Kompetent

Fakten zur Einwanderung
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Mit einer eindeutigen "Wir-schaffen-das"-Haltung geschrieben. Doch auf Schönfärberei wird - zum Glück - weitestgehend verzichtet.

Die Antwort auf die Frage, was das drängendste Problem in Deutschland ist, lautete bis zum vergangenen Jahr " die Arbeitslosigkeit". Dies hat sich 2015 geändert. Erstmals seit 22 Jahren wurde die Arbeitslosigkeit als größte Sorge der Deutschen abgelöst, stattdessen haben über ein Drittel der von der Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung Befragten erklärt, dass die Zuwanderung die dringendste Aufgabe darstellt. Entsprechend breiten Raum nimmt das Thema derzeit in den Medien und den Gesprächen im Freundes- und Bekanntenkreis ein. Wer in diesen Runden mit Kompetenz und Sachlichkeit den oft diffusen Gefühlen und Stimmungen gegenüber den neuen Fremden begegnen will, sollte das Buch von Karl-Heinz Meier-Braun gelesen oder am besten sogar stets in seiner Tasche haben. Denn - der Titel weist darauf hin - in diesem kompakten Taschenbuch werden die wichtigsten Fragen zum Thema Einwanderung und Asyl kompetent und sachlich beantwortet und notwendige Hintergrundinformationen geliefert. So etwa auch die eingangs zitierte Statistik (Frage 75: "Was denkt die Mehrheitsgesellschaft über Einwanderung und Asyl?").

Der Autor ist Integrationsbeauftragter des Südwestrundfunks, Honorarprofessor für Politikwissenschaft der Universität Tübingen und Vorstandsmitglied im Rat für Migration. Damit ist klar, das Buch ist mit einer eindeutigen "Wir-schaffen-das"-Haltung geschrieben, auf Schönfärberei wird allerdings - zum Glück - weitestgehend verzichtet. Einwanderung sei "stets mit Problemen und Konflikten verbunden", schreibt der Autor selber. Doch "ständig diese Probleme in den Mittelpunkt zu stellen, meist ohne Lösungen aufzuzeigen, geschweige denn sie umzusetzen ist nicht zielführend", heißt es in der Antwort auf die Frage 87 "Hat die Sarrazin-Debatte Deutschland geschadet?". Den fragwürdigen von Sarrazin genutzten Zahlen setzt er die weitaus weniger dramatischen Statistiken des Bundesamtes für Migration entgegen und gibt so auch eine Handreichung für Debatten, in denen noch immer die Angst vor dem sich angeblich selber abschaffenden Deutschland regiert. Sachlich und verständlich beschreibt er die Gesetzeslage, die Geschichte der Einwanderung und das, was wir statistisch über die soziale Situation der in den vergangenen Jahrzehnten und Monaten nach Deutschland eingewanderten Menschen wissen. Erstaunlich - aber auch absolut notwendig - ist die Aktualität dieses Buches, dessen jüngste Passagen aus dem Oktober 2015 stammen, im November kam das Buch auf den Markt. Dass bei diesem straffen Zeitplan der ein oder andere Tippfehler im Lektorat übersehen wurde, ist nachvollziehbar und muss wohl hingenommen werden.

Natürlich kann man sich fragen, ob Meier-Braun wirklich die "101 wichtigsten Fragen" zum Thema gestellt und beantwortet hat. Dass die Antworten auf die Fragen, ob Goethe wirklich türkische Vorfahren hatte (Frage 8), ob tatsächlich noch Portugiesen in Deutschland leben (Frage 38) oder ob die Zeit reif für ein Migrantenmuseum ist (Frage 100), der Debatte wirklich sinnvolle Impulse geben, darf bezweifelt werden. Aber diesen einzelnen eher entspannten Seiten für Liebhaber stehen eine Fülle von kompakten Informationen gegenüber, die in der Tat alle interessieren (sollten), die sich öffentlich oder im privaten Kreise zur Einwanderung nach Deutschland zu Wort melden. Denn dieses Buch verschweigt die Probleme, die die Vielzahl von Flüchtlingen mit sich bringt, nicht, hilft aber dennoch gegen Ängste vor den neuen Deutschen und gegen die Stimmungsmacher von afd , Pediga und all den anderen, die diese Ängste befeuern und für ihre eigenen Zwecke missbrauchen.

Karl-Heinz Meier-Braun, Einwanderung und Asyl. C.H. Beck, München2015, 160 Seiten, Euro 10,95.

Stephan Kosch

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