zeitzeichen - Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft

Dem Tod die Endgültigkeit bestreiten

Umstritten und verehrt: Helmut Gollwitzer zum 100. Geburtstag

Ralph Ludwig

"Und führen, wohin Du nicht willst...": Seine  Verarbeitung von Krieg und Kriegsgefangenschaft machten den Theologieprofessor Helmut Gollwitzer 1951 mit einem Schlag bekannt. Der Journalist Ralph Ludwig über den frommsten Sozialisten der Republik.

Helmut Gollwitzer, 1983. (Foto: epd/Norbert Neetz)
Helmut Gollwitzer, 1983. (Foto: epd/Norbert Neetz)

Grauer Anzug, klein, kaum 1,70 Me­ter groß, rundlich, mit großen, etwas ratlosen Augen hinter dicken Brillengläsern - so tritt mir Helmut Gollwitzer am 12. November 1989 ge­genüber, freundlich verwirrt, nicht erinnernd, dass ich ihn interviewen wollte. Doch wenig später, auf dem alten Sofa im Dahlemer Haus, verändert er sich mit einem Mal. Was ihm theologisch entscheidend sei, hatte ich gefragt. "Ein Zentralwort des Christseins, überhaupt des Menschseins, ist der Dank. Dass wir fröhliche, dankbare Menschen sein dürfen, das verdanke ich dem Evangelium, und das möchte ich weitergeben in diese unfrohe Kirche und in diese unfrohe Menschengesellschaft hinein." Und nach einer kleinen Pause: "Das wäre dann doch die Kunst, diese fröhliche Dankbarkeit nicht zu verlieren durch die Solidarität mit den Elenden und den Weinenden."

                 "Diese fröhliche Dankbarkeit nicht verlieren
                                              durch die Solidarität mit den
                                    Elenden und denWeinenden." 

Solidarität aus Dankbarkeit - so einfach hört sich an, wie er seine politische Theologie beschreibt. In sei­nen mehr als tausend Veröffentlichungen gelingt es ihm, eine im Grunde konservative Theologie mit einer ausgesprochen progressiven politischen Ethik auszusöhnen.

Das eindrucksvollste Zeugnis dieser Aussöhnung ist das Buch Krummes Holz, aufrechter Gang. "Das wohl schönste Buch zeitgenössischer Theologie" - so lobt Die Zeit das 1970 erschienene Werk. Das Urteil vieler Fachtheologen ist eher gebremst. Zwar verdiene die Verarbeitung von reicher zeitgenössischer Literatur große Anerkennung, man sehe auch das Bemühen, die "Sinnfrage als aktuelle theologische Diskussion zu etablieren", schreibt ein Kritiker, andererseits aber wenden viele ein, Gollwitzer sei zwar ein viel zu kluger Theologe, als dass er das Reich Gottes etwa mit der von Karl Marx propagierten klassenlosen Gesellschaft gleichsetze. Doch bei ihm bestehe eine deutliche Nähe der Botschaft Jesu vom Reich Gottes zur sozialistischen Gesellschaftsordnung. Und da sei an vielen Stellen der Marxist Gollwitzer mit dem Theologen Gollwitzer durchgegangen. 

Den Erfolg des Buches kann solche Kritik nicht aufhalten. Rasch erreicht es zehn Auflagen, wird in mehrere Sprachen übersetzt. An vielen deutschen Universitäten bilden sich spontan Lesekreise, die begierig nach dem Buch greifen, in dem wie in keinem zweiten "die Botschaft des Evangeliums greifbar wird in Bezug auf die Erfahrung der Sinnlosigkeit gegenwärtigen Daseins". Gollwitzer hatte das Evangelium als "Programm gegen den Nihilismus der Sinnlosigkeit" neu formuliert. Die lebendige Beziehung zu einer Studentengeneration, die gegen die fertigen Sinnantworten einer Gesellschaft revoltiert, die sich dem Ziel "Wie werde ich schnell reich?" hinzugeben scheint, verleiht seiner Theologie Flügel.

