Der Wille zur Hoffnung

Noch gibt es bei wenigen diese Erinnerungen: an das Grauen, das Elend, das Morden in den Arbeits- und Vernichtungslagern der Nazis.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

ICE-Späti als Chance

ICE-Späti als Chance

Punktum

„Späti“? Normalerweise bezeichnet der Begriff eine Verkaufsstelle, in der man weit außerhalb der sowieso schon ausgeweiteten Öffnungszeiten des Einzelhandels noch Dinge des täglichen Bedarfs, vordringlich Lebensmittel und Alkoholika, erwerben kann. Doch nachdem nun schon länger als die Entwertung unseres Geldes inflationäre Verspätungen der Deutschen Bahn unser Land prägen, gewinnt „Späti“ als Begriff noch eine ganz andere Bedeutung – und zwar diese: Als passionierter Bahnpendler gönne ich es mir manchmal, zehn, zwanzig Minuten früher als nötig zum Berliner Hauptbahnhof zu streben, um dort vor Abfahrt gen Westen in der DB-Lounge noch einen Kaffee oder eine Laugenbrezel zu ordern und ja, zuweilen, wenn der Tag nicht ganz so war wie gewünscht, auch ein Pils – in aller Ruhe und gratis, versteht sich.

Letztens sah ich dann auf der An­zeigetafel in den behaglichen Räumen mit Blick aufs Kanzleramt, dass mein ICE auf einmal mit fast einer Stunde Verspätung abfahren sollte. Ach Du Sch … – aber nein, fluche nicht, es lockt ja das Weiterchillen in der Lounge: Vielleicht noch ein Wrap, ein BircherMüsli oder gar ein zweites Pils, nur die Ruhe …

Mit der Ruhe war es dann aber vorbei, als ich auf meiner Bahn-App sah, dass der ICE, der eigentlich eine Stunde vorher gen Westen fahren sollte, nun vor just einer Minute mit knapp einstündiger Verspätung seinen Weg nach Westen angetreten hatte. Ein sogenannter „Späti-ICE“ also, sprich, etwa eine Stunde zu spät, aber damit eigentlich für mich genau passend. Verflixt! Ich will jetzt gar nicht jammern, dass sich die Verspätung auf den jenem Späti folgenden ICE noch summierte, aber ich weiß ab heute: Obacht, immer die Bahn-App im Blick haben, denn trotz horrender Ver­spätungsinflation geht häufig mehr als Du denkst! 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Beiträge zu "Gesellschaft"

Kind und Opfer seiner Zeit

Im sozialistischen Vorwärts erschien am 30. Dezember 1922 eine Glosse von Joseph Roth unter dem Titel „Die Freuden des Winters.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Aufbruch

Das gehört zu den Platituden von Lebenshilfebüchern: Wenn etwas zuende geht, beginnt etwas Neues. Oder: In jedem Abschied steckt die Chance zum Aufbruch. Aber wie das mit solchen Platituden ist: Im Kern enthalten sie ein Fünkchen Wahrheit. Wichtig ist nur, sie nicht als billigen Trost einzusetzen, sondern die jeweils konkrete Lebenssituation betroffener Menschen in den Blick zu nehmen.

Das ist der Ansatz in Anselm Grüns Buch Abschiede – Aufbruch in neue Welten. Der vor allem durch seine zahlreichen Veröffentlichungen zu Spiritualität und Lebensweisheit einer breiten Leserschaft bekannte Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach weiß um die Vielfalt der Abschiede, die ein Mensch in einem Leben zu bestehen hat – der unheilvollen und der heilsamen. Da ist die erste Trennung vom Elternhaus, wenn der Kindergarten beginnt, da sind Umzüge, die mit dem Verlust eines gewohnten Umfeldes einhergehen, da sind die Trennung von der Partnerin/vom Partner oder der Wechsel des Arbeitsplatzes. Beispiele lassen sich noch etliche aufzählen. Zu den schwersten Abschieden dürfte wohl der Verlust eines geliebten Menschen zählen.

