Von Luther empfohlen

800 Jahre Veste Coburg – erneuert und überformt
Veste Coburg: Fürstenbau und Lutherkapelle. „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort“, äußerte sich Luther.
Foto: Veit-Mario Thiede
Veste Coburg: Fürstenbau und Lutherkapelle. „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort“, äußerte sich Luther.

Am 15. April 1530 traf Martin Luther im Gefolge von Kurfürst Johann dem Beständigen in Coburg ein. Die Reisegruppe zog bald weiter zum Reichstag nach Augsburg. Der mit dem Kirchenbann und der Reichsacht belegte Reformator blieb aus Sicherheitsgründen in der südlichsten Residenz des Kurfürstentums Sachsen zurück. Am 24. April wanderte er zur Veste Coburg hinauf, um zwei Zimmer zu beziehen. Er äußerte: „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort.“ Luther war auf der Veste überaus fleißig: Er schrieb bis zur Abreise im Oktober 120 Briefe, arbeitete an der Übersetzung des Alten Testaments und verfasste Bekenntnis- und Streitschriften wie den „Sendbrief vom Dolmetschen“, in dem er seine Art der Bibelübersetzung verteidigte.

Wer sich heute zu Fuß von der Altstadt hinauf zur Veste begibt, findet nicht mehr alles wie zu Luthers Zeiten vor. Der ehemals kahle Festungsberg ist zum Englischen Landschaftsgarten geworden. Und das Bergschloss der sächsischen Kurfürsten bauten ihre herzoglichen Nachfolger zur Landesfestung aus. Im 18. Jahrhundert setzte deren Verfall ein. Für die Wiederherstellung sorgten die der Burgenromantik verfallenen Herzöge Ernst I. und Ernst II. ab 1838. Sie sahen in der Veste ein Monument ihrer ernestinischen Dynastie und eine Luthergedenkstätte von nationaler Bedeutung. Nach den Worten von Niels Fleck, der die Sonderausstellung zum Jubiläum „800 Jahre Veste Coburg“ kuratiert, überzogen die beiden Herzöge die Bauwerke auf dem Festungsberg mit einem neugotischen Schleier.

Neugotischer Schleier

Als Carl Eduard, der letzte Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, 1905 die Regierungsgeschäfte übernahm, gab ein Geldgeschenk der Bevölkerung den Anstoß zur erneuten baulichen Überformung der Veste. Für die sorgte der Burgenforscher und Architekt Bodo Ebhardt. Er beseitigte den neugotischen Zierrat und schreckte auch nicht vor massiven Eingriffen in die uralte Bausubstanz zurück, die er durch Neubau in alten Formen ersetzte. So gehen die an der Stelle der Burgkapelle errichtete Lutherkapelle und der mit Fachwerk ausgestattete Fürstenbau auf seine Erneuerungsmaßnahmen zurück.

Im Fürstenbau beginnt der Rundgang durch die Dauerausstellungen und die Jubiläumsausstellung, die bis zum 9. November zu sehen ist. Die Ersterwähnung geht auf eine Urkunde von 1225 zurück, die eine Streitschlichtung besiegelte. Damals gab es auf dem Berg eine Burg und eine Niederlassung des Klosters Saalfeld. Die Sonderschau berichtet anhand von Plänen, Objekten und Kunstwerken über die Baugeschichte. Zudem erinnert sie an die Burgherren und ihre Gäste.

Die von der Bayerischen Schlösserverwaltung betreute Veste präsentiert prächtige Sammlungen. Im Carl-Eduard-Bau funkelt die Glassammlung. In der Gedeckten Batterie und auf zwei Etagen des Herzoginbaus findet sich eine der bedeutendsten europäischen Waffenkollektionen. Die Steinerne Kemenate wartet mit einer exquisiten Sammlung altdeutscher Kunst auf, zu der zahlreiche Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren und seinem gleichnamigen Sohn gehören.

Der ältere Cranach war mit Luther befreundet, dem er etliche Porträts widmete. Eines hängt im ersten der beiden Zimmer, die der Reformator in der Steinernen Kemenate 1530 bewohnte. Bis auf die Holzdecken und eine mit Schnitzwerk versehene Tür ist nichts von der Einrichtung erhalten. Im zweiten Raum befinden sich Gemälde, die Luther und weitere Persönlichkeiten der Reformationszeit in Ganzfigur zeigen. Gemalt hat sie Georg Konrad Rothbart für das 1844 eingerichtete, jedoch von Ebhardt aufgelöste „Reformatorenzimmer“. Wertvollstes Objekt ist der von Luther in Ehren gehaltene Hedwigsbecher aus dem 11. Jahrhundert, den einstmals die Heilige Elisabeth besaß. 

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