Zudem ist die Freie Universität Berlin, an der er seit dem  Wintersemester 1958/59 lehrt, die passende Umgebung für den diskussionsfreudigen Mann. Angezogen hatte ihn ja die Aussicht, in einem "Offenen Haus der Wissenschaften" ohne theologische Fakultät, aber in engem Austausch mit Kollegen aus anderen Wissenschaftsbereichen zu lehren.

Ist Gollwitzer Sozialist oder Marxist? Es wird nicht gelingen, ihn in eine dieser Schubladen zu zwängen. Er selbst beantwortet die Frage nach der Vereinbarkeit von Christentum und Sozialismus provozierend: "Christen müssen Sozialisten sein".

"Christen müssen Sozialisten sein"

Er hasst es, diese Vision instrumentalisiert zu sehen, sie lediglich dazu benutzt zu wissen, der einen Seite, der linken, Beruhigung zu verschaffen, der anderen Seite dagegen das Christsein abzusprechen. Was Gollwitzer langsam bewusst wird, beschreibt er so: "Ich bin in den letzten Jahren meines Lebens in die Situation eines Christen gekommen, der wie Sie oder irgendein anderer am Abend ab und zu ein paar theologische Bücher noch lesen kann, im Übrigen aber sein Christsein bewähren muss in seinem weltlichen Beruf. Theologie ist nötig, aber sie ist nicht alles, sie ist nur eine Hilfswissenschaft." 

Vermutlich ist gerade diese theologische Wende mitverantwortlich dafür, dass Gollwitzer die Studentenunruhen der später Sechzigerjahre mit großer Sympathie erlebt. Zwar ist er wie viele andere entsetzt darüber, dass die Demonstrationen die Berliner Straßen in ein Meer von roten Fahnen tauchten - "untaktisch" nennt er das; auch "wie sie mit sozialistischen Phrasen anfingen", erschreckt ihn. Dennoch: "Golli" verschafft sich großen Respekt bei den Studierenden. Mit Rudi Dutschke verbindet ihn eine besondere Freundschaft. Dutschke empfindet "Golli" als eines der "wenigen radikaldemokratischen Lichter in der Wüste der autoritären Professorenschaft". 

Doch Gewalt als Weg einer politischen Veränderung verurteilt Gollwitzer stets als falsch. Das hindert manche Gruppen und Parteien nicht daran, ihm zumindest Unschärfe oder Schweigen gegenüber bestimmten Gewaltanwendungen vorzuwerfen. Als er sich 1972 öffentlich gegen die Bombardierung Nordvietnams durch US-Flugzeuge wendet, wirft ihm die "Notgemeinschaft evangelischer Deutscher" vor, "den Gottesdienst in den Dienst für eine weltweite kommunistische Propaganda zu stellen". Naivität wird dem "APO-Theo" vorgeworfen, er sei ein "geistiger Vater von Aufstand und Gewalt". Man rückt ihn 1972 sogar in die Nähe der Terrorgruppe "Rote-Armee-Fraktion". Als im Winter 1974 die Carl-von-Ossietzky-Medaille an Heinrich Böll und Helmut Gollwitzer verliehen wird, weigert sich die West-Berliner CDU, am Empfang teilzunehmen. 

Bestätigt scheinen die Bedenken, als Gollwitzer am Grab von Ulrike Meinhof spricht. Dass er dies einerseits als Christenpflicht sieht, andererseits sich deutlich von deren Gewaltweg distanziert, geht für viele in der allgemeinen Aufregung unter.

Die Medien zeichnen in den Siebzigerjahren ein abschreckendes Bild des eher gemütvollen Franken. "Einen Revoluzzer" nennen ihn Zeitungen, "Zerstörer unserer wohlverdienten Lebensverhältnisse", "geistiger Vater studentischer Aufrührer", "Verführer der Jugend". Als er am 17. Oktober 1993 stirbt, überschlagen sich die gleichen Medien in Lobreden, als habe sich bereits ein Tuch des Vergessens über sein Auftreten als politischer Christ gelegt. 