„Abschiede haben immer ein Doppelgesicht. Das eine Gesicht blickt zurück, das andere nach vorne“, schreibt Grün. Aus christlicher Perspektive nimmt er diese „Doppelgesichtigkeit“ von Abschieden in den Blick. Und zwar nicht nur von solchen, die sich im praktischen Leben ereignen, sondern auch von Abschieden im Kopf oder Herzen – etwa von Lebensträumen, von überkommenen Gottes- oder Kirchenbildern. „Wenn alte ideelle Orientierungen nicht mehr tragen“ ist das entsprechende Kapitel überschrieben, und es mag manchem Leser und mancher Leserin helfen, sich klar zu werden über die Veränderungen in eigenen Vorstellungswelten und Zielen, im Glauben und in der Rolle der Kirchen. Ob die Lektüre aber in wirklichen Lebens- oder Glaubenskrisen hilft, muss wohl bezweifelt werden.

Mag sein, dass das auch nicht die Intention des Buches ist. Und mag sein, dass Bücher generell dazu nicht in der Lage sind – trotz gefüllter Regale in den Buchhandlungen unter der Überschrift „Lebenshilfe“. Manchmal verspricht der Titel eben mehr, als der Inhalt halten kann. Deshalb werden auch Trauernde, die Unterstützung und Stärkung in diesem Buch suchen, vermutlich enttäuscht werden. Zu lesen, dass es keine Norm gibt für die Dauer der Trauer, dass es darum geht, nach dem Tod eines geliebten Menschen eine neue Beziehung zu sich selbst, zu dem Verstorbenen und zu Gott aufzubauen, sind wohlfeile Ratschläge, die in der Phase der echten Trauer, des tiefen Kummers, der Leib und Seele niederstreckt, kaum hilfreich sind. Wenig angesprochen von Grüns Aussagen dürften sich auch Menschen fühlen, die – vorübergehend oder grundsätzlich – keinen Trost in der christlichen Auferstehungshoffnung und in der Erzählung von Gottes Liebe finden können.

Wer jedoch nicht Lebenshilfe in einer persönlichen Krisensituation erwartet, sondern Denkanstöße eines in spirituellen und psychologischen Fragen erfahrenen gläubigen Christen, wird mit Grüns Buch gut bedient sein. Eben weil es dem Autor gelingt, die vielen verschiedenen Facetten von Abschieden und Neuaufbrüchen zu reflektieren und dabei auch manche Idee aus der Religionsgeschichte, der Literatur und Philosophie in den Blick zu nehmen. Getreu seiner eigenen These: „Indem wir den Abschied bedenken, werden wir hineingeführt in das Geheimnis unseres Lebens.“

Einen Neuaufbruch im eigenen Leben könnte – darauf kommt Anselm Grün gegen Ende seines Buches – vielleicht dieser Abschied nach sich ziehen: der von der Illusion, „dass wir selbst oder die Menschen, die wir lieben, vom Leid verschont bleiben“.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Rezensionen

Ein falsches Wort

Ein falsches Wort

Gefahren der Identitätspolitik

Man kann es etwas überspitzt so sagen: Nachdem auf dem deutschen Buchmarkt drei, vier Jahre lang Bücher zu Antirassismus und zu den Vorteilen von, sagen wir „Identitätspolitik“, so umstritten dieser Ausdruck ist, schwer in Mode waren, meist geschrieben von „People of Color“ mit Rückgriff auf eigene leidvolle Rassismus-Erfahrungen, ist das Pendel nun in die andere Richtung ausgeschlagen. Derzeit häufen sich die Bücher, die zumindest die extremen Formen linker Identitätspolitik vor allem in den USA, aber auch zunehmend in Deutschland sehr kritisch sehen. Der Autor dieser Zeilen, das als Transparenzhinweis, gehört ebenfalls zu den Verfassern eines Werkes der letztgenannten Richtung.

Nun hat René Pfister, Leiter des „Spiegel“-Büros in Washington, mit Ein falsches Wort ein Buch vorgelegt, das bereits im Untertitel die Kernthese des Werks gut zusammenfasst: „Wie eine neue linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht“. Es gehe, so schreibt Pfister, schon früh mit einem nicht unangemessenen Pathos „um den Kern der liberalen Demokratie“: „Sie wird nicht nur angegriffen von einer populistischen Rechten. Sondern auch von einer doktrinären Linken, die im Namen von Antirassismus, Gleichberechtigung und des Schutzes von Minderheiten versucht, Prinzipien zu untergraben, die essenziell sind: die Rede- und Meinungsfreiheit; die Idee, dass jeder vor dem Gesetz gleich ist; den Grundsatz, dass niemand wegen seiner Hautfarbe oder seines Geschlechts benachteiligt werden sollte.“

Die Stärke von Pfisters Buch ist, dass er diese These einleuchtend und gut lesbar belegen kann. Komplizierte soziologische und philosophische Ideen und Entwicklungen bringt er prägnant auf den Punkt, gesättigt durch aufwändige eigene Recherche in den USA, wo die linke Identitätspolitik in den letzten Jahren gerade an den Universitäten, die ja eigentlich das gesellschaftliche Labor der Zukunft sein sollten, zu oft so absurden wie traurigen Phänomenen geführt hat. Schon der Titel dieses Kapitels sagt alles: „Wie Universitäten zu geistigen Klöstern werden“.

