An der Front

Die Kirchen in Lettland und Estland müssen sich in stark säkularisierten Gesellschaften behaupten. Aber ihr karitatives Engagement und ihr gesellschaftlicher Einfluss sollten nicht unterschätzt werden
Kirche in Lettland
Foto: Philipp Gessler

Sie sind klein und ziemlich arm, aber gesellschaftlich sehr aktiv. Einst vor allem lutherisch geprägt, gibt es nun mehrere Kirchen in Estland und Lettland, das kirchliche Leben ist bunter geworden. Die Ökumene ist stark und will die Gesellschaften einen. Auch wegen der Angst vor Putins Russland, das ganz nahe ist.

Stolz wie Oskar – eigentlich sollten Reportagen nicht mit abgenudelten Redewendungen und erst recht nicht mit Namenswitzen beginnen. Aber in diesem Fall ist das wirklich schwierig. Denn in dieser schlichten Wohnküche steht ein 47 Jahre alter, fast kahlköpfiger Mann lächelnd vor einer Tafel, auf der mit Kreide neben seinem Namen „Oskars“ eine Zahl steht, die ihn unglaublich stolz macht: „371“. Seit 371 Tagen, also mehr als einem Jahr, ist der Lette Oskars nun schon nüchtern. Keinen Tropfen Alkohol hat er seitdem getrunken. Und das bei ihm, sagt er, fast über sich selbst erstaunt: „Ich war der Verbrecher“, erklärt Oskars, „ich war der letzte Typ in der Welt, der mit dem Trinken aufhört.“

Im Rigaer „Bethlehemhaus“ steht Oskars stolz neben einer Tafel in der Wohnküche, die zeigt, wie viele Tage er schon ohne Alkohol geschafft hat.
Foto: Philipp Gessler

Im Rigaer „Bethlehemhaus“ steht Oskars stolz neben einer Tafel in der Wohnküche, die zeigt, wie viele Tage er schon ohne Alkohol geschafft hat.

 

Die Wohnküche ist so etwas wie das Herz des „Bethlehemhauses“. Es liegt in einer der ärmsten Gegenden Rigas, in der es viel Gewalt und Drogensucht gibt. Das dunkle zweistöckige Holzhaus ist in seiner eher ländlichen Schlichtheit ein Fremdkörper in der zunehmend schick renovierten Innenstadt der lettischen Hauptstadt. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner des „Bethlehemhauses“ passen kaum mehr in die moderne lettische Leistungsgesellschaft. Es sind Drogenabhängige, die von einem katholischen Projekt betreut werden. Oskars ist einer von ihnen. Er habe hier, erklärt er, „die beste Zeit meines Lebens“. Denn vorher habe er die meisten Jahre im Gefängnis oder in psychiatrischen Anstalten verbracht. Und: Der Glaube habe ihm geholfen, aus seiner Sucht herauszukommen.Das „Bethlehemhaus“ in Riga ist ein Leuchtturmprojekt der katholischen Kirche in dem baltischen Staat, der nördlich von Polen und der russischen Exklave Kaliningrad und zwischen den baltischen Nachbarn Litauen im Süden und Estland im Norden liegt. Während die litauische Gesellschaft auch wegen ihrer gemeinsamen Geschichte mit Polen zu knapp 80 Prozent katholisch und christlich geprägt ist, ist die Säkularisierung in den eher protestantisch geprägten Nachbarländern Lettland und Estland schon weit vorangeschritten.Unter den knapp zwei Millionen Letten beträgt der Anteil der Katholiken etwas mehr als 20 Prozent. Der größte Teil der Bevölkerung, 22 Prozent, ist Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche, elf Prozent sind russisch-orthodox. Noch religionsloser ist den Zahlen nach Estland. Von den rund 1,3 Millionen Esten gehört nur noch etwa ein Drittel einer Religionsgemeinschaft an. 14 Prozent sind evangelisch-lutherisch, 13 Prozent russisch-orthodox. Katholische Gläubige gibt es gerade einmal 6 500. Damit gehört Estland zu den säkularsten Staaten der Welt.

