Auf ihrem inzwischen mehr als fünfzigjährigen Weg hat die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zahlreiche beachtenswerte theologische Dokumente publiziert und sich damit ambitioniert als ein theologisch ausgewiesenes ökumenisches Modell profiliert. Sie hat die zwischen den beteiligten Konfessionen bestehenden Differenzen auf den Prüfstand gestellt und ihre unterschiedlichen Bedeutungen produktiv eingeordnet und ist dabei schließlich 2018 in Basel zu einem Konsens über ihr Selbstverständnis als Kirchengemeinschaft gelangt. Mit Kirchengemeinschaft wird sowohl ihr eigener ekklesiologischer Charakter als auch die darüber hinausgehende ökumenische Vision hervorgehoben.

Die erfolgreiche Entwicklung der GEKE bleibt allerdings bisher mit der Verlegenheit verbunden, dass die annoncierte ökumenische Gemeinschaft im konkreten Leben der Kirchen nur zögerlich Fuß fasst. Die wohl bedachte gemeinsame Theologie erreicht nicht wirklich die praktizierte Verschiedenheit und droht ein abstrakter Konsens zu bleiben – ein Phänomen, das in der Ökumene nicht nur an dieser Stelle zu denken gibt.

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, hat die Vollversammlung 2018 in Basel einen Studienprozess zur Praxis und Theologie des Abendmahles angeregt mit der von der Überschrift angezeigten Maßgabe, nicht von den theologischen Orientierungen für das Abendmahl auszugehen, wie es bereits im Lehrgespräch von 1988–1994 „Zur Lehre und Praxis des Abendmahls“ geschehen ist, sondern von „den Herausforderungen, die aus der Kirchenpraxis entstehen“, um schließlich zu Empfehlungen für eine einladende Gestaltung des Abendmahles zu kommen.

In dem Buch Praxis und Theologie des Abendmahls werden nun die Ergebnisse dieses Studienprozesses vorgelegt zusammen mit einigen interessanten akademischen Beiträgen, die bei ihrer Erarbeitung eine Rolle gespielt haben. Die Studie wurde 2024 von der neunten Vollversammlung der GEKE in Sibiu „entgegengenommen“ und für die Diskussion in den Mitgliedskirchen „begrüßt“. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass dies die schwächste Form der Annahme eines erarbeiteten Textes durch die Vollversammlung ist, die für ein von der Vollversammlung angeregtes Projekt vorgesehen ist. Es bedarf keiner besonderen investigativen Phantasie, um in dieser zurückhaltenden Würdigung auch bereits eine Problemanzeige zu erkennen.

Das vorliegende Dokument ist deutlich davon geprägt, dass sich der Studienprozess in mehrfacher Hinsicht dazu gedrängt gesehen hat, aus einer Not eine Tugend zu machen. Diese Verlegenheit kann nur teilweise den am Studienprozess Beteiligten angelastet werden, sondern sie ist schon in der Unterbestimmung des Arbeitsauftrages angelegt und wird dann in der nur spärlichen Unterstützung durch die Mitgliedskirchen offenkundig, die der von der Studiengruppe initiierten Umfrage nicht zu der nötigen Resonanz verholfen haben.

Über Anlage und Evaluation der Umfrage wird leider nur sparsam berichtet. Der methodischen Not der Unternehmung begegnet die Studie kühn mit einem in Anspruch genommenen Paradigmenwechsel. Tatsächlich bleibt dieser allerdings auf eine deutliche Zurückhaltung gegenüber präzisen theologischen Einlassungen beschränkt. Gute Theologie war schon immer kritische Praxisreflexion, aber sie sollte dann auch stattfinden. Was die Empirie anlangt, bleiben die Darlegungen der Studie im Horizont des Erwartbaren. Die identifizierte Vielfalt der Praxis des Abendmahls bringt nicht per se schon eine Bereicherung mit sich, sondern diese wäre eigens auszuweisen. Die theologische Reflexion konzentriert sich auf den vom Arbeitsauftrag hervorgehobenen Einladungscharakter des Abendmahls, der dann auch die praktischen Empfehlungen der Studie prägt.

Das größte Anregungspotenzial liegt vermutlich in den im sechsten Kapitel beispielhaft angefügten Elementen für eine alternative Praxis. Insgesamt ein Werkstattbericht eines durchaus sinnvollen Experiments, dessen Idee bisher nur teilweise zu der erhofften Überzeugungskraft gefunden hat.

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