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Avishai Cohen: Big Vicious

Dieser Moment nachts im Bad, wenn das Haus und die Stadt ganz still sind, das plötzlich laute Ticken des Weckers mit dem Wasserhahntropfen Rhythmus wird, die Zeit aussetzt, nur noch Raum und Anwesenheit spürbar sind, diese Intensität kann auch bei einem Clubkonzert eintreten.

Avishai Cohens Album Big Vicious, benannt nach der Band, hat beides – Entkoppelung und gesteigerte Räumlichkeit, Sog nach innen, jedoch voller Welt. Die Coverversion des Massive Attack-Songs Teardrop (1998 auf Mezzanine), Mitte der elf Stücke des Albums, erschließt das am besten: Verhallt metronomische Drums, Gitarrenlicks, Bass, dann Cohen mit weichem, stets klarem, an Miles Davis orientiertem Trompetenton, der Elizabeth Frasers Original-Gesangspart übernimmt, dazu prägnante Elektro-Effekte. Die TripHop-Hymne perlt groovy, entspannt und euphorisierend, transponiert in das Line Up der israelischen Jazzer Avishai Cohen (Trompete und Synthesizer), Uzi Ramirez (Gitarre), Jonathan Albalak (Gitarre, Bass), Aviv Cohen (Drums) sowie Ziv Ravitz (zweites Schlagzeug, live sampling).

Sie sind Freunde und taten sich zusammen, als Cohen aus den Staaten zurückkehrte. Sie komponierten, für alle ungewohnt, gemeinsam, und hörten sich für die Arbeit an dem Album ihre Live-Aufnahmen an, um sich auf Verbesserungen zu fokussieren.

Dass an den Tagen im Studio wieder die gewohnte Jazz-Moment-Haltung zählte, tut der Platte gut. Die Vorarbeit ist spürbar, aber Begeisterung am Augenblick dominiert, oder wie Bandleader Avishai Cohen über Teardrop sagt: „Musik, von der wir nie müde werden. Ein Stück, in dem man für immer bleiben kann – jedes Element darin ist so vollständig und gleichzeitig so einfach.” Das gilt auch für die anderen Stücke, unter denen mit Beethovens Mondscheinsonate ein weiteres Cover ist: Locker, leicht, fluffig, aber würdig. Wir staunen. Andere wie Hidden Chamber pulsen, schwellen ab und an. Fractals ist pure Psychedelik, Schattenwald mit Geistern, doch definitiv kein Horrotrip. King Kutner hymnischer Post Punk-Rock, der in Cinemascope schwelgt, mit Snap! und WahWah-Gitarre. The Things You Tell Me eine getragen warme Gitarrenballade, zu der die Trompete satt fast wie eine Posaune klingt. In Teno Neno kreischt sie mitunter, ist verzerrt, der Beat fiebrig, aber dann finden doch alle zurück in ein schwelgendes Miteinander. Intent zum Schluss schreitet raumgreifend, ambientartig.

Immer ganz wie Cohen sagt: „In dieser Band geht es nicht um Soli. Das ist nicht das Ziel oder die Ästhetik. Es geht darum, wie man einen Song erschafft, auch wenn niemand singt.“ Und das steigert und entspannt oder ist, wie wir mit britischem Understatement zu sagen pflegen: Fucking great!

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