Herz und Seele des „Bethlehemhauses“ in Riga: Dana Anskaite vor einem Gemälde, das Motive drogen- abhängiger Bewohner aufnimmt.
Foto: Philipp Gessler

Herz und Seele des „Bethlehemhauses“ in Riga: Dana Anskaite vor einem Gemälde, das Motive drogen­abhängiger Bewohner aufnimmt.

 

Im lettischen Riga führen Dana Anskaite, eine frühere Geschäftsfrau, und Mariusz Kepa, ein katholischer Priester, das „Bethlehemhaus“ mit einer offenkundigen Mischung aus Wärme und Härte. Alle kriegen hier ihre Chance, manche kriegen sie mehrmals, egal, welcher Sucht sie verfallen sind. Aber: Wer mit Drogen erwischt wird, fliegt, selbst Rauchen ist nicht erlaubt. Aber man kann zurückkehren, sobald man wieder clean ist. „Das ist mein Dienst, der mich mit meinem Glauben verbindet“, sagt Dana Anskaite. Man muss nicht christlich sein, um hierher zu kommen, erklärt sie, aber gemeinsam gebetet werde schon.Die ersten fünf Jahre habe das „Bethlehemhaus“ nur „von der Barmherzigkeit Gottes“ und ihren privaten Einkünften gelebt, berichtet Dana Anskaite. Ihr Bischof habe ihr bei der Gründung des Hauses gesagt: „Ich gebe Dir den Segen – aber frage nicht nach Geld.“ Immerhin, das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken zur Förderung der Diasporakirchen in Nord- und Osteuropa hat es mit 115 000 Euro unterstützt: für Renovierungsarbeiten, eine Suppenküche sowie Wasch- und Duschgelegenheiten für Obdachlose.

Ein Blick über die Dächer der Altstadt von Riga – immer noch geprägt von prächtigen Kirchen.
Foto: Philipp Gessler

Ein Blick über die Dächer der Altstadt von Riga – immer noch geprägt von prächtigen Kirchen.

 

Aber es ist klar, gäbe es nicht Dana Anskaite und den mit einem Motorrad (einer Suzuki Intruder) durch die Gegend brummenden Priester Kepa, wäre das Projekt schon längst gestorben. Kepa, der mit seinem langen Bart eher einem Eremiten gleicht, gehört zu den Schweigsamen im Lande. Unten im Werkkeller bastelt er mit den Bewohnern des Hauses ein paar Sachen, die man verkaufen kann, etwa Rahmen für Bienenstöcke. In einem Zimmer ist eine junge Mutter untergebracht, der wegen Drogensucht ihre Tochter entzogen worden war. Nun kann sie mit ihr wieder zusammenleben. „Ich bin sehr glücklich“, sagt sie.Auch wenn die katholische und die evangelische Kirche in Lettland und erst recht in Estland in der Minderheit sind – ihr karitatives Engagement und ihr gesellschaftlicher Einfluss sollten nicht unterschätzt werden. Gerade in der Zeit der sowjetischen Besatzung der baltischen Staaten zwischen 1944 und dem Fall des Eisernen Vorhangs ab 1989 stellten sie einen Hort des mehr oder weniger lauten Widerstands dar, ja manchmal gar des Märtyrertums.

Fast jede estnische und lettische Familie ist durch die Sowjetherrschaft traumatisiert worden. Viele Tausende Letten und Esten wurden in entlegene Regionen des Sowjetreichs deportiert, in die Lager des Gulag. Viele kamen nicht mehr zurück. Bis zur Unabhängigkeit Lettlands und Estlands 1990/91 verfolgte die UdSSR in den baltischen Staaten nicht zuletzt durch die geplante Ansiedlung von Russen eine Russifizierungspolitik, die die baltische Bevölkerungsmehrheit fast in die Minderheit rutschen ließ. Religiöse Traditionen, die eng mit der baltischen Kultur und Identität verwoben waren, wurden in der Besatzungszeit durch sowjetisch-atheistische Feiern ersetzt. Der Glaube galt als gestrig und anrüchig.

