Großartig

Schwemmers Klangreisen
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Es gilt, das Werk des 1961 geborenen Berliners kennenzulernen. Und Achtung: Es besteht Suchtgefahr.

Manchmal eröffnen CDs eine neue Welt. Diese mit A-cappella-Musik von Frank Schwemmer ist so eine. "Frank wer ...?" werden sich viele fragen; und das mit Recht, denn bisher war Schwemmer noch ein Geheimtipp. Aber Hand auf's Herz: Wer kennt schon zeitgenössische deutsche Komponisten, die heute unter uns leben, weben und sind? Die meisten bekannten Vertreter sind schon gestorben, zum Beispiel Karl-Heinz Stockhausen (2008), oder zuletzt Hans Werner Henze (2012). Das Thema unbekannt unter uns wirkender Tonsetzerinnen und -setzer ließe sich vertiefen. Aber nicht jetzt.

Jetzt gilt es, das Werk des 1961 geborenen Berliners Frank Schwemmer kennenzulernen. Und Achtung: Es besteht Suchtgefahr. Nehmen wir gleich den Anfang der mit 22 Stücken und 77 Klangminuten reichlich bestückten CD: "Singt ein Vogel, singt ein Vogel, singt im Märzenwald ..." Zärtlich-schmeichelnd tönt das Athesinus Consort Berlin ins Ohr. Schmuseklänge, harmonisch immer wieder bluesgeschwängert und mit einem Augenzwinkern dargebracht, entfalten sich in diesem und drei weiteren "Geflügelte(n) Lieder(n)". Beherzte harmonische Rückungen sorgen stets für neue Klangkühle und Atmosphäre. Alles übrigens gute, alte Volkslieder, denen Schwemmer ein aufregendes neues Klangkleid geschneidert hat. In jedem Werk gehen die geneigten Hörer auf eine spannende Entdeckungsreise. Selbiges gilt auch für den direkt folgenden Zyklus "Vier Lieder von Licht und Schatten" und für "So gib mir einen Kuss", das sind "Vier Abschiedslieder nach Volksliedern", mit denen die CD abschließt.

Aber Schwemmer ist bei weitem nicht nur ein begnadeter Neuarrangeur guter, alter Volkslieder, sondern ein absolut tiefsinniger und vielfältiger Komponist. Davon zeugen zwischen den leichten, volkstümlichen Randblöcken drei Motetten für Chor A cappella nach Gedichten des zeitgenössischen Dichters und Theologen Christian Lehnert (Jahrgang 1969), besonders die harmonisch und rhythmisch raffinierte Motette "Die Perlmuttfalter". Weitere intensive, aber niemals nutzlos anstrengende Klangreisen warten auch im vielsprachigen Psalm 31 oder im Motettenzyklus "Morgen, Herr, bin ich bei Dir" nach Texten von Thomas Bernhard und aus dem Buch Hiob.

Damit die Schwemmerschen Kostbarkeiten richtig zur Geltung kommen, braucht es natürlich solche Sangeskünstlerinnen und -künstler, wie sie unter der Leitung von Klaus Martin Bresgott im Athesinus Consort Berlin versammelt sind. Großartig. "Liebchen, ade, Scheiden tut weh", heißt das letzte Lied dieser Sternstunde neuer Chormusik. Dem ist nichts hinzuzufügen außer: Auf Wiederhören!

Frank Schwemmer: Perlmuttfalter. Carus-Verlag 2014.

Reinhard Mawick

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