Vorläuferin der Emanzipation

Zum 250. Geburtstag der Schriftstellerin Jane Austen
Teekanne aus Büchern von Jane Austen
Foto: Hans-Jürgen Krackher
Teekanne für die Fans von Jane Austen – gefunden in Bath

Kaum eine andere Autorin ist über Jahrhunderte hinweg so populär geblieben wie Jane Austen, die 1775 geboren wurde und am 16. Dezember ihren 250. Geburtstag feiert. Nun, natürlich feiert nicht sie, sondern es feiern all ihre Fans, und das schon das ganze Jahr. Da gibt es Festivals, die ihre Romane zum Motto haben, Tea-Partys und elegante Lunches, Ausstellungen, Lesungen, Bälle und Führungen durch die Orte, in denen sie gelebt hat, vor allem durch das elegante Bath, in dem sich viele Szenen ihrer Romane abspielen.

Geboren wurde sie im Pfarrhaus des kleinen Ortes Steventon, anstelle des Pfarrhauses steht heute nur noch eine Linde. Im Haus der Kindheit und Jugend entstanden die ersten Fragmente und Geschichten, die später in ihren Romanen wiederverwendet wurden. Das konnte gelingen, weil ihr Vater, ein Pfarrer, der in Oxford studiert hatte, sie und ihre sieben Geschwister förderte und nicht auf eine Heirat der beiden Töchter drängte. Dies bedeutete damals Freiheit, und mit einem kleinen monatlichen Salär ausgestattet, auch Unabhängigkeit für die Schwestern. Nach der Pensionierung des Vaters lebte die Familie eine Weile in Bath, dem Ort mit mondänem Leben, was Jane Austen interessiert beobachtete. Nach seinem Tod fanden Jane, ihre Mutter und Schwester schließlich Heimat in einem Cottage in Chawton, hier fand sie die Muße zum Schreiben. 

Sie war eine der ersten, die den Realismus in die englische Literatur brachte und es verstand, Liebes- und Gesellschaftsroman zu verknüpfen. Ihre Zeit war der Wechsel zwischen Aufklärung und Romantik, eine Zeit zwischen Verstand und Gefühl. Sie schrieb sechs Romane, noch endet jeder in dem Ideal der Zeit, einer glücklichen Ehe. Am bekanntesten ist Stolz und Vorurteil mit dem versnobten Fitzwilliam Darcy und Elizabeth Bennet, das bis heute immer wieder verfilmt wird. Bemerkenswert sind die Dialoge, humorvoll, ironisch und kritisch waren sie Vorläufer für das, womit Oscar Wilde mit seinen Komödien berühmt wurde und was später eine gute Sitcom ausmacht.

Mit spitzer Zunge

Eine Fundgrube für Sozialhistoriker sind ihre Briefe, meist an die Schwester Cassandra. Jane war eine scharfe Beobachterin und deckte schnell die Schwächen ihrer Mitmenschen auf, sie schrieb gern mit spitzer Zunge: „Mrs Bertie wohnt im Polygon House und war nicht zu Hause, als wir ihren Besuch erwiderten. Und darin bestehen auch schon ihre beiden einzigen Tugenden.“ Vor allen Dingen die Männerwelt wurde recht kritisch beobachtet: „Wir sahen gestern Vormittag eine Anzahl von Kutschen voller Schuljungen vorbeifahren – lauter zukünftige Helden, Gesetzgeber, Einfaltspinsel und Schurken.“ Sie thematisiert oft die Heiraten zwischen Paaren, die nur des Geldes und Ansehens wegen geschlossen werden und in denen selten die Liebe eine Rolle spielt. Wiederholt betont Austen, wie wichtig es sei, dass Frauen einen Beruf haben, selbstständig bleiben, und entpuppt sich damit als frühe Vorläuferin der Emanzipation.

Im Sommer 1817 ging Jane mit ihrer Schwester Cassandra nach Winchester, um ihrem Arzt nah zu sein, der sie schon eine Weile behandelte. Jane Austen litt an einer schweren Nierenkrankheit, die damals nicht geheilt werden konnte. Innerhalb weniger Wochen verschlechterte sich ihr Zustand so sehr, dass sie dort am 18. Juli 1817 im Alter von 41 Jahren starb.

Sie wurde beigesetzt in einem Seitenflügel von Winchester Cathedral. Ihr eigentlicher Ruhm begann postum, noch hielt man es nicht für nötig, auf dem Grabstein einen Hinweis auf ihr schriftstellerisches Talent zu geben. Erst später wurde eine Messingtafel angebracht, die bestätigt, dass sie „vielen durch ihre Schriften bekannt war“.

Lebensgroße Statue

In diesem Jubiläumsjahr hat man die große Schriftstellerin entsprechend geehrt: Im „Inner Close“ von Winchester Cathedral enthüllte man im Oktober eine lebensgroße Statue, die die Autorin neben ihrem Schreibtisch zeigt, mit stolz erhobenem Kopf, eine Haube auf den Locken, um den Hals eine Kette mit einem Kreuz, das ihre lebenslange Verbundenheit zur anglikanischen Kirche demonstriert. Ob ihr die Statue ähnlich sieht? Sie habe ein rundes Gesicht und braune Augen gehabt, einen kleinen Mund und eine kleine Nase. Das einzige Bild, was es von ihr gibt, hat ihre Schwester Cassandra in der Jugend mit dilettantischem Geschick gemalt. „Keine Schönheit, aber sehr hübsch“, so das Urteil.

Wer sich für Jane Austens Briefe interessiert, dem sei die Gesamtausgabe Liebste Freundin, erschienen 2025 im Penguin Verlag, empfohlen. Klein und handlich kommt die Ausgabe Herzlich, deine Jane vom Reclam Verlag daher, eine Auswahl ihrer schönsten Briefe, unterhaltsam und familiär.

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