Profil im Pluralismus

Wechsel an der Spitze der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche
Leitender Bischof Ralf Meister: Predigt nach seiner Einführung. Foto: epd/ Norbert Neetz
Leitender Bischof Ralf Meister: Predigt nach seiner Einführung. Foto: epd/ Norbert Neetz
Die Ökumene mit der römisch-katholischen Kirche haben die Synode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und die Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) beschäftigt, die die EKD-Synode in Würzburg einleiteten.

Das lutherische Bekenntnis kann „angesichts des Pluralismus“ in Gesellschaft und Christentum „der Lebens- und Glaubensorientierung“ dienen. Mit diesen Worten sprach Ralf Meister Chancen an, die sich der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) bieten, der sieben Mitgliedskirchen der EKD angehören. Der 56-Jährige wurde mit 38 von 45 Stimmen zum Leitenden Bischof der VELKD gewählt. Meister ist der vierte hannoversche Landesbischof, der an der Spitze der vor siebzig Jahren gegründeten VELKD steht. Die hannoversche Landeskirche zeichne ein „mildes Luthertum“ aus, das „schriftgründend, analytisch stark, theologisch fundiert, ökumenisch, lernbereit, selbstkritisch und mutig“ sei, sagte Meister.

Diese Worte kennzeichnen auch ihn: Unter anderem studierte der gebürtige Hamburger an der Hebräischen Universität Jerusalem, war an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Hamburg Mitarbeiter der „Arbeitsstelle Kirche und Stadt“, leitete die Rundfunkarbeit der norddeutschen Landeskirchen in Kiel und wirkte als Generalsuperintendent in Berlin, also in einer unierten Landeskirche. Und seit zwei Jahren ist Meister im Nebenamt deutscher Vorsitzender der „Meißen-Kommission“, die die Beziehung von EKD und Kirche von England pflegt.

Als Leitender Bischof ist er Nachfolger des Schweriner Bischofs Gerhard Ulrich (67). Zu seinem Stellvertreter wählte die Bischofskonferenz der VELKD den sächsischen Landesbischof Carsten Rentzing. Der 51-Jährige, der ein konservatives Luthertum vertritt, ist Nachfolger der Magdeburger Bischöfin Ilse Junkermann (61).

Ein Arbeitsschwerpunkt der VELKD sind die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche. Eine wichtige Rolle spielte daher auch in Würzburg der Bericht des Catholica-Beauftragten Karl-Hinrich Manzke, der Bischof der schaumburg-lippischen Landeskirche ist. Der 60-Jährige sagte, das Pontifikat von Papst Franziskus komme „in eine entscheidende Phase“. Schließlich geschehe in der römisch-katholischen Kirche „Unglaubliches“. So würden ausgerechnet diejenigen, „die gestern noch Gehorsam vor dem Papstamt predigten“, dieses nun „beschädigen“.

Grenzen der Ökumene

Manzke analysierte die Auseinandersetzung der römisch-katholischen Bischöfe Deutschlands darüber, ob evangelische Frauen und Männer, die in einer konfessionsverschiedenen Ehe leben, zur Eucharistie zugelassen werden. Der Streit darüber ist für Manzke „exemplarisch für die Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklung in der Ökumene“. Die von Rom freigegebene „Orientierungshilfe“ zum Kommunionsempfang nichtkatholischer Ehepartner stelle die Gewissensentscheidung des Einzelnen „in den Vordergrund“. Das sei „ein wichtiger Schritt nach vorne“. Manzke bedauerte aber, dass in dem Dokument „eine Gegenseitigkeit“ der Einladung „ausdrücklich ausgeschlossen wird“. Mit anderen Worten: Römische Katholiken sollen nach dem Willen ihrer Bischöfe auch weiterhin nicht am evangelischen Abendmahl teilnehmen, zu dem protestantische Kirchen alle Getauften einladen.

Der Catholica-Bericht analysierte und bewertete nicht nur, sondern informierte auch über Entwicklungen, die weitgehend unbekannt sein dürften. So erwähnte Manzke ein Papier der römisch-katholischen Bischöfe Großbritanniens und Irlands, das Protestanten erlaubt, nach Prüfung ihres Gewissens bei Tauf-, Hochzeits- und Trauermessen an der Kommunion teilzunehmen.

Bei den Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, stehen die Anglikaner für den Vatikan an erster Stelle, gefolgt von den Lutheranern. Erst dann kommen die Reformierten und schließlich die Freikirchen. Das hängt auch damit zusammen, dass die beiden erstgenannten Kirchen Bischöfe haben und in der Regel den Gottesdienst in der Form der Messe feiern. Gelegentlich gibt es Befürchtungen, die Lutheraner könnten sich auf Kosten der anderen Protestanten mit Rom verständigen. Aber bei dem Dialog, den Vatikan und Lutherischer Weltbund (LWB) über die Rechtfertigungslehre führten und 1999 mit einer „Gemeinsamen Erklärung“ abschlossen, wurde deutlich, dass die Lutheraner mitunter eine Vorreiterrolle übernehmen, von der andere evangelische Kirchen profitieren.

In Würzburg berichtete Bischof Manzke, bei dem Gespräch, das deutsche Lutheraner im Juni mit dem Päpstlichen Einheitsrat führten und an dem auch Christian Schad von der uek teilnahm, sei deutlich geworden, dass der aktuelle lutherisch-katholische Dialog über Kirche, Abendmahl und Amt „in die weitere Ökumene hinein vernetzt werden soll“.

Das berührt sich mit Wünschen, die Christian Schad, pfälzischer Kirchenpräsident und Vorsitzender der UEK-Vollkonferenz, in Würzburg äußerte. Der 60-Jährige erstattete seinen Ökumenebericht wie Bischof Manzke bei einer gemeinsamen Sitzung der VELKD-Synode und der Vollkonferenz der uek, die zwölf Mitgliedskirchen der EKD vertritt. Schad forderte, dass man „die lutherisch-katholische Dialogebene um eine gesamtevangelische erweitern“ solle. Denn niemand könne wollen, dass die evangelischen Kirchen „aufgespaltet“ würden in diejenigen, die an einer „Abendmahlsgemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche teilhaben, und andere, die ausgeschlossen bleiben“. Andererseits erinnerte Schad daran, dass Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, und Pfarrer Gottfried Locher, der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), bei deren Vollversammlung in Basel (siehe zz 11/2018) eine „Erklärung über die Absicht, einen gemeinsamen Dialog aufzunehmen“ unterzeichnet haben. Dass der Vatikan nun auch „mit dem Gesamtprotestantismus“ einen Dialog führen wolle, nicht nur - wie bisher - mit den konfessionellen Weltbünden, bezeichnete Schad in Würzburg als „ökumenischen Meilenstein“.

Jürgen Wandel

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