Alles Logo?

Gepa-Produkte ohne Fairtrade-Emblem sorgen unnötig für Verwirrung
Warum schafft ausgerechnet der Pionier des fairen Handels in Deutschland das Fairtrade-Logo für viele seiner Produkte ab?

Wer sich als Konsument dem gesunden und nachhaltigen Lebensstil verpflichtet fühlt, steht oft ein wenig ratlos im Supermarkt herum. Er studiert neben den Preisen auch die Etiketten, die Auskunft geben über das Herkunftsland des Obst- und Gemüses, die jeweiligen Öko- und Sozialstandards, denen sich der Produzent verpflichtet fühlt und natürlich über das, was drin ist in Fruchtjoghurt, Müsli und Schokolade.

In dem oft unübersichtlichen Gelände können unterschiedliche Logos und Label Wegweiser sein. Zwar bedarf es einiger Übung, um diese auch interpretieren zu können und zu wissen, was "artgerechte Tierhaltung" vom Biobauernhof unterscheidet oder die von Regenwaldschützern zertifizierte Chiquita-Banane vom Fairtrade-Produkt nebenan. Doch je länger ein Logo auf dem Markt ist und je klarer die Kriterien, desto hilfreicher ist es für den, der sich daran orientieren will. Das Fairtrade-Logo ist seit vielen Jahren ein solcher Wegweiser. Es zeigt: Der etwas höhere Preis kommt den Produzenten direkt zugute und sorgt für eine gute wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Und nun schafft ausgerechnet der Pionier des fairen Handels in Deutschland, die Gepa, das Fairtrade-Logo für viele seiner Produkte ab. Der Grund dafür ist nicht, dass das von den Kirchen getragene Handelshaus sich vom Prinzip des fairen Handels verabschiedet. Aber die Gepa-Produkte sollen nicht mehr in einen Topf geworfen werden mit den Fairtrade-Marken der Discounter und Supermärkte. Denn ihre Produkte entsprächen zwar den Kriterien des Vereins Transfair, der in Deutschland für die Zertifizierung von Produkten zuständig ist. Gepa hingegen achte aber darüber hinaus besonders auf die Qualität und faire Handelstrukturen, liefert zum Beispiel nicht an Discounter. Dieser besondere Anspruch soll eben durch den neuen Aufdruck "Fair+", also mehr als fair, deutlich werden.

Selbstverständlich ist es das gute Recht eines Händlers, seine eigenen Produkte von denen der Konkurrenten abzuheben. So funktioniert Marktwirtschaft, und auch dem fairen Handel tut Konkurrenz gut. Aber durch diesen Schritt droht eine Entwertung des Fairtrade-Logos. So wird mancher Kunde fragen: Ist Gepa-Kaffee weiterhin so fair gehandelt, wie in der Vergangenheit? Und wenn er es ist, was ist dann noch das Transfair-Logo wert? Sollte man im Discounter lieber nicht zum Fairtrade greifen? Droht Etikettenschwindel?

Nein, denn an den Kriterien bei Gepa und Transfair ändert sich ja nichts. Aber Verbraucher reagieren sensibel, und wer Gutes mit seinem Einkauf tun will und dafür mehr bezahlt, will keine Verwirrung, sondern Klarheit.

Es wäre auch eigentlich kein Problem, neben dem großen eigenen "Fair+"-Aufdruck irgendwo auf der Packung, zum Beispiel auf der Rückseite, auch das Fairtrade-Logo abzubilden. Das zeigt auf einen Blick: Dieses Produkt ist fair gehandelt nach den gültigen Fairtrade-Kriterien.

Insider schätzen, dass die Gepa durch den Verzicht auf das Logo einen fünfstelligen Betrag im Jahr einsparen könnte, der bislang als Nutzungsgebühr für das Logo anfiel und der künftig nicht mehr als Einnahme an Transfair geht. Geht es der Gepa am Ende vor allem darum, diese Kosten zu sparen? Das wäre nachvollziehbar, aber kurzfristig gedacht. Denn gerade auf Nachhaltigkeit ausgelegte Produzenten und Händler wissen, dass es gefährlich ist, für eine kurzfristige Kostenersparnis das Vertrauen der Kunden in eine ethisch anspruchsvolle Handelsstruktur aufs Spiel zu setzen.

siehe auch "Fairtrade und Kirche"

Stephan Kosch

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