Mit Spannungen leben

Was von der EKD-Synode in Dresden übrigbleibt

Das wichtigste Thema der 6. Tagung der 13. EKD-Synode war die Vor­stellung der neuen Friedensdenkschrift der EKD, die den sprechenden Titel Welt in Unordnung trägt. Die Präsentation dieser Schrift im Rahmen der Synode war im Vorfeld mit beachtlichem Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit vorbereitet worden, Motto: Da kommt was Großes. Eigentlich hatte die Synode mit der Entstehung dieser Schrift unmittelbar gar nichts zu tun, aber sie konnte zwei Stunden vor der offiziellen Vorstellung darüber debattieren.

Während der Debatte war zu merken, dass viele Beteiligte mit ihrer Biografie „struggelten“, wie man neudeutsch sagt: So wurde häufig an die Friedens­demonstrationen im Bonner Hofgarten Anfang der 1980er-Jahre erinnert oder daran, wie überzeugt man doch von Jugend an davon gewesen sei, dass der Dienst ohne Waffe das „deutlichere Zeichen“ für Christen sei. Diese persönlichen Erfahrungen als Illustration dafür, wie schwer es ihnen falle, dem Geist der neuen Friedensdenkschrift zuzustimmen, weil darin dem Schutz vor Gewalt ein Prä eingeräumt wird. In der öffentlichen Wahrnehmung aber dominierte der Eindruck, die EKD habe jetzt zugunsten irgendwie gearteter realpolitischer Überlegungen grundsätzlich Schluss mit dem Pazifismus gemacht, der künftig lediglich als persönliche Haltung und nicht mehr als konkrete politische Konzeption zu entfalten sei. Daran werden sich die pazifistischen kirchlichen Gruppen sicher weiter stoßen. Insofern darf man gespannt sein, wie sich die innerkirchliche Diskussion dieses EKD-Textes, der seit langem das größte öffentliche Echo ausgelöst hat, künftig entwickelt.

Von der Öffentlichkeit hingegen kaum beachtet, fand eine Debatte am letzten Synodentag, kurz vor Schluss, statt:  In einem Antrag, der später mit großer Mehrheit beschlossen wurde, wurde gefordert, dass die 1996 erschienene EKD-Orientierungshilfe Mit Spannungen leben zum Thema Homosexualität nicht mehr verbreitet werden sollte, da sie der „universellen Geltung der Menschenrechte“ widerspreche. Dieser Auffassung kann man mit gutem Recht sein. Schwieriger hingegen ist die Frage zu beantworten, die der Synodale Michael Germann (Halle/Saale) aufbrachte. Er wollte wissen, ob dann auch die damaligen Verfasser der Schrift heute „moralisch“ zu verurteilen seien? Die Schrift Mit Spannungen leben jedenfalls war am selben Tag nicht mehr auf der EKD-Website zu finden. Man darf gespannt sein, was künftig an ihre Stelle tritt, angeblich werde im Kirchenamt der EKD bereits ein umfangreicher Text vorbereitet. Das ist gut, denn nicht zuletzt die Ablehnung der Ehe für alle durch die Württem­bergische Landes­synode vor kurzem zeigt, dass das Thema Homosexualität selbst in der EKD immer noch kein befriedetes Feld ist, von der weltweiten Ökumene ganz zu schweigen.

Hinweis:
Hier können die Synodendebatten im Video nachgeschaut werden. Die Debatte zu „In Spannungen leben“ findet sich ganz oben unter „Plenum Teil 7“, Beginn: 2:41.

Einzelartikel kaufen

Sie erhalten Lesezugriff für diesen Artikel.

2,00 €

einmalig

Kein Abo.

z(w)eitzeichen Abonnement

Sie erhalten Zugang zur Rubrik z(w)eitzeichen.

4,00 €

monatlich

Monatlich kündbar.

Online Abonnement

Sie erhalten Zugang zur gesamten Website und zur kompletten Printausgabe als PDF.

64,80 €

jährlich

Monatlich kündbar.
Haben Sie bereits ein Online- oder Print-Abo?
* Ihre Kundennummer finden Sie auf Ihrer Rechnung. Ein einmaliges Freischalten reicht aus; Sie erhalten damit zukünftig automatisch Zugang zu allen Artikeln.

Weitere Beiträge zu „Kirche“