Gott und Mensch

Widerhall der jüdischen Bibel

Klaus Wengst: Gott im Wort. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2025, 352 Seiten, Euro 29,–.

Unter dem Titel Gott im Wort. Theologie des Neuen Testaments: ein Widerhall der jüdischen Bibel legt Klaus Wengst die Frucht seiner langjährigen theologischen Forschung zum Neuen Testament im Kontext der jüdischen Bibel und des nachbiblischen Judentums vor. Dass seine wissenschaftliche Arbeit als Professor für Neues Testament an der Universität Bochum mit dem Schwerpunkt in der sozialgeschichtlichen Exegese vor allem dem intensiven Gespräch mit Edna Brocke, Chana Safrai, Micha Brumlik und anderen jüdischen Gesprächspartnern eine entscheidende Kehrtwende verdankt und seither aus der lebendigen Beschäftigung mit jüdischen Quellen schöpft, beschrieb er selbst einmal.

Auferstehungshoffnung und Gerechtigkeit

Hinzu kam die Weggenossenschaft mit Jürgen Ebach, Frank Crüsemann, unter anderen im Rahmen der „Arbeitsgemeinschaft jüdisch & christlich beim Deutschen Evangelischen Kirchentag“, deren christlichen Vorsitz er innehatte. Arbeiten wie sein Kommentar zum Johannes-Evangelium, die Auslegung der Bergpredigt, zur Johannesoffenbarung, dann aber auch die hochspannend und erhellend erzählte Entstehungsgeschichte des Christentums, die so manche eingefahrene Auslegungs­tradition ins Wanken zu bringen imstande ist, zeugen von dieser leidenschaftlichen Suchbewegung und dem Mut, theologisches Neuland zu betreten.

Ausgangspunkt der Theologie unter dem Motto „Gott wirkt durchs Wort oder überhaupt nicht“ (Martin Luther) ist die Auferweckung Jesu von den Toten als die zentrale Aussage des Neuen Testaments. Eingebettet in die jüdische Auferstehungshoffnung der neutestamentlichen Autoren ist sie nach Klaus Wengst „Zeugnis für die sich schließlich und endlich durchsetzende Gerechtigkeit Gottes. (…) Auferstehungshoffnung bestreitet, dass den Gewalttätern die Zukunft gehört. Es geht ihr darum, dass vielmehr Gott zum Recht kommt und sich durchsetzt.“ Damit verknüpft Wengst Auferstehungshoffnung und Gerechtigkeit Gottes als zwei sich sowohl durch das Alte als auch durch das Neue Testament durchziehende Grundmotive. Diese entfaltet er in den folgenden Kapiteln zum Tod Jesu am Kreuz, Gottes Herrschaft und Reich, zum letzten Gericht, endlich schließt sich der Kreis mit der Auferstehung der Toten. Gerade durch den Blick auf die ganze Bibel und ihrer jüdischen Nachgeschichte eröffnet Klaus Wengst neue Perspektiven. Das Wort im Neuen Testament wird durch das konsequente Hören auf die jüdische Auslegungstradition erst eigentlich lebendig.

Jesus ist nicht Gott

Dabei geht er hinter die altkirchlichen Bekenntnisse zurück und nimmt das biblische Zeugnis zum Beispiel in Johannes 1 im Doppelsinn „beim Wort“: Demnach ist der Topos von der „Menschwerdung Gottes“, der vor allem zum Christfest kaum hinterfragt gepredigt wird, der Bibel gänzlich fremd. Gott spricht und handelt durch sein Wort in Jesus. „Damit ist aber nicht intendiert, den bestimmten Menschen Jesus, der eine bestimmte Geschichte mit einem bestimmten Ende gehabt hat, zu einem präexistenten Himmelswesen zu vergotten.“ Damit widerspricht der Mensch Jesus auch nicht dem Bilderverbot. „Gott ist von seinem Wort unterschieden; er geht in ihm nicht auf.“ Jesus ist für Wengst Gleichnis Gottes, aber er ist nicht Gott – eine Provokation im Jubiläumsjahr des Nicänums, die es wert ist, sich ihr zu stellen. Zentrale Botschaft Jesu ist das Reich Gottes, in dem Gerechtigkeit und Erbarmen herrschen. Angesichts des herrschenden Unrechts in der Welt ist die biblische Rede vom gerecht richtenden Gott ein Hoffnungsschimmer.

Was das Buch von anderen Büchern über die Theologie des Neuen Testaments unterscheidet, ist die profunde Kenntnis auch der rabbinischen Literatur, die immer wieder zum Verständnis neutestamentlicher Texte herangezogen wird, neue Perspektiven zum tieferen Verständnis eröffnet und zum weiteren Entdecken verlockt. Deshalb ist die Theologie des Neuen Testaments von Klaus Wengst auch aufgrund ihrer guten Lesbarkeit auf wissenschaftlich verantwortetem Niveau für eine breite, auch nichttheologische Leserschaft unbedingt zu empfehlen.

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