Der Weg in die ferne Welt beginnt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zum Flughafen. Ein mächtiger Koffer hat gerade noch im Durchgang Platz, seine Besitzerin klammert sich an eine Halteschlaufe. Sie hat nun genug Zeit, die Handybetrachter am Vierertisch zu studieren. Ab und zu rufen sie sich etwas zu, am Ende heißt es immer „Digga“. Im Flieger wird genug Zeit sein, den Begriff zu googeln.

Die Wartezeit am Gate verbringt sie in einer Reihe Handybetrachter im Anzug. Ihr geschäftliches Raunen akzentuieren sie bedeutungsvoll mit dem Füllwort „genau“. Auch dieses Phänomen soll über dem Ärmelkanal in aller Ruhe recherchiert werden.

KI sei Dank steht es geschrieben: Das Wort der Heranwachsenden in der Bahn bedeutet „hey Alter“ von früher. Auch die Füllwort­suche verbindet die KI flugs; jetzt kommt die FAZ zu Wort. Eher ungewöhnlich und doch vielsagend mit der Überschrift „Ja, äh, genau.“

Die Zeit vergeht im Flug bis der Reisenden ein Herr im Schottenrock auf die Schulter tippt: „How are you?“ Sie reibt sich die Augen angesichts der freundlichen Zuwendung und erkennt schließlich: Sie gehört zu den Letzten hier im Flugzeug. Mit „Thanks, I’m fine“ macht sie sich auf ins Abenteuer.

Später steht sie mit großem Koffer allein in einer Wohngegend. Sie ist schon lange auf der Suche nach ihrer Unterkunft, nimmt wieder die KI zur Hand. Da, o Wunder, es fährt ein Auto vor, die Scheibe wird heruntergekurbelt, und ein fremder Mensch fragt unvermittelt „Are you lost?“

Nun ist es gut zu wissen: Hier in der Fremde bedeutet das so viel wie „Darf ich Ihnen helfen, wo steht das Klavier?“. Für deutsche Verhältnisse eine Begegnung der eher unbekannten Art, doch hochwill­kommen. Von nun an hatte kein Meeresrauschen, keine Weltkultur, kein Grillenzirpen eine Chance, nichts mehr sollte den großen Unbekannten toppen, der den Weg zur Herberge wies.

War das ein Zeichen? Entspannt Euch, sie war ganz einfach wunderbar, die Urlaubsbekanntschaft, genau.

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.

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