Erhellendes

Über Schwarze Löcher

Rund siebzig Prozent der Gesamtenergie des Universums sowie 85 Prozent aller Materie sind von der „dunkleren“ Art. Sie sind weitgehend ein Rätsel und allenfalls indirekt sichtbar. Etwa als Wechselwirkungsphänomen der Gravitation (Schwerkraft). Heino Falcke, Professor an der Radboud Universität in Nimwegen und Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, ist einer der renommiertesten Experten für Dunkle Energie und Materie. Sein Hauptinteresse gilt der Physik Schwarzer Löcher. Jenen geheimnisvollen Objekten im All, die beim Kollaps sehr massereicher Sterne entstehen und bei denen sich die Ausgangsmasse – mitunter milliardenmal schwerer als unsere Sonne – schließlich zu einem winzigen Punkt verdichtet. Die Gravitation ist derart stark, dass dem gesamten Umfeld nicht einmal das Licht entkommen kann. Das macht Schwarze Löcher zunächst für uns unsichtbar. Dieses faszinierende Buch handelt davon, wie es der Wissenschaft gelungen ist, das per se Unsichtbare sichtbar zu machen.

Falcke ist einer der führenden Koordinatoren des Event-Horizon-Telescope-Projekts, das im April 2019 der internationalen Öffentlichkeit erstmals das Foto eines Schwarzen Lochs präsentierte. Das weltweit zurecht medial gefeierte Sensationsfoto brachte Falcke mit dem Wissenschaftsredakteur des Spiegel Jörg Römer zusammen. Dem Autorenteam ist nicht nur eine packende Zusammenfassung über die Physik Schwarzer Löcher und deren Bedeutung im Gefüge des Universums gelungen, sondern auch eine Einordnung dieser Erkenntnisse hinsichtlich unserer eigenen humanen Existenz. In der Tat, die Besonderheit dieser populärwissenschaftlichen Darstellung astrophysikalischer Phänomene ist, dass aufgrund der sehr persönlichen Erzählperspektive Falckes die Frage nach Gott nicht ausgespart bleibt: Falcke ist bekennender Christ und ordinierter Prädikant.

Das Buch hat vier Teile, unterbrochen durch einen wunderschönen Bildteil sowie ergänzt durch einen umfangreichen Anhang mit hilfreichem Glossar, Literaturnachweis sowie einem Stichwortverzeichnis. Zunächst wird ein historischer Überblick vom Wandel unserer Weltbilder vermittelt: Was hat unseren irdischen Blick auf Sonne, Mond und Sterne über Jahrtausende geprägt? Im Anschluss geht es um die moderne Astronomie: Raum und Zeit werden „relativ“. Es wird erläutert, wie Sterne geboren werden und wie sie vergehen – und eben auch, warum sie manchmal zum Schwarzen Loch mutieren. Der dritte Teil handelt von der wahrlich abenteuerlichen Entstehungsgeschichte jenes Sensa-tionsfotos: Wie macht man ein Foto von einem Schwarzen Loch, in dem sich 6,5 Milliarden Sonnenmassen verdichtet haben und das sich 55 Millionen Lichtjahre (500 Trillionen Kilometer) von der Erde entfernt im Zentrum der Galaxie Messier 87 befindet? Um die letzten großen Fragen der Wissenschaft, aber auch der menschlichen Existenz, geht es im abschließenden vierten Teil: „Schwarze Löcher stehen für das Ende der Zeit.“ Warum ist das so? Und was passiert eigentlich genau vor dem Beginn von Raum und Zeit und was an deren Ende? Welche Folgen hat der naturwissenschaftliche Triumph? Was macht all dieses ungeheuerliche Wissen mit uns? „Ist da noch Platz für Unsicherheiten, Hoffnungen, Zweifel und für einen Gott?“

Falcke und Römer ist ein ebenso verständlich-informatives wie spannend-unterhaltsames und mitunter sogar humorvolles Buch gelungen über das unergründliche Weltall, das unendliche Universum und den göttlichen Kosmos. Wer erfahren will, warum Wissen, Mythen und Mythos, Glaube und Aberglaube so eng miteinander verwoben sind, der blicke am Ende des Tages nicht nur gelegentlich mal wieder staunend in den klaren Sternenhimmel, sondern lese dieses erhellende Buch über Schwarze Löcher.

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