Ein Coup

TV-Star liest Karl Barth

Nein, es ist nicht Charlotte von Kirschbaum und auch nicht Nelly Barth, die so frisch und freundlich auf dem Cover dieses Hörbuches prangt, sondern die bekannte Film-, Theater- und TV-Schauspielerin Claudia Michelsen („Der Turm“, „Polizeiruf 110), und sie liest Karl Barth. Die Audio-CD ist außerordentlich reizvoll zu hören, ist es doch eine gelungene Verfremdung. wenn eben nicht die eigentümlich hohe Stimme des weisen, älteren Barths im Schwyzerdütsch-Färbung erklingt, die aus einigen Tonaufnahmen von Predigten und Vorträgen bekannt ist, sondern die klare, nördlich-hochdeutsche Diktion Michelsens – eine Objektivierung der besonderen Art!

Den Vortrag „Die Menschlichkeit Gottes“, den Claudia Michelsen – leicht gekürzt – liest, hielt Barth einst 1956 auf der Tagung des Schweizerischen Reformierten Pfarrvereins in Aarau. Der damals 70-Jährige zog eine Bilanz seines Wirkens und blickt gewiss, aber keineswegs selbstgewiss, auf den Beginn der dialektischen Theologie der Krise am Ende des Ersten Weltkrieges zurück. Barth entfaltet in diesem Vortrag, dass sein Aufbruch als junger Theologe und die Absage an seine liberalen Lehrer auf jeden Fall richtig, aber eben nicht frei von Einseitigkeiten gewesen sei, denn die „Menschlichkeit Gottes“, die habe er vernachlässigt.

Der Text vereint in der ausgefeilten, wunderschönen Theologiesprache Barths wichtige Grundeinsichten, ja, die Summa seiner Theologie. Das alles kühl und kompetent gelesen von Claudia Michelsen – zweifelsohne ein Coup zum Abschluss des Karl-Barth-Jahres, der unter keinem – zumindest reformierten – Weihnachtsbaum fehlen sollte!

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