The Lucky Luthers

Ein Punktum
Zwischen all den wirren Wesen fragt sich der engagierte Protestant, welches Maskottchen eigentlich für das kommende Super-Mega-Reformations-Event im Jahr 2017 wirbt...

Was für ein Sommer! Zumindest für diejenigen, die ihre Sportbegeisterung am liebsten auf dem Sofa ausleben und sich im Fernsehen daran ergötzen, wie andere kämpfen, laufen, schwitzen und jubeln. Und da gibt es ja in diesen Wochen viel zu gucken. Erst die Fußball-Europameisterschaft, und kaum ist sie vorbei, geht der Blick nach London zu den Olympischen Spielen.

Zwischendrin ist aber Zeit, sich einem besonderen Aspekt dieser Großveranstaltungen zu widmen: Dem Maskottchen. Früher waren das ja mal zauberhafte Wesen, schließlich steckt ja in der Bezeichnung das provenzialische Wort "Mascoto", was soviel wie Hexe bedeutet. Die lassen sich aber nur schwer in die Kinderzimmer weltweit verkaufen. Und weil aus den früheren Glücksbringern vor allem ein weiteres Produkt geworden ist, das man zu Geld machen kann, sind heutige Maskottchen in der Regel Tiere oder Baby-Face-Figuren, manchmal auch wirre Fabelwesen, wie zum Beispiel die einäugigen Wenlock und Mandeville, die als moderne Varianten des Polyphems für die Londoner Spiele werben.

Nun fragt sich der engagierte Protestant, welches Maskottchen eigentlich für das kommende Super-Mega-Reformations-Event im Jahr 2017 wirbt, Sie wissen schon, der Thesenschlag jährt sich zum 500. Mal -, und das kann doch eigentlich nicht ohne Maskottchen gefeiert werden. Schon um einen Teil der Kosten wieder einzuspielen. Obwohl der erste Testlauf mit den knallbunten Lutherzwergen bei vielen nicht so gut ankam. Aber das ist auch logisch, denn ein echtes Maskottchen muss plüschig sein und lachen. So wie der freundlich kämpfende Löwe Goleo vielleicht, der für die Fußball-WM 2006 warb. Allerdings sollte man einem streitbaren Luther-Löwen unbedingt eine Hose spendieren, oder zumindest einen Talar.

Eine andere Möglichkeit wäre ein Doppelmaskottchen, so wie einst Tip und Tap 1974 oder jetzt zur EM Slavek und Slavko mit dem leichten Irokesenschnitt. Nur, wer würde Luthers Kompagnon? Melanchton, der ja häufig mit dem großen Reformator zusammen abgebildet wurde? Zwingli oder Calvin, um die Breite der Reformation zu verdeutlichen? Oder doch lieber seine Frau Katharina? Das wäre absolut kinderzimmerkompatibel, durch die Luther-Sprösslinge zum ganzen Set erweiterbar und würde spielerisch aber deutlich auf einen zentralen Unterschied zwischen evangelischen und katholischen Geistlichen hinweisen. Und wie nennen wir das ganze? "Mama und Pappa Lu?" "The Lucky Luthers?" Hmm, wir denken lieber nochmal nach und schalten erstmal um ins Londoner Olympiastadion ...

Stephan Kosch

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