Von Glaube bis Kompost
zeitzeichen: Herr Dr. Pörschmann, das Museum für Sepulkralkultur, das Sie in Kassel leiten, ist weltweit das einzige seiner Art. Es widmet sich der Gräber- und Bestattungskultur. Ist ein Besuch bei Ihnen nicht sehr bedrückend?
Dirk Pörschmann: Im Gegenteil, der Museumsbesuch und damit die Omnipräsenz des Todes macht unsere Besuchenden lebendiger. Viele brauchen zunächst Mut, sich dem Thema zu stellen. Aber man sollte sich immer vergegenwärtigen, dass jedes Leben eine zeitliche Begrenzung hat, die wir nicht kennen. Die Auseinandersetzung damit macht das Leben sinnvoller, reichhaltiger und damit auch freudvoller. Und wenn unsere Besucher das Museum verlassen, lesen sie auf unserer Glastür: „Leben Sie wohl.“
Haben Menschen schon immer ihre Verstorbenen bestattet?
Dirk Pörschmann: Ja, das macht uns zu Menschen. Es ist eine anthropologische Konstante, dass die Gattung Homo ihre Verstorbenen nicht einfach liegen lässt wie die anderen Säugetiere. Menschen übertragen ihre Zuneigung, die sie zur lebenden Person hatten. Wir kümmern uns seit jeher um die Bestattung und schaffen eine würdevolle Ehrerbietung im Umgang mit den Leichen. Aber es ermöglicht uns auch, Abschied zu nehmen und in den Prozess der Trauer einzutreten.
Was zeichnet dabei unsere deutsche Friedhofskultur aus?
Dirk Pörschmann: Sie leitet sich aus der christlich-abendländischen Tradition ab. Die Erdbestattung war die typisch christliche Bestattungsform. Wir haben nur zwei Bestattungsformen in Deutschland, nämlich die Erd- und die Feuerbestattung. Die christlichen Kirchen haben sich unterschiedlich lang gegen die Kremation gewehrt. Das erste Krematorium im Deutschen Reich ist erst 1878 in Gotha errichtet worden. Aber erst am 5. Juli 1963 erlaubte das Heilige Offizium den Katholiken die Feuerbestattung. Mittlerweile werden von den jährlich eine Million bestatteten Leichen knapp achtzig Prozent verbrannt. Charakteristisch für deutsche Friedhöfe ist auch, dass sie seit dem 19. Jahrhundert häufig Parkfriedhöfe sind. Der Grabstein oder die Skulptur hatten im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine große Bedeutung. Aber das verändert sich seit längerem. Die großen Familiengräber auf unseren Friedhöfen belegen heute eher andere Kulturen wie die Sinti und Roma.
Welches sind derzeit die Trends im Bestattungs- und Beisetzungswesen?
Dirk Pörschmann: Die Kremation bleibt weiterhin ein Trend. Ein weiterer sind die Begräbniswälder; 2001 wurde der erste in der Nähe von Kassel eröffnet. Ihre Eröffnung hat die klassischen Friedhöfe unter Zugzwang gebracht, denn damit war ihr Monopol gefallen. Sie mussten sich im Sinne einer kundenorientierten Dienstleistungsgesellschaft den Nutzern öffnen. Friedhofsverwaltungen müssen sich stärker als früher nach den Bedürfnissen der Angehörigen richten, die ihre Toten beisetzen. Statt vor allem nach den eigenen Bedarfen oder denen der Gärtner oder Steinmetze zu schauen. Da hat ein Perspektivwechsel stattgefunden.
Aber auch eine sehr starke Ökonomisierung.
Dirk Pörschmann: Grundsätzlich ist der Markt bei einer Million Toten pro Jahr beschränkt, und damit ist er umkämpft. Auch bei der Arbeit der Bestatter zeigt sich der Wandel hin zu den Menschen. Teilweise waschen sie gemeinsam mit den Angehörigen der Verstorbenen die Leiche, ziehen sie gemeinsam an. All das, was man schon früher gemacht und Anfang des 20. Jahrhunderts über die Dienstleistungsgesellschaft abgegeben hat. Dies ist vor allem so im städtischen Bereich. Heute legt man selbst wieder mit Hand an und findet über diese Selbstermächtigung auch Einstieg in seine Trauer. Denn erst, wenn ich eine Leiche anfasse, begreife ich den Tod.
