Humor und Geduld

Biografie über Axel Noack

Die Journalistin Bettina Röder hat den Magdeburger Altbischof Axel Noack bewegen können, sich auf Spurensuche zu begeben. Durch sieben Jahrzehnte an sieben Stationen: Görlitz, Halle, Naumburg, Merseburg, Wolfen, Magdeburg – und zurück nach Halle. Herausgekommen ist die „Biografie eines frohgemuten Protestanten“. Ein Reisetage-, pardon, Reisejahresbuch durch ein Leben, das mit Humor und Geduld ausgestattet war. Die meisten Leute werden Axel Noack als Magdeburger Bischof kennen. Denen sei dieses Buch besonders empfohlen, denn die Zeit im Bischofsamt nimmt gerade 25 von den 269 Seiten ein.

Dieses Buch ist beklemmend und befreiend zugleich. Und wer sich dieses Buch gönnt, dringt in tiefere Schichten vor. Am Anfang von Axels Noacks Leben steht kein Pfarrhaus. Am Anfang ist ein tapferer Vater, der seinen drei Kindern Rückgrat vermittelt und zu beiden Söhnen steht, als die den Wehrdienst verweigern. Und am Anfang steht eine fromme Mutter, die Herzenswärme vermitteln kann. Axel Noack wäre sicherlich ein guter Mathematiker geworden, aber die Universität, an der er heute Professor ist, hat ihm die Zulassung zum Mathematikstudium verwehrt.

Der regierende Spitzbart wird von Axel Noack als Werkzeug Gottes skizziert, da sein Weg nun in die Theologie abbog. Mit einem Che Guevara Poster an der Wand und Rudi Dutschke im Herzen stieg er in den Brunnen der Vergangenheit und wunderte sich, wie man stundenlang über die Adressaten des Galaterbriefes diskutieren konnte.

Axel Noack hat sich zeitlebens mehr zu denen hingezogen gefühlt, die „mit beiden Beinen auf dem Boden“ stehen. Im Studium lernte er seine spätere Frau Gisela kennen, mit 21 Jahren war er erstmals Vater. Ein Foto im Buch zeigt, wie er seinem ersten Sohn ein Standpunkt Heft vor die Nase hält. Das ist wahrlich etwas Anderes, als Fix und Foxi. Wolfgang Ullmann wird Axel Noacks prägender Dozent in Naumburg – und die von ihm gehaltene Predigt zu seiner Beisetzung 2004 ist eine Perle im Buch.

Der Theologe Friedrich Schorlemmer erkennt Noacks Begabungen und empfiehlt ihn als seinen Nachfolger für die Studentenarbeit in Merseburg. Von dort aus geht Axel Noack mit seiner Familie nach Wolfen, in eine der dreckigsten Chemieregionen Europas. „Immer schön flach die Luft einatmen“ sagt er seinen Kindern. Er bleibt bewusst in einer der unbeliebtesten Landschaften und lehnt jede Westreise ab, weil seine Gemeindeglieder ebenfalls nicht reisen dürfen. Diesen Mann zum Bischof der Kirchenprovinz Sachsen zu wählen, war ein gutes Zeichen. In seiner Bischofszeit empfindet Axel Noack die Feste festlicher und die Konflikte hässlicher. Frustrationen bleiben bei dem Zusammenschluss der beiden Teilkirchen zur Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands nicht aus. Er ist nicht der Typ, der Andere über den Tisch zieht. Aber er erkennt die unterschiedlichen Charakterzüge sehr schnell.

Auch die Stasispitzelberichte von Frauen und Männern über „den Noack“ bleiben nicht in den Kleidern hängen. Axel Noack bezeichnet sich gerne als „links und fromm“. Im Westen waren die Leute eher links oder fromm. Fromm galt als konservativ. Für eine neue Studierendengeneration ist es ein Segen, Axel Noack in Halle an der Saale zu erleben. Gelebte jüngere Kirchengeschichte – frohgemut.

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