Besonders gelungen sind in Pfisters Werk die Passagen, in denen er die philosophisch-ideologischen Grundlagen einer linken, noch heute wirkenden und exkludierenden Identitätspolitik vorstellt, angefangen mit einem bahnbrechenden Essay Herbert Marcuses von 1965 mit dem Titel „Repressive Toleranz“. Darin schreibt der Soziologe, in der „totalitären Demokratie“ würden die Herrschenden immer Wege finden, sich an der Macht zu halten. Deshalb müssten politische Kräfte, die seiner Ansicht nach dem Fortschritt im Wege stehen, aus dem öffentlichen Diskurs verbannt werden. Pfister analysiert: „Es ist ein Argumentationsmuster, das in kaum abgewandelter Form in den vergangenen Jahren an amerikanische Universitäten zurückgekehrt ist. Inzwischen gibt es fast wöchentlich einen Fall, in dem ein Professor suspendiert oder eine Gastrednerin ausgeladen wird, weil sie Meinungen vertreten, die als unsensibel, rückständig oder verletzend gegenüber Minderheiten gelten. Insofern war Marcuse einer der Pioniere des Gedankens, dass Meinungsfreiheit, die konstitutiv für jede Demokratie ist, im Kern nichts weiter darstellt als einen Knüppel in der Hand der Herrschenden.“

Verheerend war auch die Abscheu des französischen Philosophen Michel Foucault gegenüber den Ideen der Aufklärung, der parlamentarischen Demokratie, ja der Sprache an sich: Denn alle drei seien de facto bloß Machtinstrumente der Herrschenden. All dies wirke bis heute nach.

Pfister hat mit Ein falsches Wort eine sehr gute Grundlage geliefert, um die Gefahren einer radikalen linken Identitätspolitik aufzuzeigen, ohne dabei die Abgründe einer rechten Identitätspolitik à la Trump kleinzureden. Und das alles sachlich und ohne Schaum vor dem Mund. Das Buch ist ein Dienst an der Demokratie. Es ist zu hoffen, dass es viele lesen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Rezensionen

Konfliktfreudig

Konfliktfreudig

Pfarrer in der Bundeswehr

Klaus Beckmann war bis 2020 evangelischer Militärdekan, begleitete Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan und Mali und arbeitete danach als persönlicher Referent des Militärbischofs. Den kirchlichen Friedensdiskurs sieht der evangelische Theologe kritisch. Provokativ legt er in seinem Buch dar, der sogenannte deutsche Nationalpazifismus könne auf dem Hintergrund des nicht bewältigten Nationalprotestantismus interpretiert werden. „Nie wieder Krieg!“ ist für Beckmann eine spezifisch deutsche Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg; sie stelle militärisches Handeln auf dieselbe ethische Stufe, egal, ob es Unrecht stürze oder stütze. Weshalb der gesellschaftliche Konsens in Polen oder Israel eher „Nie wieder wehrlos!“ laute, werde in Deutschland nicht ausreichend reflektiert. Man darf gespannt sein, wie diese brisanten Überlegungen in der Diskussion über Friedensethik und Sicherheit aufgenommen werden. Es bleibt abzuwarten, ob sie da auf Offenheit treffen, wo Streitkräfte und Militärseelsorge prinzipiell abgelehnt werden.

