Bücher zur Ermutigung

Der Persona-Verlag macht sich um vergessene Autorinnen und Autoren verdient
Sie lektoriert zudem freiberuflich und gibt Deutschunterricht: Verlegerin Lisette Buchholz.
Foto: Barbara Straube
Sie lektoriert zudem freiberuflich und gibt Deutschunterricht: Verlegerin Lisette Buchholz.

Reichtümer erwirbt man kaum mit einem kleinen Verlag, verdienstvoll wirken lässt sich aber durchaus. Bereits zweimal wurde der 1983 gegründete Persona-Verlag mit dem baden-württembergischen Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage geehrt; 2024 kam der Deutsche Verlagspreis hinzu. Am Klingelschild ihrer Wohnung in einem Mannheimer Vorort stehen der Name der Verlegerin Lisette Buchholz und der des Verlags untereinander. „Persona“ heißt das Eine-Frau-Unternehmen, und als Person betrachtet ist diese Frau nicht zuletzt leidenschaftliche Verlegerin. Ihre Wohnung ist auch der Verlagsraum, viele Bücher inklusive, die sie selbst herausgebracht hat – Bücher mit Persönlichkeit sozusagen.

Das Profil des Verlags war von Anfang an mit der Exilthematik verknüpft. Für sie begann sich Buchholz bereits in ihrem geisteswissenschaftlichen Studium zu interessieren. Und mit Anfang dreißig stand für sie fest, dass sie einen Verlag gründen würde, der das Thema Exil wieder mehr ins Bewusstsein holen sollte. Sie wollte Bücher dem Vergessen entreißen und ihren damals teils noch lebenden Autorinnen und Autoren zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Ihre Aufmerksamkeit richtete Lisette Buchholz zunächst auf die österreichisch-britische Schriftstellerin Anna Gmeyner (1902–1991). Deren Roman Manja war das erste Projekt, seitdem ist fast jedes Jahr ein weiterer Titel erschienen, in Übersetzung oder als Neuauflage. Das Spektrum hat sich mit der Zeit erweitert: Israelische Literatur kam hinzu, Islamkritik, Bücher aus Ländern, die im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht besetzt waren, und solche, die sich mit den Folgen der NS-Zeit beschäftigen.

Zuletzt erschienen 2024 die sehr atmosphärische kriminalistische Erzählung Der Schnee von Nebraska des Exil-Autors Joachim Maas und im Herbst 2025 dann der Lyrikband An die Deutschen, den die Schriftstellerin Juliette Pary im besetzten Paris verfasst hatte. Die 1903 in Odessa geborene, unter Pseudonym publizierende jüdische Autorin und Übersetzerin, die 1950 vermutlich durch Suizid starb, schrieb ihre Gedichte auf Deutsch, in der Sprache der Täter und Mörder an ihrem Volk, mit denen sie abrechnet. Immerzu arbeitet Pary sich ab am Widerspruch zwischen Abscheu vor den Kriegsgräueln und dem Völkermord und ihrer Bewunderung der deutschsprachigen Literatur, besonders von Goethe und Heine. Auch Patriarchat und soziale Ungleichheit bezieht sie in ihren literarischen Furor ein. Die Lektüre fasziniert durch sprachlichen Reichtum, und die Weise stilistischer Variation des wiederkehrenden Themas erinnert stellenweise an Paul Celans Maßstäbe setzende „Todesfuge“.

Bestseller nach landläufigem Verständnis finden sich in der Verlagsbacklist nicht; die durchschnittliche Auflage der immer interessanten, lehrreichen und gut lesbaren Bücher liegt zwischen 500 und 2000 Exemplaren. Von ihrer verlegerischen Arbeit allein kann Lisette Buchholz nicht leben. Sie lektoriert daneben freiberuflich und gibt Deutschunterricht. Auch mit Mitte 70 macht sie weiter – schon deshalb, weil ihr die Arbeit nach wie vor Freude bereitet. „Mich gibt’s immerhin noch“, sagt sie bescheiden. Viele andere haben ja längst aufgegeben. Und es bleibt dabei: „Bücher dem Vergessen zu entreißen, ist befriedigend.“ Was sie noch antreibt, formuliert Buchholz im Verlagsprospekt so: „Bücher machen glücklich! In allen Krisen bieten sie Trost, Ablenkung und Ermutigung.“ 

Informationen
Juliette Pary: An die Deutschen. Gedichte. Persona Verlag, Mannheim 2025, 136 Seiten, Euro 18,–.

Einzelartikel kaufen

Sie erhalten Lesezugriff für diesen Artikel.

2,00 €

einmalig

Kein Abo.

z(w)eitzeichen Abonnement

Sie erhalten Zugang zur Rubrik z(w)eitzeichen.

4,00 €

monatlich

Monatlich kündbar.

Online Abonnement

Sie erhalten Zugang zur gesamten Website und zur kompletten Printausgabe als PDF.

64,80 €

jährlich

Monatlich kündbar.
Haben Sie bereits ein Online- oder Print-Abo?
* Ihre Kundennummer finden Sie auf Ihrer Rechnung. Ein einmaliges Freischalten reicht aus; Sie erhalten damit zukünftig automatisch Zugang zu allen Artikeln.

Weitere Beiträge zu „Kultur“