Kürzlich reiste ich am Wochenende abends von Nürnberg gen Norden und hatte das Glück, einen ICE früher zu erwischen. Das heißt, ich hätte ihn erwischt, denn er kam (fast) pünktlich an. So stieg ich ein und nahm in freudiger Erwartung eines Weizenbiers im Speisewagen Platz. Dann geschah 20 Minuten … nichts. Na sowas! Schließlich hub via Lautsprecher der Zugchef an und richtete sehr ausführlich das Wort an uns. Er wolle Transparenz schaffen und uns offen sagen, wie die Dinge stünden. Der Zug habe einen „leichten Schaden“, der „möglicherweise“ die Weiterfahrt verhindern würde. Aber vielleicht würde es auch gleich gelingen, diesen Schaden zu beheben, dann ginge es in Bälde los …

Doch er wolle auch, ganz transparent, erwähnen, dass der nächste ICE gen Norden in einer guten halben Stunde am Gleis gegenüber abfahren würde. Für mich war spätestens jetzt klar: „Bloß raus hier!“ Und noch während der bemühte Zugführer seinen ganzen Sermon in Englisch hielt, saß ich am Gleis gegenüber, den anderen ICE erwartend. 

Plötzlich sah ich die Zugbegleiterin, die alle aufgrund der vom Zugchef gesäten Hoffnung verbliebenen Fahrgäste aus dem vorderen Teil des ICEs in den hinteren trieb. „Es fährt, wenn, dann gleich nur der hintere Teil“, tat sie lautstark rufend allen kund. Als sie an mir vorbeischritt, raunte ich ihr zu: „Also ich nehme lieber den nächsten …“. Sie antwortete gedämpft: „Sehr richtig, der hier wird nicht mehr fahren, ist alles nur Show.“

So kam es. Und im nächsten ICE, der pünktlich einrollte, gedachte ich der armen Menschen, die sich in den hinteren Zugteil hatten treiben lassen, dann den pünktlichen neuen ICE hatten ein- und abfahren sehen und nun wohl oder übel wohl den übernächsten nehmen mussten. Ob aber an diesem Abend noch einer fuhr? Und wenn, ob der jemals gekommen ist? Ich hoffe schon, brachte es aber nicht mehr übers Herz, dies via Bahn-App zu überprüfen. 

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