Dass Gollwitzer sich nie anpasst, ein "Querdenker" im politischen wie theologischen Sinn ist, zieht sich durch seine gesamte Biografie. Dichter will der junge Feuergeist ursprünglich werden, liebt schon als Jugendlicher das Schreiben, das Phantasieren. Den Weg seines Vaters - eines national-konservativen lutherischen Pfarrers - einzuschlagen, kommt in seinen Träumen nicht vor. Und doch gerät er in die Theologie und beginnt im Wintersemester 1928/29 das Theologiestudium.

Begegnung mit Barth

Entscheidend ist die Begegnung mit Karl Barth 1930, damals schon namhafter  Professor in Bonn. Von ihm wird er  promoviert, lernt, dass die Theologie sich aus der Diskussion um die aktuellen Krisen der Gesellschaft nicht zurückziehen könne, sondern sich ihnen stellen müsse. Über einen Freund bekommt der 25-jährige Doktor der Theologie 1933 eine Arbeit als Schlossprediger und Prinzenerzieher auf Schloss Ernstbrunn in Niederösterreich. Doch als 1936 der Bruderrat der Bekennenden Kirche in Thüringen ihn in ihren Dienst bittet, sagt Gollwitzer ohne Umschweife zu. Seine Aufgabe: junge Theologen zur "Bekennenden Kirche" zu führen. Eine Tätigkeit, die abrupt ihr Ende findet, als die dortige NSDAP ihm im Frühjahr 1937 ein Rede- und Auftrittsverbot erteilt. 

Berlin bleibt als Ausweg, sein Fürsprecher Martin Niemöller holt ihn nach Dahlem als Hilfsprediger. Als dieser im Juli 1937 verhaftet wird, verweigert die offizielle Gemeindeleitung Gollwitzer eine Anstellung. Daraufhin stellt die Bekenntnisgemeinde den jungen Hilfsprediger auf eigene Kosten an. Gollwitzer stürzt sich in die Gemeindearbeit, als sei er der Nachfolger Niemöllers in Dahlem. "Golli", wie die Familie Niemöller ihn nennt, übernimmt die regelmäßigen abendlichen Fürbittegottesdienste, veranstaltet "Offene Abende" der Bekennenden Kirche, lädt zu Bibelarbeiten und Bibelkreisen ein, hält drei von sechs regelmäßigen Morgenandachten um 7.30 Uhr in der St.-Annen-Kirche. Sein theologischer Arbeitskreis ist ebenso begehrt wie seine regelmäßigen Männerabende mit Vorträgen und Diskussionen. 

Von einem offenen Widerstand im Sinne des Satzes von Dietrich Bonhoeffer "Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!" kann bei den Dahlemer Predigten bis zum Kriegsbeginn jedoch keine Rede sein. Selbstkritisch beurteilt er etwa eine Predigt, die er am Bußtag 1938, eine Woche nach der Reichspogromnacht, gehalten hatte. Nicht wörtlich ist er damals auf das brutale Vorgehen der Schlägerbanden eingegangen, die Synagogen anzündeten, Schaufenster jüdischer Geschäfte einwarfen, Menschen auf offener Straße zusammenschlugen. Er erwähnte die Deportationen und Verhaftungen jüdischer Deutscher nicht ausdrücklich.

Dennoch sind diese Ereignisse in der Predigt allen deutlich: "Es wäre vielleicht das Richtigste, wir würden nicht singen, nicht beten, nicht reden. Wir sind mitverhaftet in die große Schuld, dass wir schamrot werden müssen, wie biedere Menschen sich auf einmal in grausame Bestien verwandeln. Wir sind alle daran beteiligt, der eine durch Feigheit, der andere durch Bequemlichkeit, die allem aus dem Wege geht, durch das Vorübergehen, das Schweigen, das Augenzumachen, durch die Trägheit des Herzens, durch die verfluchte Vorsicht."

