New feminism

Feministische Theologien

Während noch vor zwanzig Jahren Feminismus als überholt und bieder galt, sind die Debatten auch durch das Internet und die sozialen Medien neu entbrannt. Man spricht von einer vierten Welle, der sogenannten New Feminism Wave. Was bedeutet das für die Theologie? Wie kann sie intervenieren oder Gesprächspartnerin werden in diesen Fragen?

Sarah Jäger, Juniorprofessorin für Systematische Theologie an der Universität Jena, mischt sich mit ihrem Band Jenseits des Patriarchats in die Debatten ein und gibt einen Überblick über Ansätze feministischer Theologien. Dass sich Jäger im ersten ihrer fünf Kapitel einer instruktiven wie prägnanten Begriffsklärung zuwendet, wirkt einleuchtend. Dabei bezieht sie sich gesellschaftlich auf die drei Wellen der Frauenbewegung, ausgehend vom 19., frühen 20. Jahrhundert über die 1960er-Jahre bis zur Jahrtausendwende. Und sie verweist auf die enge Verbindung von Theologie und Biografie: „… die je eigenen, auf den ersten Blick privaten Erfahrungen sind es wert, theologisch rekonstruiert zu werden und in das Nachdenken über Gott einbezogen zu werden.“ Dazu liefert sie die Unterscheidung von Gleichheits-, Differenz- und dekonstruktivistischem Feminismus.

Neun zentrale Entwürfe feministischer Theologien, von den Anfängen bis in die Gegenwart, chronologisch sortiert, evangelisch, katholisch und methodistisch geprägt, stellt sie vor. Sie berichtet von den amerikanischen Theologinnen Mary Daly, Rosemary Radford-Ruether und von Elisabeth Moltmann-Wendel. Dorothee Sölle kommt ebenso vor wie die amerikanische Ethikerin Beverly Wildung Harrison und die Koreanerin Chung Hyung Kyung. Freilich fehlt auch Elisabeth Schüssler Fiorenza nicht. In der Gegenwart angekommen, werden Marcella Althaus-Reid mit einer nicht-heterosexuellen Theologie und die Ethikerin Ina Praetorius vorgestellt. Sie ist eine der wenigen Ethikerinnen, die feministisch-theologisch arbeiten. In kurzen Kapiteln erfährt die Leserschaft einiges über Lebensläufe, kulturelle Bezüge und eine theologische Einschätzung. Denn Jäger beschreibt nicht nur, sie ordnet auch ein.

Die Lektüre vieler Sachbücher, zumal aus dem deutschsprachigen Raum, leidet oft unter mangelnder Anschaulichkeit und Lesbarkeit der Texte. Umso mehr ist Sarah Jägers lesbarer und allgemeinverständlicher Schreibstil hervorzuheben. Wer auf der Suche ist nach einem kompakten Überblick über die Geschichte der feministischen Theologien, wird hier fündig, zumal sich im umfangreichen Quellenverzeichnis genügend Hinweise zur weiteren Lektüre finden.

Am Ende ihres Überblicks bündelt die evangelische Theologin in zehn Thesen, was feministische Theologie ausmacht und was alle Ansätze eint: dass sie aktivistisch, handlungs- und praxisorientiert und immer in tiefgreifender Auseinandersetzung mit der biblischen Überlieferung ist. Aber vor allem, dass sie in der Gegenwart dekonstruktivistisch sein muss und auf den ökumenischen Diskurs angewiesen ist. „Feministische Theologie muss quer zu allen theologischen Disziplinen verlaufen, sie durchdringt die einzelnen Fächer … und trägt so ihre Perspektive in die Fächer ein“, schreibt Jäger.

Ihre Thesen münden in eine Vision: Zwischen traditionellen theologischen Argumentationsmustern und geschlechtsstereotypen Ansichten geht es Jäger stattdessen um eine Utopie, in der die „Theologie Stellung bezieht und Visionen entwickelt zu einer nachhaltigen Ethik, zur Wahrnehmung von Menschen jenseits aller Grenzen von Geschlecht, Sexualität, Alter oder Herkunft“. Eine Utopie, die keinen Widerspruch hinnimmt.

Ein Hinweis zur Erscheinungsform: Das Buch ist in jeder Buchhandlung käuflich zu erwerben. Doch die Open-Access-Plattform heiBOOKS bietet auch die Möglichkeit des kostenfreien Downloads unter https://doi.org/10.11588/heibooks.686.

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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