Abendmahl für alle?

Lutheraner setzten in der Friedensfrage eigene Akzente
Foto: dpa/ Matthias Hiekel
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Der barocke Hochaltar überstand beschädigt die Zerstörung der Dresdner Dreikönigskirche am 13. Februar 1945.

Die Synode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), die der EKD-Synode in Dresden unmittelbar vorausging, fragte auch nach dem Beitrag des Gottesdienstes für den Frieden.

Dresden ist besonders geeignet, um darüber zu diskutieren, wie Frieden geschaffen und erhalten werden kann. Wenn die Synodalen der VELKD, die auch der EKD-Synode angehören, aus der Fensterfront des Kongresszentrums schauten, blickten sie über die Elbe auf den 88 Meter hohen Turm der Dreikönigskirche. Er war stehengeblieben, während das Kirchenschiff zerstört wurde, als Elbflorenz im Februar vor 75 Jahren in Schutt und Asche sank. Den barocken Gottesdienstraum hatte George Bähr (1666–1738) fertiggestellt, der Erbauer der Frauenkirche.

Ein Arbeitsschwerpunkt der VELKD, die sieben der zwanzig Mitgliedskirchen der EKD umfasst, ist der Gottesdienst. Deswegen richtete sie vor 25 Jahren an der Universität Leipzig ein Liturgiewissenschaftliches Institut ein. Sein Leiter Alexander Deeg (47), Professor für Praktische Theologie, zeigt in Dresden, wie Gottesdienste Frieden befördern können. „Es gibt Gottesdienste, die in besonderer Weise Frieden hervorbringen.“ Deeg spielt auf die Friedensgebete an, die in der Leipziger Nikolaikirche stattfanden und am 9. Oktober vor dreißig Jahren den Auftakt zu der Demonstration bildeten, bei der rund 70000 Menschen mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ über den Ring zogen.

Luther und Luthertum

Professor Deeg erinnert daran, dass das Wort „Friede“ die Liturgie der Messe, auch der lutherischen, und viele Abschnitte der Bibel (Perikopen) durchzieht, die in den Sonntagsgottesdiensten der deutschen Landeskirchen ausgelegt werden. Deeg warnt davor, den Gottesdienst als Mittel der Friedenserziehung zu instrumentalisieren. Er zitiert den evangelischen Theologieprofessor Stefan Heuser (48), der an der TU Braunschweig Ethik lehrt. Für ihn dient der Gottesdienst dazu, „Gottes Frieden zu empfangen, zu bezeugen und zu tun, nicht Frieden zu produzieren“.

Deeg betont in Dresden, dass die Friedensandachten in der DDR und Ost-Berlin „Ritualgemeinschaften von Christen und Nichtchristen“ waren. Für ihn stellt sich die Frage, ob dies ein Vorbild dafür sein kann, das Abendmahl „aus der Logik der Exklusion zu befreien“. Offiziell laden evangelische Landeskirchen ja nur Getaufte zum Abendmahl ein.

Hans-Richard Reuter (72), der an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Münster das Institut für Ethik leitete, betont den Unterschied zwischen Martin Luthers Sicht auf Krieg und Frieden und dem nationalistischen deutschen Luthertum vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Der Professor sieht eine Verbindung von Luthers Überzeugung, dass „niemand Richter in eigener Sache“ sein dürfe, zur Lösung zwischenstaatlicher Konflikte durch internationale Gerichte. Der hannoversche Landesbischof und Leitende Bischof der VELKD Ralf Meister (57) widmet seinen Bericht dem Beitrag der Sprache zum Frieden. Er beleuchtet verschiedene Aspekte, von der „Hate Speech“ bis zur „Sprache der Kirche“.

Ein Arbeitsschwerpunkt der VELKD sind auch die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche. Der Catholica-Beauftragte der VELKD Karl-Hinrich Manzke (61), Bischof der schaumburg-lippischen Landeskirche, weist in seinem Bericht darauf hin, dass es beim „Synodalen Weg“, den die katholische Kirche Deutschlands beschreitet, wie bei der Amazonassynode Spannungen gebe zwischen „pastoralen Bedürfnissen einer einzelnen Region“ und „der Weltebene“. Aber aus Deutschland könnten „Anregungen kommen“, die „die Diskussion in der Weltkirche“ beeinflussen.

Die Synode der VELKD hat in Dresden einen Impuls des Lutherischen Weltbundes aufgenommen, in kirchlichen Gremien rund zwanzig Prozent der Sitze mit jungen Erwachsenen zu besetzen. So müssen ab der 2021 beginnenden Legislaturperiode acht der fünfzig Synodalen zwischen 18 und 26 Jahre alt sein.

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