Geduld ist euch vonnöten

Die Mitglieder der UEK-Vollkonferenz versammelten sich in Dresden
Gruppe vor Leinwand, UEK-Versammlung 10.11.2025, Dresden
Foto: EKD_MCK
Bericht der UEK-Vorsitzenden Dorothee Wüst. Rechts daneben UEK-Amtsbereichsleiter Frank Kopania und die beiden stellvertretenden UEK-Vorsitzenden Christian Stäblein und Jan Lemke bei der UEK-Vollversammlung am 10. November 2025 in Dresden.

Zum ersten Mal erstattete die UEK-Vorsitzende Dorothee Wüst vor der Versammlung der unierten Kirchen ihren Bericht über den Fortschritt der Integration in die EKD. Zeitzeichen-Chefredakteur Reinhard Mawick war dabei und gewann den Eindruck: Eigentlich läuft vieles gut, aber es zeigen sich auch die Mühen der Ebene. 

Es gibt eine strukturelle Unwucht im Gefüge der EKD, die aufmerksamen Beobachtern der verbundenen Synodaltagung auffällt: Während die (etwas kleinere) Hälfte der Delegierten als Generalsynodale der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) die thematischen Punkte und Aufgaben ihrer synodalen Tagesordnung abarbeiten, versammelt sich zumindest am letzten Tag der VELKD-Beratungen auch die (etwas größere) Hälfte der EKD-Synodalen in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (UEK) lediglich zu Informationszwecken. Den unierten Teil der Synodalen interessiert eigentlich nur, inwieweit die Integration in die EKD Fortschritte macht und wie es um die verbliebenen inhaltlichen Aufgaben des unierten Kirchenbundes steht. Zu entscheiden gibt es nichts. Ansonsten will man theologische Arbeit betreiben und ökumenischen Gäste empfangen. 

Das wurde vor drei Jahren getreu der Devise „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ so beschlossen, und so wird es auch im nächsten Jahr noch sein, bevor dann 2027 in der neuen, der 14. Synode der EKD im Jahre 2027 wieder einmal (und möglicherweise zum letzten Mal) offiziell die Vollkonferenz der UEK einberufen wird, um - so der Wunsch vieler - die weitgehende Integration der UEK in die EKD zu verkündigen und zumindest die synodale Geschichte der UEK ad acta zu legen. 

„Gewachsen und geworden“

Im vergangenen Jahr in Würzburg war Kirchenpräsident Volker Jung als UEK-Vorsitzender verabschiedet und von der pfälzischen Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst beerbt worden. Sie hielt nun erstmals ihren Bericht und konnte darin bezüglich der Aufgabenübertragung an die  EKD „erhebliche Fortschritte“ verkündigen, wie zum Beispiel in Sachen Kirchengemeinschaft zur United Church of Christ (UCC), bei der der Evangelischen Forschungsakademie, der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus und des Theologischen Arbeitskreises für Reformationsgeschichtliche Forschung (TARF). Problemlos stellt sich wohl auch der Übergang der Zuständigkeiten an die EKD in Hinblick auf den Berliner Dom sowie das Kloster Stift zum Heiligengrabe dar. Aber zur Wahrheit, so Wüst, gehöre auch, dass es Hürden gibt, die weniger leicht zu nehmen sind. Etwa die Fragen rund um Haushaltsgestaltung, rund um die EKU-Stiftung und rund um das Schlosskirchenensemble in Wittenberg. In diesen Bereichen, so Wüst, zeige sich schon, „wie sehr wir ,gewachsen und geworden‘ sind und wie mühsam es ist, die selbstverständlichen Verflechtungen der prosperierenden Jahre in Hinblick auf Verschlankung, Einsparung und Strukturklarheit, aber auch in Hinblick auf befriedigende und als gerecht empfundene Lösungen für alle Beteiligten zu entwirren.“ 