Was erwarten Sie jetzt von dem neuen Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz, das die Friedhofspflicht aufhebt?
Dirk Pörschmann: Die Friedhofskultur wird sich weiter wandeln. In zwei oder drei Jahren werden wir sehen, ob die Öffnung dazu geführt hat, dass die Menschen den Friedhof aus Kostengründen meiden. Das würde die Friedhöfe noch stärker in ihrer Existenz bedrohen, weil sie ja aus den Nutzergebühren finanziert werden sollen. Doch das funktioniert schon jetzt nicht. Die Pflege wird über die Kommunen quersubventioniert. Wenn die Urnenbeisetzungen weiterhin zunehmen, wird man noch weniger Fläche brauchen. Das heißt, in der Friedhofsentwicklung wird man sich immer stärker auf Kernflächen zurückziehen, die besser zu pflegen sind. Die Ränder lässt man eher auslaufen, je nachdem, wie die Ruhefristen das zulassen.
Was macht man dann mit den Flächen?
Dirk Pörschmann: Sie können zu Parks, zum Erholungsraum ausgebaut werden. Gerade im städtischen Umfeld, wo sie biodivers sind, mit Tierarten, die dort ohne Lichtverschmutzung und andere Störungen leben. Bauland mit Immobilien sehe ich auf den Flächen eher nicht. Wer will schon auf dem Friedhof wohnen, gar auf Flächen, die belegt waren?
Viele Menschen werden inzwischen einfach und anonym beigesetzt, möglichst ohne große Folgekosten. Was sagt dieser Umgang mit den Toten über uns und unsere Zeit aus?
Dirk Pörschmann: Im Wert von etwas liegt immer seine Wertschätzung. Das heißt, ich entscheide, wofür ich mein Geld ausgebe. Wenn es mir wichtig ist, dass mein letzter Ruheort meine letzte Heimat ist, lege ich etwas Geld an die Seite, damit etwas Schönes entstehen kann. Die Bedeutung der Sepulkralkultur nimmt aber an der Stelle ab, an der ich nicht mehr an einen Übergang in eine andere Welt glaube. Wenn ich der Meinung bin, nach mir kommt nur Kompost, muss ich mir nicht so viel Gedanken machen.
Das heißt, die zunehmende Säkularisierung bedroht eine vielfältige Sepulkralkultur?
Dirk Pörschmann: Nicht unbedingt. Denn zugleich sollte man im Blick haben, dass die Angehörigen diejenigen sind, die mit dem Verlust weiterleben müssen und trauern werden. Das Grab ist der klassische Ort dafür, ein öffentlicher Ort. Aber unsere gesellschaftsaktuelle Entwicklung weist immer mehr ins Private. Wenn man die Urne mit nach Hause nehmen kann, wirft das Fragen auf. Wer nimmt sie mit? Wer besitzt diesen Leichenbrand? Was passiert, wenn es Streitigkeiten in der Familie gibt? Was, wenn der Ehemann eine Geliebte hatte? Die wird natürlich nicht bei der Ehefrau klingeln. Der Trend der Privatisierung hat sich in Rheinland-Pfalz durchgesetzt.
In Rheinland-Pfalz ist seit kurzem ein neues Gesetz in Kraft, das den Trend zum Privaten stärkt und den Beruf des Bestatters oder der Bestatterin aufwertet. Sie bekommen die Urne ausgehändigt, können sie in die Privaträume zu den Angehörigen bringen, in die Gärten zum Ausstreuen. Das könnte aber auch eine Pfarrperson bei einer kirchlichen Beisetzung vornehmen. Wäre es nicht sinnvoll, dass die Kirchen selbst Bestattungsinstitute gründen?
