Glückslaub im Ohr

Musik der Familie Bach

Es gibt so viele gute Aufnahmen der Bach-Dynastie, die die familiären Klangwege hin zu Johann Sebastian aufzeigen, dass man geneigt ist, daran vorbei zu gehen und den Genuss ganz auf das Live-Erlebnis zu fokussieren. Warum man schließlich doch Ausnahmen macht, ist, weil es Ausnahmen gibt, die einen vom ersten bis zum letzten Ton erfassen, entrücken und verändert wieder in den Tag zurückkehren lassen.

Diese Aufnahme mit Werken von Heinrich (1615–1692), Johann Christoph (1642–1703), Johann Michael (1648–1694) und schließlich und natürlich Johann Sebastian Bach (1685–1750) ist so eine. Sie wirbelt und schwebt selig wie Glückslaub in Ohr und Gemüt und offenbart sich in drei guten Gründen: einer virtuosen, gleichwohl hoch natürlichen und ganz und gar mit sich selbst vertrauten Klangsprache, einer selbstverständlichen Verschmelzung von Wort und Ton, die einst Heinrich Schütz’ klingende Predigten großes Vorbild sein ließen, und einer dramaturgisch lebendig durchdrungenen Klarheit. Das alles machen die Interpreten dieser CD: vox luminis – eine nächste und neue Generation der Musici Alter Musik, die sie nicht mehr entdecken, die nicht mehr für sie kämpfen, die auch nicht mehr mit ihr experimentieren muss, sondern wie selbstverständlich mit ihr aufgewachsen ist. Generation 2.0 der Alten Musik. Selige Schönheit des Klangs, zärtliche Geschmeidigkeit des Melodiösen, effektvolle Explosivität in der Harmonik.

Das alles aber wäre nur tönend Erz und klingende Schelle ohne den bewussten Umgang mit den verarbeiteten Texten – und hier verbinden sich das Wort-Ton-Verständnis des internationalen Ensembles und seine programmatische Dramaturgie auf kongeniale Weise. Denn die hier zu hörende Auswahl zeigt nicht nur ein tiefes Wissen um die Vielfalt der Bachschen Klänge quer durch die Familie. Sie offenbart vielmehr und vor allem deren individuell wirkende Kraft, indem sie ganz auf zwei existenzielle, gleichwohl auch theologische Schwerpunktthemen setzt: Trost (Johann Michaels „Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ“ und Johann Christophs „Herr, wende dich und sei mir gnädig“) und Dank (Heinrichs „Ich danke dir Gott“ und Johann Michaels „Herr, der König freut sich“). Dafür ist die Form der geistlichen Konzerte mit fünf bis acht Stimmen, Streichern, Bläsern und Generalbass die besondere, ausgesucht kleine Form zwischen reinen Soli und Chor – und vox luminis ist zweifellos deren erhabener Großmeister und erweist sich in seinem klanglichen Facettenreichtum und der differenziert auslotenden Könnerschaft bis in das Doppelquartett hinein und mit allen exzellenten Musici wiederholt als das Non plus Ultra und erhabener Leitstern in der Kategorie der Vokalensemble. Was für ein Geschenk – das Ensemble und diese CD!

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