Der konservative Erzbischof

Mit dem Wiedergewinn der staatlichen Unabhängigkeit änderte sich das. Sehr angesehen sei beispielsweise seit dieser Zeit Jānis Vanags, der Erzbischof, also das Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands (LELB), erklärt die Rektorin des Rigaer „Höheren Instituts für Religiöse Studien“ (RARZI), Zanete Narkevica. Die Philosophin beschreibt Vanags, der seit bald 30 Jahren öffentlich wirkt, als einen „exzellenten Mann“, der immer wieder zu hören sei, wenn es gesellschaftlich schwierige Zeiten gebe.

Allerdings ist Vanags vor allem international sehr umstritten, weil er die in der LELB schon eingeführte Frauenordination mithilfe einer Synodenmehrheit wieder rückgängig machte. Diese Position ist ihm so wichtig, dass er dafür Kürzungen der Hilfen westlicher Schwesterkirchen und sogar ein Schisma mit der Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche außerhalb Lettlands (LELBAL) in Kauf nimmt. Die LELBAL, die zu Sowjetzeiten im Ausland entstand, wird seit Jahren von einer „Erzbischöfin“ geleitet, nämlich von Lauma Zusevica, die in den USA lebt.Vanags dagegen fährt mit seiner Kirche etwa auch in Sachen Homoehe einen Kurs, mit dem er noch den reaktionärsten römisch-katholischen Bischof in Deutschland locker rechts überholen könnte. Kostprobe: „Es ist ein großer Fehler, die kirchliche Praxis an die Entwicklungen einer von postmodernem Neomarxismus und Säkularismus dominierten Gesellschaft anzupassen.“

Urmas Viilma steht seit sieben Jahren der Estnischen Evangelisch- Lutherischen Kirche vor.
Foto: Philipp Gessler

Urmas Viilma steht seit sieben Jahren der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche vor.

 

Viel entspannter ist dagegen Urmas Viilma. Der Erzbischof der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (EELK) empfängt den Reporter mit großer Freundlichkeit noch in den Abendstunden im Konsistorium auf dem Domberg über Tallinn, der estnischen Hauptstadt direkt an der Ostsee. Es ist das alte Zentrum des Protestantismus in Estland, das lange Zeit von Deutschen, anfangs von deutschen Rittern, geprägt war. Keine Hundert Meter entfernt erinnert eine Gedenktafel an die „Domschule zu Reval“, wie Tallinn früher hieß. Es war über Jahrhunderte eine Kaderschmiede deutsch-baltisch-protestantischer Intellektualität. Cord Aschenbrenner hat in „Das Evangelische Pfarrhaus“ dem deutsch-baltischen Protestantismus vor ein paar Jahren ein faszinierendes Denkmal gesetzt.Gegenüber dem Dom, der gerade renoviert wird, erklärt Erzbischof Viilma, dass sein Land traditionell vor allem mit Skandinavien verbunden sei – Helsinki ist tatsächlich nur durch eine rund 80 Kilometer breite Meerenge von Tallinn getrennt. „Wir sind dem skandinavischen Staatskirchenkonzept näher als dem zentraleuropäischen protestantischen Kirchenkonzept.“ Seit der Reformation und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sei Estland fast ausschließlich protestantisch gewesen, weil unter der schwedischen Herrschaft der staatliche Glaube lutherisch war. Noch kurz vor dem Zweiten Weltkrieg waren mehr als 80 Prozent der Esten lutherisch. Allerdings erwuchs aus diesem privilegierten Status ein gravierender Nachteil, als die lutherische Kirche ihre völlige Unabhängigkeit vom Staat erklärte. Denn nun verfügte die Kirche über praktisch keine Einnahmen mehr, die ihr vom Staat irgendwie hätten gesichert oder – wie in Deutschland – vermittelt werden können.

Das Deckengemälde in der Privatkapelle des Tallinner Erzbischofs Urmas Viilma.
Foto: Philipp Gessler

Das Deckengemälde in der Privatkapelle des Tallinner Erzbischofs Urmas Viilma.

