Mit der Summierung des vergangenen Jahres möchte man vielleicht den Stecker herausziehen und einen Waldspaziergang machen. Doch es gibt Zuversicht in der Nachbarschaft. Mein Wohnungsnachbar im großen Haus erscheint stets dynamisch und urlaubsgebräunt. Alle fragen sich, wie er das wohl macht. Das Sonnenbanking ist sein kleines Geheimnis, in das er mich gelegentlich auf dem Hausflur einbezieht. Einmal die  Woche, morgens am Montag, geht er drei Straßen weiter auf die Sonnenbank im Viertel. Und dort gibt es eine gute Seele, sie heißt Mario.

Bei ihm gibt es zum Liegeplatz heiße Musik, er beschallt wohl fast das gesamte Ladencenter. Für diesen gut aufge­legten Mario hat sich mein Nachbar über die Jahre etwas ganz Besonderes ein­fallen lassen: den Spruch zur Sonne. Der ist tagespolitisch kommentierend, und es gibt ihn zum Abschied nach jedem Sonnenbankbesuch, in etwa so: „Drohe ich selbst auch zu erfrieren, der Mario kann’s ignorieren.“ Oder: „Geht bei uns die Welt auch unter, der Mario hält alle munter.“ Oder: „Hab’ ich mal die Schnauze voll, bei Mario ist’s immer toll.“ Und zuletzt noch den: „Kannst Du zu Marios Sonne gehen, lässt Du jeden Glühwein stehen.“

So geschah es, dass neben der Medienprominenz von Donald, Friedrich und Wladimir sich jener mir ferne Mario auf der Festplatte verewigen konnte. Mit seinem visionären Paralleluniversum, weit empathischer als Künstliche Intelligenz oder Augmented Reality. Eingängig, merkfähig und reproduzierbar – es taucht ein Hoffnungsschimmer auf, niederschwellig formuliert und gut gelaunt. Wie also lauten die zeitnahen Zauberworte zum Jahreswechsel? Aus dem mir unbekannten Sonnenparadies nur drei Blocks weiter erklingt vom Nachbarn kommuniziert die frohe Botschaft: „Kannst Du feiern fröhlich Feste, bleibt uns Mario der Beste.“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. 

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.

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