Schon vor 72 Jahren schrieb Erich Fromm, der 1900 in Frankfurt/Main geborene Psychoanalytiker jüdischer Herkunft, eine Abhandlung über die Liebe, die jetzt vertont wurde. Das Thema bleibt aktuell, denn ohne Liebe könne die Menschheit nicht existieren, schreibt Fromm. Dabei geht es um die Liebe in all ihren Varianten, die erotische, die kindliche, die freundschaftliche, die zu Gott.
Oft meinen Menschen etwas Verschiedenes, wenn sie von Liebe reden, der eine will Symbiose, der andere Sexualität und Freiheit und häufig wird Verlieben mit Liebe verwechselt. Fromm, der täglich Selbstanalyse betrieb, will helfen, zur reifen Liebe zu gelangen, und zeigt verschiedene Stufen und Formen der Entwicklung auf, die sich von der infantilen Liebe: „Ich liebe, weil ich geliebt werde“, über die reife Liebe: „Ich werde geliebt, weil ich liebe“, entwickelt. Liebe ist ein Prozess, Liebe muss man erarbeiten, heißt es, denn man liebt das, was man sich erarbeitet hat, ganz besonders.
Fromm, in zweiter Ehe mit einer Amerikanerin verheiratet, schrieb 1953 The Art of Loving nach der Übersiedlung in die USA, wo sein Buch zuerst erschien. Unter diesem Einfluss warnt er vor dem Verlust der Erotik durch den Zwang zur Konformität, um im Arbeitsprozess zu funktionieren. Doch ohne Unterschied, ohne Raum für Abweichungen keine Spannung, keine Erotik, derer die Liebe bedarf.
Den Bogen gespannt zur reinsten Liebe, der Liebe zu Gott, sei die höchste Form der Liebe Mystik, die sich in Demut findet. All diese Denkanstöße werden in der ungekürzten Hörbuchfassung von dem Schauspieler Heikko Deutschmann gelesen und nicht zuletzt durch seine Stimme wird der Text gut in die heutige Zeit transportiert.
Angelika Hornig
Angelika Hornig ist Journalistin und beschäftigt sich vor allem mit kulturellen Themen. Sie lebt und arbeitet in Minden.