 

Das bedeutet, dass die EELK vor allem von freiwilligen Spenden leben muss. Auch statistisch ist das bedeutsam, denn als Kirchenmitglied gilt in Estland nur, wer der Kirche im jeweiligen Jahr eine Spende gegeben hat, wie Erzbischof Viilma erläutert. Das erklärt, warum offiziell nur noch 14 Prozent der Esten als evangelisch-lutherisch gezählt werden. Dennoch betrachte man sich weiter traditionell als Volkskirche, sagt der Bischof, verantwortlich für die ganze Gesellschaft. Viilma zeigt an einer Wand eingerahmte Kopien von Briefen Martin Luthers, die er in den frühen Jahren der Reformation an Anhänger in Reval geschickt hat. Zuvor hatte der Erzbischof durch seine Privatkapelle geführt. Die farbenfrohe Sinnlichkeit der Malerei erinnert ein wenig an katholische Frömmigkeit – auch das große Brustkreuz des Erzbischofs hat eher diese Anmutung. Ein ähnliches Kreuz fällt bei Jaak Aus auf. Der Pfarrer der größten lutherischen Gemeinde in Tallinn stattet der katholischen Schule in der Innenstadt von Tallinn einen Tag später bei einem Schulfest einen Besuch ab. Neben ihm steht Philippe Jourdan. Mit dem hiesigen römisch-katholischen Bischof ist Aus eng befreundet – und dass der französisch-stämmige Jourdan Mitglied des katholisch-konservativen Opus Dei ist, tut der Freundschaft offenbar keinen Abbruch.

Eingerahmt die Kopien dreier Briefe Luthers an seine Glaubensbrüder im damaligen Reval.
Foto: Philipp Gessler

Eingerahmt die Kopien dreier Briefe Luthers an seine Glaubensbrüder im damaligen Reval.

 

Das Luthertum in Estland ist dennoch lange nicht so konservativ wie das lettische unter Erzbischof Vanags. Ein Zeichen für die estnische Liberalität ist etwa Anne Burghardt, die seit November 2021 Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes in Genf ist – übrigens als erste Frau in diesem Amt. Die nicht zuletzt an deutschen Universitäten ausgebildete Theologin bringt auch deshalb beste Voraussetzungen für diese Aufgabe mit, da die Ökumene in Estland ganz groß geschrieben wird.Mindestens einmal im Monat treffen sich die führenden Köpfe der estnischen Religionsgemeinschaften, um gemeinsame Probleme vor allem in ihrem Verhältnis zu Staat und Gesellschaft zu wälzen. Die besondere Pointe dabei: Gerade diese Treffen stellten in den letzten Monaten einen quasi-neutralen Grund dar, dass sich die beiden russisch-orthodoxen Kirchen Estlands (die eine untersteht dem Patriarchat in Moskau, die andere dem in Konstantinopel/Istanbul) überhaupt treffen können. So konnte zumindest kurzfristig mal die offizielle Funkstille beendet werden zwischen den beiden orthodoxen Kirchen, die sich wegen des Ukrainekrieges noch mehr entfremdet hatten.

Wladimir Putin droht

Überhaupt ist der Ukrainekrieg für die estnische und die lettische Gesellschaft von einer kaum zu überschätzenden Bedeutung. Wegen des Krieges ist die Inflation in beiden Ländern rekordverdächtig in die Höhe geschossen. Beide Nato-Länder grenzen an Russland an. Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hat schon häufiger deutlich gemacht, dass er das Baltikum eigentlich als großrussisches Territorium begreift. Das Ganze ist umso brisanter, als beide Staaten eine russischsprachige Minderheit haben, die jeweils etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerungen ausmacht. In dieser Minderheit gibt es viele Putin-Fans. Narva, die drittgrößte Stadt Estlands, liegt direkt an der Grenze zu Russland. In ihr gehören etwa 95 Prozent der Einwohner der russischsprachigen Minderheit an.

Der evangelische Dom zu Tallinn. Trotz der äußeren Pracht der Kirchen: Estland gehört zu den säkularsten Staaten der Welt.
Foto: Philipp Gessler

Der evangelische Dom zu Tallinn. Trotz der äußeren Pracht der Kirchen: Estland gehört zu den säkularsten Staaten der Welt.