Um „Änderungsbedarf anzuzeigen“, wirft Beckmann auch einen kritisch-konstruktiv herausfordernden Blick auf die Militärseelsorge. Besorgt ist der Theologe, der heute als Religionslehrer arbeitet, über öffentliche Äußerungen des Militärgeneraldekans Matthias Heimer, der der höchste staatliche Beamte der evangelischen Militärseelsorge ist. Heimer charakterisierte 2020 in einem Aufsatz das von ihm als Militärgeneraldekan geleitete Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr „als ‚Teil des Systems und der Systemlogiken‘, die der Bundeswehr zu eigen seien“. Beckmann widerspricht: Der Militärseelsorgevertrag sehe nicht vor, die Verwaltung dieses kirchlichen Handlungsfelds militärischer Systemlogik zu unterstellen, sondern betone im Gegenteil die Freiheit der Militärgeistlichen gegenüber staatlichen und militärischen Weisungen im pastoralen Dienst. Jene Äußerung des Generaldekans zeuge gemäß Beckmann von einer vereinnahmenden Neigung der militärischen und behördlichen Struktur gegenüber der Seelsorge. Seelsorge sei zweckfrei und entziehe sich solchen Erwartungen Dritter.

Ferner kritisiert Beckmann weitere Äußerungen des Militärgeneraldekans zu einem Vorgang, den die Zeitschrift des Bundeswehrverbandes 2020 dokumentiert hat. Heimer erklärte das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr zu einer „‚Truppenkameradschaft‘“. Beckmann hält es für sachlich verfehlt, wenn Militärgeistliche für sich selbst die Bezeichnung Kameraden anstreben, während Heimer dem „Vorgang erhebliche ‚Symbolkraft‘ und ‚historische Dimension‘“ zuschreibt. Bewusste Abstinenz vom Kameradenbegriff drücke laut Beckmann nötige professionelle Distanz und Rollenklarheit aus. Es zolle den Menschen in Uniform Respekt, denn Militärgeistliche seien den Soldatinnen und Soldaten zwar nahe, doch sie teilten nicht alle Lasten ihres Dienstes.

Um die pastorale Arbeit gegen den Sog des militärischen Systems zu stärken, sei eine synodal geprägte Ordnung der Militärseelsorge nötig, wie sie den verfassten Protestantismus insgesamt kennzeichne. Anders als in zivilen Kirchengemeinden hätten Militärgeistliche bisher kein gewähltes Gemeindeparlament als institutionalisierten Rückhalt. Daher fordert Beckmann als Konsequenz aus pastoraler und kirchentheoretischer Einsicht gewählte kirchliche Basisvertretungen. Diese könnten die Spannung zwischen staatlicher und kirchlicher Leitung der Militärseelsorge befrieden. In der Bundeswehr gäbe es regelmäßig Wahlen von Vertrauenspersonen und Personalräten, daher sei es gut denkbar, dass Soldaten künftig auch kirchliche Basisvertretungen in der Militärseelsorge wählen.

Das Buch, im Untertitel Streitschrift genannt, sei allen empfohlen, denen Friedensethik und eine Reform der Militärseelsorge am Herzen liegen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Rezensionen

Unentbehrlich

Unentbehrlich

Über das Christus-Zeugnis

Nach dem dreibändigen Jesus-Buch Benedikts XVI. ist Hans-Christian Kammlers Arbeit ein notwendiges evangelisches Pendant. Während Joseph Ratzinger einen Durchgang durch die Evangelien und die gesamte sonstige Überlieferung – von Matthäus 1 bis Offenbarung 22 – wagt, bezieht sich der Tübinger Neutestamentler Kammler in fünfzehn Studien auf die schlechterdings elementaren Hauptthemen des Christus-Zeugnisses des Neuen Testaments.

Bezeichnend ist, dass dieses Buch mit zwei Studien zum Kreuzestod und zur Auferstehung Jesu Christi beginnt. Kammler belegt in verständlicher Sprache und in luzider theologischer Arbeit – ohne sich im Klein-Klein exegetischer Einzelheiten zu verlieren –, was Hauptsache im Neuen Testament ist: Das irdische Ende des Nazareners am Kreuz und seine österliche Erweckung, die Theologie der Leidens- und der Ostergeschichte und die Bezeugung der Menschwerdung des Sohnes Gottes sind die Verstehensschlüssel des zweiten – eigentlich auch des ersten Teils – der Bibel. Also nicht wie bei Ratzinger führt vom Holz der Krippe her der Weg zur Erkenntnis der Person und des Werkes des Jesus Christus. Sondern vom Holz des Kreuzes und des weggerollten Steins am leeren Grab und dann vom Holz der Krippe her – in dieser Reihenfolge – ist zu hören, wer ER ist.

