Das Weltklima heizt sich weiter auf, bis 2030 droht eine um 2,8 Grad höhere Durchschnittstemperatur. Dabei sollte die Klimaerwärmung doch eigentlich auf 1,5 Grad begrenzt werden. Auf der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém spielte das aber im offiziellen Programm keine große Rolle. Dennoch war die COP30 kein kompletter Fehlschlag.
Der Optimismus war groß vor der UN-Klimakonferenz in Belém. Denn die brasilianische Präsidentschaft hatte sich vorgenommen, den globalen Klimaschutz voranzubringen. Die Zivilgesellschaft hatte, anders als bei den vorherigen Konferenzen in totalitären Staaten, Zugang zur Konferenz. „Ich blicke hoffnungsvoll auf diese Klimakonferenz“, hatte Sabine Minninger, Expertin für Klimapolitik bei Brot für die Welt, noch im Interview mit zeitzeichen.net vor der Konferenz gesagt. Doch ihr Fazit nach der Konferenz fiel ernüchternd aus: Die Beschlüsse reichten nicht aus, um die ärmsten und verletzlichsten Bevölkerungsgruppen wirksam gegen die Folgen der Klimakrise zu schützen.
In der Tat reagiert die internationale Klimapolitik bei zentralen Fragen weiterhin zu langsam auf die steigende Erderwärmung und die damit verbundenen Probleme. Die Ambitionslücke beim 1,5-Grad-Ziel bleibt auch nach dem Treffen in Belèm bestehen. Die Staaten konnten sich weder auf einen Notfallmechanismus zur Verschärfung ihrer nationalen Klimaziele noch auf verpflichtende Vorgaben einigen. Die im Abschlussdokument erwähnte Diskrepanz zwischen derzeitigen Zielen und dem 1,5-Grad-Pfad führt lediglich zu unverbindlichen Ermunterungen an die Staaten, ihre Beiträge zu erhöhen; konkrete Nachbesserungen werden nicht eingefordert. Die neu initiierten freiwilligen Kooperationsformate gelten zwar als potenzielle Impulse, ersetzen aber keine verbindlichen Reduktionspfade.
Auch bei der Transformation der Energiewirtschaft blieben zentrale Erwartungen unerfüllt. Ein verbindlicher Fahrplan für den weltweiten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas fand keinen Eingang in die Beschlüsse. Zwar kündigte die brasilianische Präsidentschaft an, mit interessierten Staaten außerhalb des formalen Prozesses an einem globalen Ausstiegsplan arbeiten zu wollen. Doch bleibt unklar, ob ein solcher freiwilliger Ansatz die notwendige Dynamik entfalten kann.
Gemischt fällt die Bewertung der Beschlüsse zur Klimaanpassung aus, also den Maßnahmen, mit denen sich die besonders gefährdeten Länder gegen die Folgen des Klimawandels vorbereiten sollen. Die gute Nachricht: Sie sollen bis 2035 dreimal mehr Geld dafür bekommen. Dreimal mehr als …?
Formaler Fortschritt
Genau das ist das Problem: Es wurde kein Basisjahr festgelegt, und damit bleibt offen, auf welchen Ausgangsbetrag sich die Verdreifachung bezieht. Auch der Katalog von Indikatoren, der zeigt, wo die einzelnen Länder bei dem Thema stehen, blieb strittig und soll weiterverhandelt werden. Der lange Zeithorizont bis 2035 widerspricht zudem aus Sicht vieler Organisationen den akuten Bedarfen besonders betroffener Staaten. Die Uganderin Irene Anena vom internationalen kirchlichen Netzwerk ACT Alliance bemängelt: „Ohne schlüssige Indikatoren und eine verstärkte Unterstützung riskieren wir, genau die Maßnahmen zu verzögern, die Gemeinschaften, Volkswirtschaften und Ökosysteme dringend benötigen.“
Einen formalen Fortschritt gab es bei dem Fonds für bereits entstandene Schäden und Verluste, ein Thema, für das sich die kirchlichen Entwicklungsorganisationen in der Vergangenheit besonders eingesetzt hatten. Dieser arbeitet nun, und Staaten können erstmals Anträge stellen. Der Finanzbedarf wird auf etwa 450 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Zugesagt wurden für den Fonds bislang aber nur 250 Millionen US-Dollar. Auch hier gilt es also, möglichst schnell eine große Lücke zu schließen.
Stephan Kosch
Stephan Kosch ist Redakteur der "zeitzeichen" und beobachtet intensiv alle Themen des nachhaltigen Wirtschaftens. Zudem ist er zuständig für den Online-Auftritt und die Social-Media-Angebote von "zeitzeichen".