 

Wenn die Aggression gegen die Ukraine für Putin erfolgreich sein sollte, sind als nächstes die baltischen Staaten dran, diese Angst ist in Lettland und Estland mit Händen zu greifen. In der Innenstadt von Tallinn wurden Absperrgitter keinen Meter vor der russischen Botschaft aufgestellt. Sie sind übersät mit Dutzenden von drastischen Plakaten und Postern, die den Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilen. Dass an Putins Händen Blut klebe, gehört dabei noch zu den harmlosesten Anklagen.

Vor der Russischen Botschaft in der Innenstadt von Tallinn klagen Dutzende Plakate Putins Krieg gegen die Ukraine an.
Foto: Philipp Gessler

Vor der Russischen Botschaft in der Innenstadt von Tallinn klagen Dutzende Plakate Putins Krieg gegen die Ukraine an.

 

Woher diese Bitterkeit kommt, ist leicht verständlich, wenn man die Studentin Solomiya Branets und Roman Kikh trifft, der Priester der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche ist. Sie ist Teil der römisch-katholischen Kirche, folgt aber in der Liturgie dem byzantinischen Ritus – und erlaubt übrigens ihren Pfarrern die Ehe, wenn sie vor der Weihe eingegangen worden ist. Das ist eine Besonderheit in der römisch-katholischen Weltkirche, Pfarrer Kikh hat eine Frau und zwei Kinder.

Die katholische Kirche in Tallinn unterrichtet Kinder aus der Ukraine.
Foto: Philipp Gessler

Die katholische Kirche in Tallinn unterrichtet Kinder aus der Ukraine.

 

Der Pfarrer und Branets kümmern sich um die ukrainischen Flüchtlinge, die seit Ende Februar zu Zehntausenden nach Estland geflohen sind. In der so kleinen wie bunten Minikirche mit einer bezaubernden Ikonenwand (Ikonostase) erzählt die junge Frau herzzerreißende Geschichten über die Traumatisierungen, die selbst Kinder erlitten haben. Wie viele Menschen im Baltikum hat sie nur einen Rat, was die Ukrainer mit den Invasoren tun sollten: „Kick them out – Kickt sie raus!“Sanfter und hintergründiger ist dagegen Anatoli Kuzmich Ljutjuk. Der überaus originelle Künstler, verheiratete Ordensmann und Designer leitet gleich neben der griechisch-katholischen Kirche ein „Ukrainisches Kulturzentrum“, das zugleich seine Wohnung, seine Werkstatt und ein Ausbildungszentrum für Buchkunst-Interessierte ist. Im halb verwilderten Hof feuert er ein Kunstwerk von ihm an. Es ist eine Art Himmel- und Höllenmaschine, die irgendetwas zwischen dampfender Jahrmarktattraktion und beweglicher Ikonenwand ist. Ljutjuk zeigt in seiner Werkstatt Holzspielzeug, das er entworfen hat, etwa einen kleinen Apparat, „der die Sünden wiegt“, wie er erklärt.

Die Himmel- und Höllenmaschine des Künstlers und Ordensmanns Anatoli Kuzmich Ljutjuk in Tallinn.
Foto: Philipp Gessler

Die Himmel- und Höllenmaschine des Künstlers und Ordensmanns Anatoli Kuzmich Ljutjuk in Tallinn.

 

Vor allem aber präsentiert der Künstler seine riesigen Bücher mit selbst gemachtem Papier. Sie erzählen neben faszinierenden Grafiken von seiner Hand, wie im Ukrainekrieg Tiere Menschen gerettet haben – alles wahre Geschichten, wie der bärtige Mann versichert. Dann schenkt er dem staunenden Besucher ein gedrucktes Blatt mit einer ikonenhaften Maria, der ein Fisch, ein Hase und eine Taube helfen, die Knoten zu lösen, die das Leben derzeit so einschnüren. Die Gottesmutter hat, nicht nur im Baltikum, gerade viel zu tun. 

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