Gleichwohl stimmen Ratzinger und Kammler in ihrer exegetisch ausgewiesenen und dogmatisch reflektierten Grundthese überein: „In Jesus Christus ist das Geheimnis des einen Gottes persönlich anwesend“ (Ratzinger). „Der letzte und tiefste Grund des Kreuzes und der Auferstehung Jesu Christi ist, dass Gott der in Freiheit liebende Gott ist, als der er sich in Jesus Christus offenbart hat von Ewigkeit her: der ‚Immanuel‘ (Matthäus 1,23), der ‚Gott für uns‘ (Römer 8,31)“ (Kammler). Man mag denken, dass das doch selbstverständlich sei. Mitnichten. Auch wer nur wenig Zeit und Mühe auf die Lektüre derzeitiger wissenschaftlicher – und erst recht populärwissenschaftlicher – Jesus-Literatur aufwendet, sieht, dass (fast durchweg) der Geist liberaler Theologie richtungsweisend ist. Willi Marxsen (1919 – 1993) hat diesen Geist in die griffige Formulierung gefasst: „Die Sache Jesu geht weiter.“ Demgegenüber zeigt Hans-Christian Kammler, dass das Bekenntnis der göttlichen Würde Jesu Christi ursprünglich und bleibend und von alles entscheidender Bedeutung für die Beantwortung der Frage ist: „Wer ist dieser?“ – Präsens!

Kammlers Buch erscheint als Band zwei der neuen wissenschaftlichen Reihe „Lutherische Theologie im Gespräch“. Die damit verbundene Aussicht erfüllt dieses Werk insofern, als hier – der Weisung Luthers folgend – bibelkundlich so gearbeitet wird: „Wer diesen Mann, der da heißt Jesus Christus, Gottes Sohn, den wir Christen predigen, nicht recht und rein hat noch haben will, der lasse die Bibel in Ruhe. Das rate ich; er wird gewisslich zuschanden und wird, je mehr er studiert, um so blinder und toller.“

Hans-Christian Kammler konzentriert sich im Luther-Teil seiner Arbeit auf die Frage nach dem Verhältnis der Theologie des Paulus zu der Martin Luthers – besonders in der Rechtfertigungslehre. In seinen „Thesen zur Gegenwartsrelevanz der Rechtfertigungslehre Luthers“ zeigt der Autor: „Die das Evangelium bezeugende und sichernde Rechtfertigungslehre (Paulus‘ und Luthers) darf nicht zu einer religiösen Allerweltsweisheit werden, die sich von selbst und also auch ohne Christus versteht.“

Dieses Buch ist ein unentbehrliches evangelisches Hilfsmittel, um im Neuen Testament (und auch im Alten) nicht den roten Faden zu verlieren und – was für alle Exegese gelten sollte – den Hauptsatz der Bibel immer augenfälliger, differenzierter und schriftgemäßer wahrzunehmen: Das Heilshandeln Gottes ist Jesus Christus selbst in Person und Werk.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Rezensionen

Neue Perspektiven

Neue Perspektiven

Der Reichstag zu Worms

Kaum eine Szene hat sich so ins kulturelle Gedächtnis gebrannt wie diese: Ein Mönch steht aufrecht vor dem Kaiser und weigert sich, das zu tun, was von ihm verlangt wird; er pocht auf sein Gewissen, widersteht trotzig den versammelten Großen des Reichs und sagt (angeblich) eine der berühmtesten Satzfolgen der Weltgeschichte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen!“ Dieses Bild vom unerschrockenen Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms steht dafür, dass Gewissensfreiheit ein hohes, vielleicht sogar das höchste Gut ist, und es steht ebenso dafür, dass es im Ringen um die Wahrheit keine faulen Kompromisse geben darf. Dieses Ereignis hat sich 2021 zum 500. Mal gejährt. Grund genug, seiner zu gedenken und vor allem danach zu fragen, wie sich Fakten und sich verselbstständigende Erzählungen zueinander verhalten.

Genau dies tut der vorliegende Band in eindrücklicher Weise, indem er einen deutlichen Akzent auf die Rezeption legt. In einem ersten Teil werden Historie und Theologie in drei Beiträgen so aufgeblättert, dass die Bedeutung des Auftrittes Luthers vor dem Reichstag herausgestrichen wird, ohne in die Fallen der alten Meistererzählungen oder die der Glorifizierung des 19. Jahrhunderts zu tappen. Der zweite Teil widmet sich mit doppelt so vielen Beiträgen der Rezeption über die Jahrhunderte hinweg.

