Einmalig

Kaléko: Gedichte und Prosa

Mascha Kaléko: Ich tat die Augen auf und sah das Helle. Goyalit Verlag, Hamburg 2025, 1 MP3-CD.

"Herr, gib du allen, die das Schwert vertrieb, ein Dach, ein Brot, ein Kind, ein eigen Kissen“ – Gebet einer ins Exil Vertriebenen, gesprochen von Julia Nachtmann auf der CD mit Gedichten und Prosatexten von Mascha Kaléko (1907–1975). Außer Julia Nachtmann lesen Katja Danowski, Marion Elskis, Katharina Thalbach und Rosa Thormeyer Texte Kalékos. Vorangestellt sind eine komprimierte Darstellung ihres Lebens und eine engagierte Huldigung der Dichterin von Daniel Kehlmann, der die Texte ausgewählt und herausgegeben hat. Er nennt Kaléko „die undeutscheste deutsche Dichterin“.

1933 erschien ihr erster Gedichtband Das lyrische Stenogrammheft in Berlin. Darin bestimmen bereits Melancholie und Ironie, Traurigkeit und Berliner Schnoddrigkeit den Ton. 1938 musste sie als Jüdin Deutschland verlassen und ging nach New York und Jerusalem. Liebe war von Anfang an ihr großes Thema, der Geliebte war ihr Hafen und Heimat. Sie sah die soziale Ungleichheit, einen Arbeitslosen nennt sie einen „Mönch im Stemplerorden“. Sie spottet über Beamte. Aber nun kamen Texte über die Exilorte dazu. Kaléko beschreibt das Leben in Amerika, sie beklagt die Heimatlosigkeit, ist erschrocken über die Verbrechen der Nazis. Sie erinnert an „die paar leuchtenden Jahre“ vor der Verdunklung. Die 1920er-Jahre in Berlin waren ihre große Zeit. Im Nachkriegsberlin sehnt sie sich nach diesen Jahren zurück.

Wie die Sprecherinnen dieses Schicksal erfahrbar, die Musikalität der Gedichte hörbar und die Fassungslosigkeit über menschliche Verbrechen unausweichlich spürbar machen, ist ein großes Erlebnis. Dadurch, dass jede Sprecherin andere Gewichtungen setzt, erfahren wir die Vielfalt dieses einmaligen dichterischen Werkes.

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