Salbaderschwallsabbel Schluss!

Ein Punktum
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Wie soll einem pisa-gebeutelten Schüler vermittelt werden, er müsse seinen Ausdruck verbessern, wenn die erste Frau im Staate Verben zu Auslaufmodellen erklärt?

Die Traumwohnung hatte uns einer vor der Nase weggeschnappt. "Wer weiß, wozu es gut ist", bemerkte aufmunternd ein Zeitgenosse. "Wenn man eine Wohnung finden will, findet man sie auch", kam als nächstes. Bei "Etwas Neues bekommt man immer", protestierte endlich die Germanistin in mir. Floskeln, Phrasen, heiße Luft - und das im eigenen Bekanntenkreis.

Wen wundert das. Hört man hinaus ins Land, steht es schlimm um die Kunst der Rhetorik und die Strahlkraft der Rede. "Wir haben uns vorgenommen, Deutschland zu einer Bildungsrepublik zu entwickeln. Wir wissen, dass wir auf einem guten Niveau aufbauen können. Aber wir wissen auch, dass noch eine lange Strecke zurückzulegen ist, bevor wir unser Ziel erreichen können." Da kann ich nur antworten: Wenn etwas endet, gibt es immer einen neuen Anfang. Ein Volk muss anderweitig erleuchtet sein, will es diesen Worten seiner Kanzlerin folgen.

Unser demokratisches Vorwort wird gesprochen von einer "Meisterin der ansatzlos eingeschobenen Phrase", wie der Focus zu berichten weiß, der politische Raum ist verkleistert mit einer verbalen "Spachtelmasse", erklärte vor kurzem der Werbetexter Reinhard Siemens. Wie soll einem pisa-gebeutelten Schüler vermittelt werden, er müsse seinen Ausdruck verbessern, wenn die erste Frau im Staate Verben zu Auslaufmodellen erklärt und primär mit Substantiven und Hilfsverben hantiert? Stimmt es, dass Arbeit am Ausdruck die Arbeit am Gedanken ist, dann leben wir folgerichtig suboptimal in gedankenlosen Zeiten.

Loriots "Mausgrau. Steingrau. Asphaltgrau." beschreibt den Weg. Wenn sich schon das politische Leitbild aus der Formel "Kommunikation = breit x flach" errechnet, ist das Ende vor dem gleichnamigen Bildschirm vorprogrammiert. Karl Popper hat erkannt: "Wer es nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er es klar sagen kann." Da liegt noch viel Arbeit der bundesdeutschen Politiker am Generationenvertrag. Laut einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung sind die Schülerinnen und Schüler genervt von verschwurbelten Wort-Wolken und komplizierten Politiker-Sprech.

Ein Trost bleibt. Die gefrustet-kreative Jugend gibt sich seit jeher ihre eigene Sprache. "Brechcontainer" für Politiker ist daraus noch harmlos. Dagegen halte ich den "Lotterbub" aus Luthers Biblia Germanica von 1545, Apg 17. Aber seit der Jubiläumsbibel von 1912 steht dafür nur noch ein seichter "Schwätzer". Im eigenen Haus das Bibelwort zur sprachlichen Verarmung. Das denke ich und kann nicht anders.

Kathrin Jütte

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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