Der Frankfurter Theologieprofessor Markus Wriedt zeichnet Luthers Auftritt in Worms in die Geschichte der Reformbewegungen des 16. Jahrhunderts ein und verdeutlicht, dass Luthers akademisches Interesse, in Worms einen Streit um die Schriftauslegung zu führen, in der Rezeption vernachlässigt wurde. Albrecht Beutel nimmt eine Spur, die Wriedt gelegt hat, auf und erläutert den Gewissensbegriff jenseits neuzeitlicher Verschiebungen im Kontext Luthers eigener Aussagen und seines Freiheitsverständnisses. Minutiös untersucht Armin Kohnle, wie man nach Luthers Widerrufsweigerung versucht hat, einen endgültigen Bruch zu verhindern. Den zweiten Teil des Bandes leitet Hellmut Zschoch mit einem Beitrag zur Aufnahme des Ereignisses in der zeitgenössischen Publizistik ein und konstatiert: „[D]er Bedeutungsgehalt von ‚Luther in Worms‘ als einer emblematischen Reformationsszene [wurde] schon in den Publikationen festgezurrt, die 1521 unmittelbar an das Ereignis selbst anschlossen“.

Der ikonografischen Rezeption widmet sich Albrecht Geck, und es ist erfreulich, dass er dabei auch filmische Umsetzungen nicht auslässt und zum Schluss danach fragt, für welche Herausforderungen heute, 500 Jahre später, das Ereignis von 1521 in Anschlag gebracht werden könnte und wie man sich daraufhin gegenwärtig und zukünftig der Person Luthers sowie einem Ereignis wie dem Wormser Reichstag künstlerisch nähern kann. Auf das 19. Jahrhundert und verschiedene Lutherspiele dieser Zeit richtet sich der Blick von Gabriele Stöber, während Wolf-Friedrich Schäufele der Frage nachgeht, wie sich Luthers Freiheitsbegriff durch die Rezeption im Protestantismus der Neuzeit gewandelt hat und was eine Kirche, die sich dezidiert als „Kirche der Freiheit“ versteht, bieten muss.

Dass es auch einen Beitrag zum Thema „Luther und die Juden“ gibt, ist in diesem Band weit mehr als ein Feigenblatt von political correctness: Die Tatsache, dass Luther in Worms von zwei Juden aufgesucht worden sein soll, die mit ihm über die Auslegung des Alten Testaments diskutieren wollten, ist ein guter Anlass, dieses Thema anzugehen – aber interessanterweise und ausgesprochen bereichernd einmal von der anderen Seite aus, nämlich unter der Fragestellung: Wie haben Juden im Lauf der Jahrhunderte Luther gesehen? Werner Zager schließlich untersucht, wie in den vergangenen Jahrhunderten Jubiläen des Wormser Reichstags gefeiert wurden. Auch dies ist eine außerordentliche Bereicherung, hat sich die bisherige Forschung zu Reformationsjubiläen doch weitgehend an Feiern zum 31. Oktober orientiert. Abgerundet wird der Band schließlich durch ein Personenregister.

Alles in allem ist der Band schon deswegen empfehlenswert, weil er durchaus neue Perspektiven auf ein scheinbar schon gut erforschtes Thema bietet. Durch den Fokus auf die Rezeption verdeutlicht er, wie und warum bestimmte Luthermythen sich im Laufe der Zeit verselbstständigt haben und was das weniger über Luther und den Wormser Reichstag selbst als über Mensch und Gesellschaft der Zeit aussagt, in der solche Rezeption stattgefunden hat. Ein gut lesbares Buch, das in ein zweifellos bedeutendes Ereignis nicht nur der Kirchengeschichte wertvolle Einblicke liefert und Lust macht, sich mit sehr grundständigen Fragen wie denen nach Gewissen und Freiheit neu zu beschäftigen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Rezensionen