Dirk Pörschmann: Ich erachte das als sehr sinnvoll. Die Kirchen könnten auf kirchlichen Friedhöfen bei ihren Mitgliedern die Bestattung kostenlos anbieten. Und eigentlich wäre die Bereitstellung eines kostenlosen Grabes auch eine sinnvolle Option für die Kommunen.
Würde das nicht die Finanzprobleme der Friedhöfe verschärfen?
Dirk Pörschmann: Es würde sie zunächst einmal attraktiver machen.
Es gibt ja gute Gründe für eine Friedhofsbestattung. Friedhöfe sind besondere Orte inmitten unserer Zivilisation, sie bieten das ganze Spektrum von Beisetzungen. Da muss ich nicht lange Strecken außerhalb der Stadt zurücklegen, womöglich noch auf schlecht begehbaren Wegen mit dem Rollator gehen. Und ob die Kommune einen sechsstelligen Betrag in den Friedhof gibt, um seine Defizite auszugleichen, oder ob sie gleich ein kostenfreies Grab zur Verfügung stellt, macht je nach Modell keinen bedeutenden Unterschied. In Zürich oder Basel hat die jeweilige Kommune einen solchen Schritt über Volksentscheid beschlossen.
Hat der zunehmende Wunsch nach Waldbestattung oder dem Verteilen der Asche im Meer oder Flüssen mit dem Wunsch nach Nähe zur Natur zu tun?
Dirk Pörschmann: Das könnte ich zumindest nicht nachvollziehen, denn zur Natur werden wir sowieso alle auf lange Sicht. Was ist in tausend Jahren? Da werden wir uns alle komplett zersetzt haben. Deswegen weiß ich auch nicht, warum das Thema Reerdigung gerade so eine große Welle schlägt. Sicher kann man es schaffen, sich in vierzig Tagen zu kompostieren. Aber das macht die Natur sowieso. Und die Zeit spielt keine Rolle mehr, wenn ich tot bin, sie hat für mich dann aufgehört. Die Begeisterung für diese Turbo-Verwesung hängt mit der Kremation zusammen, und die Reerdigung ist eben die Schnellform der Erdbestattung. Aber ich frage mich: Warum müssen die Leichen eigentlich so schnell verschwinden?
Ist dieser Wunsch nicht auch in anderen Kulturen zu finden?
Dirk Pörschmann: Ja, aber nicht überall, wie zum Beispiel die Toraja zeigen. Sie sind ein Volk auf dem Hochland Tanah Toraja auf der Insel Sulawesi in Indonesien. Bei ihnen werden die Leichen alle paar Jahre noch einmal aus den Gräbern geholt. Stirbt ein Mensch, verbleibt er nicht selten noch jahrelang im Kreis seiner Angehörigen, wird behandelt, als lebte er noch. Die Toten werden nicht unter der Erde begraben, sondern in Särge zur Ruhe gelegt, mitunter in Höhlen. Um den Verwesungsprozess zu verlangsamen, wird ihnen nach dem Tod Formaldehyd gespritzt. Jahre später werden die Särge geöffnet und mit den mumifizierten Leichen wird ein Fest gefeiert.
Eine für uns fremde Vorstellung.
Dirk Pörschmann: Wir Lebenden haben scheinbar viel Angst vor den Toten und wollen die Bestattung so schnell wie möglich hinter uns bringen.
Und die steigende Zahl der Kremationen hält die Bestattung so abstrakt wie möglich.
Dirk Pörschmann: Das Problem mit der Endlichkeit meines Lebens wird mit einer verwesenden Leiche, die ich mir im Falle einer Erdbestattung vorstelle, viel deutlicher. Man hat Bilder aus dem kollektiven Bildgedächtnis im Kopf, die für viele Menschen bedrohlich erscheinen. Das ist etwas, das der Angst vor der Endlichkeit Nahrung gibt. In der Kapuzinergruft in Palermo stehen an den Wänden hunderte mumifizierte Leichen. Wenn ich die Gruft besuche, schaue ich in die Vergangenheit, aber auch in meine eigene Zukunft.