Ja, ja, die Mühen der Ebene. Die gibt es auch Bereich der ausbleibenden strukturellen Angleichung der VELKD. Mit deren Spitzen, wurden Gespräche geführt und man habe dabei „viel Verständnis für unseren Prozess erlebt, aber wenig Verständnis für einen gemeinsamen Weg der Integration.“ Das, so Wüst,  sei bedauerlich, aber zu respektieren. Anders als dezidiert konfessionelle Bünde wie die VELKD gebe die UEK der Leuenberger Konkordie von 1973 „große Dignität“. So lebten die Kirchen der UEK „Kirchengemeinschaft in konfessioneller Verschiedenheit“ und erlebten dabei „diese Verschiedenheit als Bereicherung einer gemeinsamen Identität als reformatorische Kirchen“. Davon seien aber wohl zurzeit die Geschwister von der VELKD nicht zu überzeugen, dennoch müsse die UEK „weiter auf dem Weg des Gesprächs bleiben“. Man dürfe nicht den Blick dafür verlieren, „dass zu unserer unierten Haltung verschiedene konfessionelle Identitäten und unterschiedliche Bekenntnisgrundlagen in erklärter und gewollter Gemeinschaft als Kirche, als Leib Christi gehören und damit der Weg der Integration in die EKD nur folgerichtig“ und die bessere Lösung sei , als „eine wie auch immer Binnenidentität im Rahmen der EKD zu leben, betonte Dorothee Wüst.

International marginalisiert?

In der folgenden Aussprache blickte man zunächst etwas liebevoll, wenn auch ratlos, auf die Geschwister von der VELKD, einige Redner:innen konnten nicht verstehen, dass  konfessionelle Identität in heutigen Zeiten noch eine solche Bedeutung habe könne. Aber man müsse eben erleben, dass die VELKD das anders erlebe. Da helfe es doch vielleicht, so die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann, wieder und wieder das werbende Gespräch mit den lutherischen Geschwistern zu suchen und zwar darüber, dass die es merkwürdigerweise anders erleben und beurteilen. Hofmann: „Unsere einzige Chance ist, dass das der anderen Seite auch merkwürdig vorkommt.“ Diese Bemerkung löste leichte Heiterkeit aus. 

Aber es gab auch aus Reihen der UEK, und das war neu, Verständnis für die Haltung der VELKD. Schließlich sei die doch, so hieß es in einem  Wortbeitrag, ein „internationales Bündnis“, und deswegen sei die Erwartung einer Auflösung der deutschen Lutheraner „schlicht abwegig“. Im Gegenteil, es wurde sogar bedauert, dass die UEK zwar in Zusammenhängen wie der Gemeinschaft europäischer Kirchen (GEKE) wirke, aber anders als die VELKD durch eine fehlende Mitgliedschaft in den lutherischen beziehungsweise reformierten Weltbünden- respektive -gemeinschaften international marginalisiert sei. Und der Berliner Bischof Christian Stäblein, gleichzeitig stellvertretender UEK-Vorsitzender, gab schließlich zu bedenken, dass zu viel Aktionismus auf dem Feld der Strukturfragen kritisch sei. Es ist doch kirchenamtsintern eine ganze Menge erreicht worden, und darauf könnte in Ruhe aufgebaut werden.. 

Man darf gespannt, ob und wie sich die UEK noch weiter in die EKD diffundieren wird und wasdann schließlich 2027 in der mutmaßlich letzten „richtigen“ Tagung der Vollversammlung der UEK im Jahre 2027 über das eigene Schicksal entschieden wird. Vielleicht, die Frage sei erlaubt, könnte es doch auf Sicht erstmal so bleiben. Warum? Verglichen mit den wilden und konfrontativen Anfangsjahren der verbundenen Synodaltagungen 2009 ff. läuft es doch jetzt ganz gut. So möchte der wohlwollende Beobachter den besonders eiligen UEK-Zertrümmerer:innen mit Worten des Lutheraners Paul Gerhardts, der einst (damals) reformierten  und lutherischen und heute unierten Berlin wirkte, zurufen: 

Geduld ist euch vonnöten,
Wann Sorge, Gram und Leid
Und was euch mehr will töten,
Euch in das Herze schneidt,
O auserwählte Zahl!
Soll euch kein Tod nicht töten,
Ist euch Geduld vonnöten:
Das sag ich noch einmal.

 

 

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