Wichtige Debatte

Wichtige Debatte

Wurzeln der Judenfeindschaft

Tilman Tarach, der bereits vor wenigen Jahren mit einer Publikation zum israelbezogenen Antisemitismus in Erscheinung getreten war, analysiert in seinem knapp über 200 Seiten langen gut zu lesenden Text Teuflische Allmacht die Verschränkung der religiösen und säkularen Judenfeindschaft. In 22 meist sehr knapp gehaltenen Kapiteln geht er der Frage nach, in welchem „Verhältnis die Gründungsmythen und Leitideen der christlichen Lehre als solche zum Antisemitismus stehen – und zwar durchaus auch zum modernen, nationalsozialistischen und schließlich auch zum israelbezogenen Antisemitismus“. Das Hauptargument Tarachs, das er retardierend vorbringt, lautet: Die Unterscheidung von Antijudaismus und Antisemitismus trage nicht, denn der religiöse und säkular-rassische Antisemitismus seien aufs engste miteinander verknüpft und könnten daher nicht voneinander getrennt werden. Tarach setzt seine argumentative Kraft dem Gedanken entgegen, dass bis in die Moderne wesentlich religiöse Argumente im Antijudaismus angeführt worden seien und mit der Rassenlehre eine neue Form des Antisemitismus einsetzte, die dann auch für die Verfolgung und Ermordung des europäischen Judentums verantwortlich sei.

Der Ausgangspunkt für diese Argumentation ist dabei die Annahme, dass erst mit dem Christentum eine spezifische Judenfeindschaft eingesetzt habe, die grundlegende Merkmale des Antisemitismus erzeugt habe. Zentral sind dabei für Tarach sowohl die Christus- beziehungsweise Gottesmordlegende als auch christliche Ritualmordanschuldigungen. In allen Phasen der Judenfeindschaft seien diese Motive neu aufgegriffen und jeweils aktualisiert worden. Die vorchristliche Judenfeindschaft wird von Tarach wiederum als gängige „Fremdenfeindlichkeit“ beschrieben und so wird der These widersprochen, dass Judenfeindschaft auch in einem nichtchristlichen Kontext bestand, wie beispielsweise der Judaist Peter Schäfer argumentiert. Tarach widerspricht gerne mit Deutlichkeit und bisweilen unnötig scharfzüngig. Die imaginierte Vorstellung einer dämonischen Allmacht des Judentums, wie er dem Antisemitismus innewohnt, sei erst mit der Entstehung des Christentums erkennbar und wirke bis heute fort. So finden sich sowohl in Texten des Neuen Testaments als auch in allen Phasen der Kirchengeschichte Begründungszusammenhänge des Antisemitismus, in denen die Dämonisierung von Jüdinnen und Juden mit deren Blut begründet werde.

Das Buch ist dabei in seiner Argumentation als ein kursorischer Durchgang durch die Geschichte der Judenfeindschaft angelegt. Das immer wiederkehrende Argument Tarachs, das durchaus zu überzeugen weiß, wird so für unterschiedliche Phasen des historischen und gegenwärtigen Antisemitismus angewandt. Dabei gelingt es Tarach, stichhaltig die Aufnahme und Virulenz christlicher Judenfeindschaft für Akteure des Nationalsozialismus und des gegenwärtigen Antisemitismus (der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem israelbezogenen Antisemitismus) darzulegen. Die Idee der Reinheit des Blutes, wie sie auch im Nationalsozialismus bestand, sei beispielsweise keine Erfindung des 19. Jahrhunderts, sondern entstand im Kontext der Reconquista in Spanien. Auch damals habe Jüdinnen und Juden die Taufe nicht geholfen, dem Antisemitismus zu entkommen.

Der Durchgang durch biblische Texte, aber auch ganze kirchengeschichtliche Epochen, geschieht im Buch zwangsläufig überblicksmäßig, sodass das Urteil über das Verhältnis der Kirche(n) zum Judentum beziehungsweise zu Israel doch schablonenhaft wirkt. Beispielsweise muss eine Darstellung der paulinischen Haltung gegenüber Israel im Ungefähren bleiben, wenn sie keinen Blick auf Römer 9–11 wirft.Und auch das abschließende Kapitel „Zur Ideologie des Christentums“ spricht eine eigene meinungsstarke Sprache, die mehr persönliche Glaubenssache als wirkliches Argument ist. Und trotzdem: Tarachs Buch ist ein Beitrag zu einer wichtigen Debatte, die im Raum der Kirchen und der Theologie noch unzureichend geführt wird.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus
Foto: Privat

Hans-Ulrich Probst

Hans-Ulrich Probst ist Referent für die Themen Populismus und Extremismus Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelische Landeskirche in Württemberg. 2008 und 2009 arbeitete er für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Minsk.