Wir sind schon lange ein Einwanderungsland. Gibt es noch immer Konflikte bei nichtchristlichen Bestattungsritualen auf deutschen Friedhöfen?
Dirk Pörschmann: Es gibt tatsächlich immer noch Kommunen, die keine muslimischen Grabfelder haben. Aber auf vielen deutschen Friedhöfen gibt es muslimische Grabfelder schon seit den 1980er-Jahren. Sie sind nach Mekka ausgerichtet. Wir haben als Mehrheitsgesellschaft allerdings immer noch nicht erkannt, dass diejenigen, die zu uns kommen, sich nicht zuvor unsere Bestattungsgesetze anschauen. Sie werden erst mit den Möglichkeiten und den Unmöglichkeiten konfrontiert, wenn ein Familienmitglied stirbt. Häufig ist die Überraschung groß, wenn man aus einer anderen Kultur mit einer anderen religiösen Tradition kommt. Ich appelliere an die Kompromissbereitschaft unserer Mehrheitsgesellschaft, weil der Tod eines geliebten Menschen einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Menschen finden dann Halt in den Traditionen. Nun ist klar, dass wir nicht an unseren Flüssen Leichen offen verbrennen wie in Indien. Aber wir müssen gemeinsam mit den Zugewanderten Kompromisse finden.
Etwa die Tuchbestattung für Muslime, die nun in Rheinland-Pfalz möglich ist?
Dirk Pörschmann: Genau. In Rheinland-Pfalz ist sie jetzt für jeden möglich, in Sachsen-Anhalt hat man sie gerade erst für Muslime und Juden, also aus religiösen Gründen eingeführt.
Wie beeinflussen Ihrer Meinung nach digitale Formen der Erinnerungen die heutige Bestattungskultur?
Dirk Pörschmann: Die Verknüpfung von Trauer- und Erinnerungskultur mit dem Digitalen hat massiv zugenommen bis dahin, dass man mit dem Avatar eines Verstorbenen kommunizieren kann. Avatare, Chatbots beziehungsweise Deadbots werden über künstliche Intelligenz mit Daten gefüttert, die vom Verstorbenen geblieben sind. Teilweise machen dies aber auch bereits die noch Lebenden. Die KI lernt die Muster der Kommunikation, so dass man mit Verstorbenen vermeintlich weiterhin kommunizieren kann. Das ist ein nachvollziehbarer Wunsch. Wir wollen in Kontakt mit den Verstorbenen bleiben, und als Menschen werden wir immer alle zur Verfügung stehenden Techniken dazu nutzen.
Wie ist man in früheren Zeiten diesem Wunsch nachgekommen? Gibt es Beispiele?
Dirk Pörschmann: Da können wir mit der Totenmaske anfangen. Oder die Post-mortem-Fotografie im 19. Jahrhundert. Damals hat man die Leiche fotografiert und sie so inszeniert, als würde sie noch leben. Wir haben ganz viele dieser Fotos in unserer Sammlung. Da steht eine Mutter neben ihrer toten Tochter, so als würde sie noch leben.
Woher kommt dieses Bestreben, den Tod durch Fotos oder Avatare weg zu inszenieren?
Dirk Pörschmann: Dieses Weiterleben als Abbild, Avatar oder Deadbot bekommt möglicherweise vor allem dann Relevanz, wenn man zuvor die Abschiedsrituale nicht gelebt hat. Wenn man wirklich Abschied genommen, zum Beispiel die Leiche gewaschen und aufgebahrt hat, also all diese sehr menschlichen und alten Rituale durchgeführt hat, ist es meiner Meinung nach nicht mehr so zentral, dass man danach das Abbild eines Verstorbenen trifft, um mit ihm zu kommunizieren.
Haben Sie das persönlich erlebt?
