Peter Cornelius war ein Christkind. Jedenfalls vom Geburtstag her, denn der Dichter, Schauspieler und Komponist erblickte am 24. Dezember 1824 in Mainz das Licht der Welt, hineingeboren in eine Künstlerfamilie. Er hatte viele Gaben, doch überdauert hat bis heute nur seine Musik, zumindest für Kenner und Liebhaber. Ein One-Hit-Wonder hat er, was größere Bekanntheit errungen hat. Sein Lied „Drei Kön’ge wandern von Morgenland“, wo er als Text- und Tondichter in Erscheinung tritt und eine gefühlvolle Melodie mit dem vierstimmigen Satz von „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ verbindet, ist wohl bis heute das einzige Stück, das durch unzählige Weihnachtskonzerte, ob in der Solofassung mit Klavier oder mit vierstimmigem Chor, einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist.
Deutlich ausladender als die „Kön’ge“ kommt aber der dreiteilige „Liebe-Zyklus“ daher: drei Motetten auf Texte des frühbarocken Mystikers Johann Scheffler alias Angelus Silesius. Mit diesen wunderbaren Werken eröffnet das Voktett Hannover seine CD „Liebesweisen“, auf der, wie der Untertitel verrät, „Geistliche und weltliche Bekenntnisse“ vereint sind. Die hohe stimmliche und musikalische Qualität der jungen Sängerinnen und Sänger macht diese hochromantische Musik zu einem Hochgenuss. Es ist ungewohnt, diese Musik solistisch besetzt zu erleben, also jeweils nur mit einem Menschen pro Stimme. Das heißt, es gilt, auf das romantische Wabern eines großbesetzten Chores zu verzichten, aber man wird durch harmonische Exaktheit und klare Sprachgebung mehr als entschädigt.
Mit dem gewichtigen Corneliusblock gelang dem Voktett 2019 eine großartige Erstlings-CD, die nichts von ihrem Zauber verloren hat und so weiterhin wärmstens zu empfehlen ist. Ein nächster Höhepunkt darauf, möglicherweise etwas bekannter als das Liebe-Trio von Scheffler/Cornelius, und natürlich eine völlig andere Klangwelt ist die „Hymn to St. Cecilia“ von Benjamin Britten (1913–1976). Die gut zehnminütige Vertonung der Hymne von W. H. Auden ist eine Perle und kann in der Darbietung der acht jungen Sängerinnen und Sänger absolut überzeugen, und Britten versteht es wie kein anderer, musikalische Kurzweiligkeit auf höchstem Niveau zu erzeugen. Ein Must-have der Chorliteratur des 20. Jahrhunderts, in das es sich immer wieder zu vertiefen lohnt. Aber dies sind nur die Höhepunkte der reichlichen Stunde Chormusik, die mit drei Klassikern ausklingt, Mendelssohns „Engel“, den „Herzgedanken“ von Brahms und einem gefühlvollen Satz des norddeutschen Klassikers „Dat du min Leevsten büst“. Das ist alles herzallerliebst und bester Ohrenschmaus für manch dunkle Herbstabende, die jetzt möglicherweise bevorstehen. Unbedingt besorgen, noch scheint die Scheibe nicht vergriffen!
Reinhard Mawick
Reinhard Mawick ist Chefredakteur und Geschäftsführer der zeitzeichen gGmbh.