Ihre Meinung


Weitere Rezensionen

Standardwerk

Standardwerk

Über Ernst Troeltsch

Ernst Troeltsch (1865 – 1923) war ein Denker, der sich immer zwischen alle Stühle gesetzt hat. Ernst Troeltsch war ein Christ, der die Spannung zwischen seiner eigenen optimistischen Frömmigkeit und der wissenschaftlichen Kultur der Moderne aufs Schärfste wahrgenommen hat. Ernst Troeltsch war ein Theologe, der unbedingt interdisziplinär gedacht hat und ein weites Netzwerk an Freunden und Bekannten unterschiedlicher Wissenschaften (und anderer Berufe) besaß. Ernst Troeltsch war ein Freund der Synthese und des Kompromisses. Ernst Troeltsch war ein öffentlicher Intellektueller und zeitweise Politiker. Ernst Troeltsch ist ein Klassiker der Theologie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Dieser Klassiker hat nun eine wirklich würdige Biografie erhalten.

Unbestritten ist Friedrich Wilhelm Graf einer der größten Theologiehistoriker der Gegenwart. In vielen Werken hat er die Theologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts erforscht und in unendlicher Kleinstarbeit wesentliche Quellen erschlossen. Sein akademisches Hauptinteresse galt seit den 1970er-Jahren Ernst Troeltsch. Als langjähriger Vorsitzender der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft und als einer der Hauptherausgeber der Kritischen Gesamtausgabe hat er einen unschätzbaren Dienst um die Erforschung dieses Denkers geleistet. Nun hat er eine fulminante Biografie vorgelegt, die in mehrerer Hinsicht ein gelungenes Buch darstellt.

Die Biografie zeichnet sich durch drei Vorzüge aus. Erstens ist sie sehr gut und lesbar geschrieben. Sie ist pointiert und ergeht sich nicht in detaillierter Werkexegese. Es gibt keine Endnotenschlachten, aber dafür einen dosierten Humor. Die Kapitel sind kurz und bündig. Die zweite Eigenschaft ist, dass das Werk das umfangreiche Fachwissen und die lebenslange Forschung des Autors atmet und damit auch in der dezidierten Troeltsch-Forschung von großem Wert ist. Es entsteht ein umfassendes Bild. Die vielen Brief- und Memoirenzitate erschließen Troeltsch nicht nur als Denker, sondern auch als Person. Der dritte Vorzug ist das Interesse des Autors an seiner eigenen Gegenwart. Dies ist keine Biografie, die schlicht die Ereignisse und Werke nacherzählt, sondern ein Buch, das im Leben eines Verstorbenen Impulse für die Gegenwart sieht.

Diese letzte Eigenschaft des Buches macht es gerade für eine breite Öffentlichkeit wichtig. Graf profiliert Troeltsch als kompromissorientierten und letztlich demokratischen Modernetheoretiker, der aus seiner christlich-frommen Grundhaltung heraus Gott als „Individualitätsgarant“ gegen jede Vereinfachung und Vereindeutigung der Wirklichkeit erlebte.

Diesem Menschen auf seinem Lebensweg von seiner Jugend in Augsburg über Militärdienst, Studium, Vikariat und akademisches Proletariat zum ersehnten Lehrstuhl für Systematische Theologie in Bonn, dann in Heidelberg, folgt man gern. Arbeitswut und interdisziplinäre Verbindungen lassen ihn zu einem der prominentesten und meistgefragten Gelehrten des Kaiserreiches werden, der dann folgerichtig 1915 an die philosophische Fakultät der Universität Berlin wechselte. In Berlin wurde er in noch viel stärkerem Maß ein öffentlicher Intellektueller, der sich auch in die Tagespolitik einmischte. Er wurde nach „langjährigen harten Lernprozessen“ ein überzeugter Demokrat und in der frühen Weimarer Republik Politiker in der liberalen DDP. Durch die Aufzählung der unzähligen öffentlichen Vorträge bekommt einzig die Berliner Epoche leichte Längen.

Graf stellt dieses Leben unter den Untertitel „Theologe im Welthorizont“. Diesen Welthorizont hatte Troeltsch in zwei Hinsichten: Einmal betrachtete er das Christentum als transnationales Phänomen im Verhältnis zu anderen Religionen; zum anderen sah er als politischer Denker Deutschland nie als Insel, sondern im Konzert mit anderen Staaten und Mächten.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung oder über dem Versandetikett ihrer Zeitschrift. Die Kundennummer ist eine 10-stellige Zahl die mit der Ziffer 4 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt. Beim erneuten Zugriff auf die Seite behält sich diese Ihre Kundennummer.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Rezensionen

abonnieren