Tee statt Warmbier

Annäherung an eine urenglische Praxis
Foto: pixelio
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Wenn wir zur Teestunde bitten, ist der Nachmittag gemeint. Nicht bei den Briten, denn für sie ist „anytime Teatime“. Und sie müssen es ja wissen, schließlich haben sie das Teetrinken in Europa eingeführt. Nun ja, genau genommen war es die portugiesische Infantin Katharina von Braganza. Es war im Jahr 1662, als sie den englischen König Karl II. aus dem Hause Stuart heiratete. Angekommen im Whitehall-Palast und mit englischen Manieren wenig vertraut, fragte sie morgens ihren frischgebackenen Gatten nach einer Tasse Tee. Der hob die Augenbrauen: „We don’t drink tea in England. But maybe some ale will do?“

Ein Bierchen am Morgen? Flugs machte sich Katharina daran, ihr Lieblingsgetränk nach London zu importieren. Schließlich war sie ein wenig weltläufiger als ihr Mann, zu ihrer Mitgift gehörten nicht nur Handelsprivilegien für Brasilien, sondern auch für Ostindien, woher der Tee importiert wurde.

Katharina bestand übrigens nicht nur auf Tee, sondern zudem darauf, ihren katholischen Glauben zu behalten, woraufhin man ihr die Krönung zur englischen Königin verweigerte.

Nach dem Tod ihres Gatten kehrte sie nach Portugal zurück, die Sitte des Teetrinkens ließ sie in London. Vorerst labte sich lediglich der Hof an diesem exquisiten Getränk, auch Queen Anne stieg bald vom Warmbier auf Tee um. Dabei war doch gerade erst der Kaffee aus den Kolonien in Mode gekommen, und um 1700 gab es rund 500 Kaffeehäuser in England, die allerdings nur den Herren vorbehalten waren.

Die Damen sannen auf Abhilfe, und bald spazierte man in die ersten Teegärten, wo man das Getränk im Freien genoss. Sehen und gesehen werden – die Herren waren mit von der Partie, es spielten Orchester auf, der Tanztee war erfunden.

Als 1783 die Teesteuern gesenkt wurden, konnten ihn alle Bürgerinnen und Bürger trinken. Mit dem Monopol der East India Company wurde Großbritannien zum Zentrum des europäischen Teehandels, der nun in den eigenen Kolonien angebaut wurde. Tee trank der Brite überall, rund um die Uhr, der Afternoon-Tea ist Anna, einer Hofdame von Königin Victoria zu verdanken. Die Dame aß gern und viel und ihr gelüstete nach Häppchen zwischendurch. So ließ sie sich am Nachmittag einen kleinen Imbiss aus süßem Gebäck und herzhaften Sandwiches zum Tee in ihrem Boudoir servieren, was bald viele nachahmten. Die Damen aus gutem Hause hatten nun Gelegenheit, sich gegenseitig einzuladen und dabei so richtig zu zeigen, was sie besaßen. Nur edle Tischdecken, Silberkannen und das beste Porzellan kamen auf den Tisch, eine Servicekraft, die den Tee einschenkte, war unverzichtbar.

Der Five o‘clock Tea ist dem Kolonialreich zu verdanken, weltweit hielt man daran fest, dass es eine typisch englische Angelegenheit sei, sich in den späten Nachmittagsstunden zum Tee zu treffen und damit die Zeit bis zum Dinner zu überbrücken.

Der Nachmittagstee ist in Großbritannien auch unter dem Begriff „Low Tea“ bekannt, denn traditionell servierte man ihn im Salon an einem niedrigen Tisch. Vom „Low-Tea-Table“ führt man die Tasse immer mit Untertasse an den Mund, die Stuffer-Upper-Lip gehört laut Etikette dazu, während zwischen Milch, Zitrone, Zucker oder Kandis gewählt werden darf. Auch die Etagèren haben hier, zwecks besser Erreichbarkeit der Köstlichkeiten, ihren Ursprung.

Soll es etwas Besonderes sein, gibt es Royal Tea: Dazu gehört Champagner. Das Londoner Ritz eignet sich besonders dafür und ist für seinen Afternoon-Tea genauso berühmt wie für seine Preise – rund siebzig Euro kostet das Vergnügen. Das leisten sich überwiegend Touristen, und der normale Brite schwört ohnehin darauf, dass der Tee am besten aus dem Teapott schmecke, egal ob Earl-Grey, Darjeeling oder Yorkshire Tea – any Tea for Teatime.

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