dann daraus "beschimpft und denunziert" Ausgetretene. Wenn eine Frage zu solchen Verstärkungen führt, scheint sie nicht bedeutungslos zu sein.

Frage: Henze hat Ihre Äußerung als „klerikales Nachtreten“ und „übles Foul“ bezeichnet, mit dem Sie „nicht Wenigen den letzten Anstoß geben“, auszutreten. Haben Sie für das KNA-Interview auch von anderer Seite Kritik bezogen und haben Kirchenmitglieder auf Grund dieser Antwort ihren Austritt erklärt?

Kramer: Nein, es gab lediglich die Reaktion von Arnd Henze, über dessen heftige Reaktion ich mich gewundert habe. Es liegt mir fern, Menschen, die ausgetreten sind, zu beschimpfen. Im Gegenteil: Ich lade sie herzlich dazu ein, uns zu sagen, warum sie austreten, warum sie unzufrieden sind, was sonst drückt. Jeder Kirchenaustritt schmerzt uns, weil uns daran gelegen ist, christliche Werte und den Glauben zu teilen, gemeinsam zu leben. Das blendet aber schwierige finanzielle Situationen nicht aus. Wir überlegen in der Kirchenkonferenz, ob es eine sinnvolle Möglichkeit wäre, für Menschen in finanziellen Schwierigkeiten oder im Berufsanfang eine Minderung oder Aussetzung der Kirchensteuer zu ermöglichen, sind aber hier noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Frage: Henze unterstellt Ihnen, dass Sie die Lebenswirklichkeit der Menschen in Mitteldeutschland nicht kennen. Und er setzt das Durchschnittseinkommen mit Ihrem Bischofsgehalt ins Verhältnis. Das legt eine unbedachte Äußerung über Einkommensverhältnisse Ihrerseits nahe.

Kramer: Ich lebe schon mein ganzes Leben in Ostdeutschland und kenne die Lebenswirklichkeit der Menschen hier gut. Zu Einkommensverhältnissen habe ich gar nichts gesagt. Natürlich gibt es Situationen, in denen es auf jeden Cent ankommt. Jesus hat uns das Scherflein der Witwe vor Augen gestellt und uns eingeschärft: Jeder Beitrag ist wichtig.

Mein Bischofsgehalt ist mit B5 dotiert und wie alle Ein- und Ausgaben der Landeskirche transparent einsehbar. Für die Pfarrgehälter und somit auch das Bischofsgehalt gilt in der mitteldeutschen Kirche, dass wir 90 Prozent dessen bezahlen, was in den westlichen Bundesländern üblich ist. Auch das gehört zur Lebenswirklichkeit in Mitteldeutschland.

Frage: Ferner attestiert Ihnen der Journalist, dass Sie die Alltagssorgen der Menschen (Altersvorsorge, Mieten) ausklammern. Wie reagieren Sie auf diesen Vorwurf? Und haben Sie mit Henze darüber das Gespräch gesucht?

Kramer: Zu all den Themen gibt es viel zu sagen und besonders das Thema neue Altersarmut von Frauen in Ostdeutschland ist jetzt schon Realität. Zur Zeit gehen viele Frauen in Mitteldeutschland aus der Arbeitslosigkeit in die Rente. Das bedeutet: Nach 30 Jahren prekärer Arbeitssituation von ABM über kurze Anstellung und Arbeitslosigkeit werden viele Menschen im Alter in Armut leben. Das ist bitter. Zudem steigen gerade in den mitteldeutschen großen Städten Halle, Magdeburg, Jena, Weimar, Erfurt die Mieten. Das ist gerade für junge Familien ein großes Problem. Das genauer anzuschauen, hatte Herr Henze kein Interesse. Die Pressestelle unserer Landeskirche hatte Herrn Henze ein Gespräch mit mir angeboten, was er aber nicht angenommen hat.

Warum muss eine Kirchenmitgliedschaft zwingend an die Kirchensteuer-Veranlagung gekoppelt sein?

In der Zeit vor der friedlichen Revolution gab es dies in Mitteldeutschland nicht und im Zusammenhang mit den entstehenden neuen Ländern wurde diese Art des Kirchensteuereinzugs im Osten eingeführt. Dies ist damals auch auf Widerstand gestoßen. Ob diese Kopplung zwingend ist, diskutieren wir gerade. Ich kann mir da verschiedene Modelle vorstellen. Aber da wird noch viel Wasser die Saale runter fließen, bis wir da zu einem Ergebnis kommen. Immerhin ist unsere Kirche zu mindestens einem Drittel von den Kirchensteuereinnahmen abhängig. Die Kirchensteuer ist sozial gerecht angelegt: Wer ein niedriges Einkommen hat, zahlt auch weniger als derjenige mit einem höheren Einkommen. So beteiligen sich alle, die zur Kirche gehören, nach der Höhe ihres Einkommens an der Finanzierung der Kirche. Diese Mittel werden zum größten Teil für Personalkosten, also für den Dienst am Menschen ausgegeben. Geld, das sehr gut angelegt ist.

Dieses Interview ist zunächst in der Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ (Weimar/Magdeburg) erschienen. 

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