Das war die bisher größte literarische Überraschung dieses Jahres: Dass sich der 1907 geborene und 1999 gestorbene Publizist Sebastian Haffner – geschätzt für historische Sachbücher wie Preußen ohne Legende – auch auf dem Feld der „schönen Literatur“ betätigt hat. Erst 1999 im Nachlass gefunden, hat es noch einmal etwa ein Vierteljahrhundert gedauert, bis sein autobiografisch geprägter Roman Abschied erschienen ist. Aber nun ist er da. Und das ist gut so. Denn Abschied ist eine kleine und feine Liebesgeschichte, die von der Leichtigkeit eines freien und unbürgerlichen Lebens im Paris der frühen 1930er-Jahre erzählt und zugleich das Ende dieser Zeit erahnen lässt. Und zwar nicht nur, weil der Protagonist wieder in Richtung Berlin abreisen muss … Berlin – das ist trotz mancher schöner Erinnerung das Kontrastprogramm zu Paris, das ist das Leben als Jurist (Haffner selbst war promovierter Jurist), der Berufsalltag, die politischen Verhältnisse und sicher ein wenig auch das schlechtere Wetter.

Einstweilen aber Paris. Zwei Tage schildert der Autor, zwei Tage Erkundungstour durch die Stadt, Liebe und Streit, Heiterkeit und ironische Sticheleien, zwei Tage mit unendlich vielen Zigaretten und etlichen neuen Erfahrungen für den Gaumen. Im Blick auf den drohenden Abschied aber stets dabei: ein Hauch von Melancholie und Wehmut.

Diese Stimmung kann man dem gedruckten Wort er-lesen, mindestens genauso gut aber ist es in diesem Fall, sie zu er-hören. Dem Schauspieler Sebastian Blomberg ist es gelungen, der Ungezwungenheit des Pariser Lebens, besonders aber der leisen Traurigkeit, die über dem ganzen Roman liegt, eine Stimme zu verleihen. Die Atmosphäre und die Gefühlslagen der Protagonisten – dank Blombergs Interpretation werden sie nachvollziehbar – und nachfühlbar.

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