Dirk Pörschmann: Als meine Großmutter starb, war ich vierzehn. Ich sollte ihren toten Körper nicht sehen, die Großmutter vielmehr „in Erinnerung behalten, wie sie war“. Natürlich habe ich, als ich aus der Schule nach Hause kam, sofort die Fotos von ihr herausgesucht. Ich bin sicher, hätte ich einen Abschied von ihr als Leiche gehabt, hätten ihre Fotos eine deutlich geringere Bedeutung in der ersten Trauer gehabt. Je mehr wir mit der Leiche und ohne Angst vor ihr leben, umso weniger suchen wir Ersatz in Medien. Natürlich stecken auch Geschäftsmodelle dahinter, was ja legitim ist. Es stellt sich die Frage, ob Unternehmen, die solche Avatare und Deadbots anbieten, überhaupt ein Interesse daran haben, diese Dienstleistung dem individuellen Trauerprozess entsprechend einzustellen. Das werden wir in den nächsten Jahren genau beobachten müssen.
Es hat sich in den vergangenen 20 oder 30 Jahren viel verändert. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Wie stellen Sie sich die Bestattungen und Beisetzungen in den kommenden Jahrzehnten vor?
Dirk Pörschmann: Die grundsätzlichen Trends werden nicht an Bedeutung verlieren. So wird die Zahl der Kremationen weiter steigen, die der Beisetzungen auf den Friedhöfen sinken. Denn nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch in anderen Bundesländern werden die Bestattungsgesetze novelliert werden und andere Möglichkeiten eröffnen. Der individualisierte Lebensstil, den wir pflegen, wird sich auch nicht verändern, weil er unserem Wirtschaftssystem entspricht. Und das Digitale wird im gleichen Maß an Bedeutung gewinnen, wie die klassischen Bestattungsrituale an Bedeutung verlieren werden.
Wie wird sich dieser gesellschaftliche Wandel in der Bestattungs- und Beisetzungskultur in der kommenden neuen Dauerausstellung Ihres Museums niederschlagen, die ab 2030 zu sehen sein wird?
Dirk Pörschmann: Der Körper wird eine große Rolle spielen, der biologische, aber auch der soziale Körper. Was wird mit mir, wenn ich auf einmal Witwer bin? Dann verändert sich meine soziale Rolle. Solche Fragen stellen wir uns. Auch der biologische Körper und unser Umgang mit ihm wird zentral behandelt werden, denn Bestattungsrituale lösen ja auch zugleich ein Entsorgungsproblem. Allein in Deutschland sterben eine Million Menschen im Jahr. Wir müssen auch weiterhin einen guten und hygienischen Umgang mit ihren Körpern finden.
Haben Sie Ihre eigene Bestattung schon geplant?
Dirk Pörschmann: Grundsätzlich gehöre ich zu den Menschen, die das Eigene nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Es sind meine Angehörigen, die mit meinem Tod weiterleben müssen. Sie sollten, gerne in Absprache mit mir, formulieren, was ihnen einen guten Abschied und eine heilsame Trauer ermöglicht. Ich gehe aber von einer Erdbestattung aus. Das hängt mit meiner eigenen Erfahrung zusammen. Wenn ich am Grab meines Vaters stehe, der jetzt schon 21 Jahre tot ist, habe ich das Gefühl, ich kann einen besseren Kontakt aufbauen, weil ich weiß, dass da sein Körper beigesetzt wurde und seine Knochen noch immer dort liegen. Das ist natürlich meine Vorstellung. Aber diese drei Kilo Asche, die bei einer Kremation übrigbleiben, sind mir zu abstrakt. Deshalb möchte ich mit Sarg in der Erde bestattet werden.
Das Gespräch führte Kathrin Jütte am 8. Dezember per Videokonferenz.
Dirk Pörschmann
Dirk Pörschmann ist promovierter Kunst- und Kulturwissenschaftler. Seit 2018 leitet er als Direktor das Museum für Sepulkralkultur in Kassel. Der 55-Jährige ist ferner Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V.
Kathrin Jütte
Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.