Klima, Krieg und sexualisierte Gewalt

Die anstehende EKD-Synodaltagung in Magdeburg steht vor einem dichten Programm mit schweren Themen
Der Dom in Magdeburg
Foto: Klaus Steves / pixelio
Der Dom in Magdeburg, in dem der Eröffnungsgottesdienst des Synodaltreffens stattfindet.

Die EKD-Synode tagt ab Sonntag kommender Woche in Magdeburg nach fast drei Jahren endlich wieder vollständig in Präsenz – wenn nicht in letzter Minute etwas dazwischenkommt. Auch deshalb soll viel Zeit für Begegnung und Austausch sein, denn man kennt sich ja kaum. Die harten Themen stapeln sich, und klar ist schon jetzt: Am Dienstag übernächster Woche ist von den Synodalen äußerste Diskussionsdisziplin gefragt.

Die EKD-Synodaltagung, die ab Sonntag kommender Woche in Magdeburg stattfinden soll, werde „zu 99,9 Prozent“ in Präsenz möglich sein. Das sagte am Freitag in Berlin Anna-Nicole Heinrich, die seit 2021 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist und damit das, je Interpretation, zweithöchste Amt der EKD mit ihren rund 20 Millionen Mitglieder in der Bundesrepublik innehat. Dass das Kirchenparlament wieder in persona zusammentritt, wäre früher keine Nachricht gewesen. Nach fast drei Jahren Pandemie aber ist dies bemerkenswert, da dieser Umstand auch den Ablauf der Synode mitbestimmen wird.

Es ist viel Zeit fürs Kennenlernen und für den Austausch unter den Synodalen eingeplant, erklärte die Präses, die mit 26 Jahren für dieses hohe Amt ungewöhnlich jung ist und weiter neben ihrem Präses-Ehrenamt vor allem Zeit für ihre Aufgabe als Wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Regensburg investiert. Doch neben dem Kennenlernen erwartet die Synodalen in der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt in diesen Kriegs- und Krisenzeiten ein sehr dichtes Programm, das wohl umso schwieriger in der nötigen Tiefe zu verwirklichen sein wird, da die Synode mit ihren Vortreffen der Bekenntnisbünde VELKD (lutherisch) und UEK (reformiert-uniert) im Vergleich zu früher auch noch um einen Tag verkürzt wurde.

Krieg und Frieden

Das erste Großthema wird dabei der Krieg beziehungsweise der Frieden sein. Den Aufschlag macht dabei der umstrittene Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Friedrich Kramer, der als Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit Sitz in Magdeburg beim Eröffnungsgottesdienst der Synode am Sonntagmorgen im Dom die Predigt halten soll – sie wird übrigens als Fernsehgottesdienst auch im ZDF übertragen. Bischof Kramer hatte kurz nach dem Überfall der russischen Armee auf die Ukraine Ende Februar auch im Gespräch mit „zeitzeichen“  eine pazifistische Haltung zum Ende des Krieges zum Ausdruck gebracht, die in weiten Teilen der EKD und der Öffentlichkeit auf Ablehnung stießen. Denn sie wurden von vielen als ein unbedingtes Nein zu Waffenlieferungen und eine de-facto-Aufforderung zur Kapitulation der Ukraine interpretiert.

Zusätzlich wird der Landesbischof nach bisheriger Planung am Dienstagnachmittag der Synode als Friedensbeauftragter des Rates einen ersten Bericht vorlegen – Kramer ist erst seit Anfang des Jahres in diesem Amt. Präses Heinrich sagte dazu, die Grundannahmen der EKD-Friedensethik seien nicht überholt, aber man werde auf der Synodaltagung über ein mögliches „Transferproblem“ dieser Thesen diskutieren. Man knüpfe zwar an die „Friedenssynode“ des Jahres 2019 an, gleichwohl gebe es „Gesprächsbedarf“ bei diesem Thema. Zusätzlich rechne sie schon zu Beginn der Tagung mit einem Antrag, bei dem die „Trias“ Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung thematisiert werde. Auch die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus wird in ihrem Ratsbericht am Sonntagmittag sicherlich das Kriegsthema ansprechen. Am Sonntagnachmittag soll der Bericht diskutiert werden.

Klima und Kirche

Das zweite große Thema, das ebenfalls am Dienstag diskutiert werden soll, ist der Klimaschutz. Die Präses geht davon aus, dass die Synode bei den gerade beschlossenen Richtlinien des Rates zum Klimaschutz womöglich noch eine stärkere Verbindlichkeit einfordern werde. Eine „Korrektur nach oben“ sei dabei „kein Gegen-den-Rat“, stellte sie klar. Wichtig würden die Ziele, eine „Roadmap“ zur Umsetzung der Klimaziel-Bemühungen sowie eine Berichts- und Nachjustierungspflicht bei den entsprechenden Maßnahmen für den Klimaschutz, erklärte die Präses. Die EKD nimmt sich vor, bis 2035 klimaneutral zu sein. Die Synode wird erstmals auch die erste und erst vor kurzem berufene Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Schöpfungsverantwortung hören. Es ist Kristina Kühnbaum-Schmidt, die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland mit Sitz in Schwerin.

 

Schließlich wird das Dauerthema „Missbrauch“ die Synode bestimmen – auch dieses soll am Dienstag diskutiert werden. Eine große Rolle wird dabei das neu eingerichtete „Beteiligungsforum“ spielen. Es bündelt nach starken Irritationen in den vergangenen Jahren die Kräfte des EKD-Beauftragtenrates zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. mit drei Bischofspersonen und zwei Juristen, einerseits mit andererseits dem ehrenamtlichen Engagement der Missbrauchsbetroffenen, die sich seit Jahren in der EKD um Aufarbeitung des Skandals um sexualisierte Gewalt bemühen. Präses Heinrich betonte, dass die Betroffenen im 20-köpfigen Beteiligungsforum zwar mit acht Personen in der Minderheit seien, die Äußerungen dieses Forums jedoch immer eine Mehrheit der Betroffenen erforderten. Außerdem müssten alle Anträge oder Beschlüsse der Synode zum Thema zuvor das Placet des Beteiligungsforums erhalten.

Haushalt und Digitalisierung

Neben diesen drei Großthemen muss wie jedes Jahr der EKD-Haushalt beschlossen werden. Außerdem sollen die Fortschritte bei der Digitalisierungsstrategie der EKD diskutiert werden, was die Kommunikation untereinander sowie die Transformation der Landeskirchen und ihre Entwicklung fördern soll. Es ist ein komplexer Prozess, den die Landeskirchen größtenteils schon selbst anpackt haben, da sie die dringende Notwendigkeit solcher Reformen etwa bei Technik und Struktur sehen.

Wie dieses immense Programm der Synodaltagung samt nötiger Debatten in Magdeburg in so wenigen Tagen bis Mittwoch übernächster Woche zu schaffen sein wird, erscheint am Ende ein wenig rätselhaft. Immerhin wird man an einer Stelle etwas Zeit sparen: Dank neuer Technik wird der traditionelle und lautstarke Namensaufruf zu Beginn der Synode nicht mehr nötig sein. Aber das ist fast auch ein wenig schade.

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