                      "Wir sind mitverhaftet in die große Schuld ...
     der eine durch Feigheit, der andere durch Bequemlichkeit,
                   durch die Trägheit des Herzens,
                               durch die verfluchte Vorsicht."

Kein Wunder, dass die Gestapo bereits am 3. September 1940 Gollwitzers Arbeit als Pfarrer mit einem radikalen Schnitt beendet. Sie weist ihn aus Berlin aus und erteilt ihm Redeverbot im gesamten Reichsgebiet. 

Wenig später wird Gollwitzer eingezogen - irgendwer im Generalstab hatte dafür gesorgt und bewahrt ihn so vor der drohenden Verhaftung. Erst Soldat in Frankreich, dann Sanitäter an der Ostfront, auf rumänischem Boden gerät Gollwitzer schließlich am 10. Mai 1945 in russische Kriegsgefangenschaft. Über vier Jahre lebt er in verschiedenen Lagern, muss erfahren, dass seine Braut Eva, die Tochter des jüdischen Schauspielers Paul Bildt, sich noch 1945 umgebracht hat. Endlich, am 15. Dezember 1949, kann er den Transportzug in Richtung Heimat besteigen.

Hunger, Knochenarbeit, schlechtes Essen, Krankheiten - ein Schicksal, das in diesen Jahren tausendfach durchlebt wird, das viele Todesopfer fordert. Nicht dass und wie Gollwitzer diese Qualen überlebte, macht seine Gefangenschaft zu einer besonderen. Vielmehr wird sie für Gollwitzer zu einer existentiellen Erfahrung. Er erlebt sie als ein Gleichnis für die christliche Hoffnung und schreibt ein Buch darüber.
Den Erfolg dieses Berichts, den er 1951 nur auf Drängen seines Verlegers unter dem Titel ... Und führen, wohin du nicht willst veröffentlicht, kann Gollwitzer zunächst gar nicht fassen: 360.000 Mal in deutscher Sprache verkauft - Gollwitzer wird mit einem Schlag bekannt.

Warum der über dreihundert Seiten lange, manchmal wie ein Tagebuch gestaltete Bericht nicht nur viele Deutsche so tief berührt, sondern - das zeigen die zahlreichen Übersetzungen - auch Menschen jenseits der deutschen Grenzen in den Bann schlägt, hat viele Gründe. Bis heute fasziniert die Klarheit seiner Sprache, die Stimmigkeit der Bilder, die natürliche Art des Erzählens.

Gleichzeitig bricht das Buch gleich mehrere Tabus: Die Russen sind nicht die "Untermenschen", die "Bestien", als die sie in den letzten Kriegsjahren dargestellt worden waren - und als die sie ­gelegentlich von Flüchtlingen erlebt wurden. Die 'Kommunisten' tragen menschliche Gesichter, sind an Gesprächen und Diskussionen interessiert.

Golwitzer bricht gleich mehrere Tabus

Das andere Tabu, das Gollwitzer durchbricht: Schonungslos berichtet er über die Verbrechen der Wehrmacht, deren Teilnahme an Judenerschießungen in Russland, die einige der Gefangenen mit eigenen Augen gesehen hatten, an denen sie sogar selbst beteiligt gewesen waren. Offen tritt er dem Verschweigen der Judenvernichtung entgegen, spricht unverdeckt von einer deutschen Schuld - ein Wort, das so wenige Jahre nach Kriegsende viele scheuen. Wie schwer hatten sich 1945 selbst die evangelischen Kirchen getan, auch nur eine Mitschuld an dem millionenfachen Morden einzugestehen. Die einfache Ehrlichkeit seiner Haltung überzeugt bis heute.

Noch ehe Gollwitzer aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt ist, sind die Weichen für seinen beruflichen Weg gestellt. Am 31. Januar 1950, nur vier Wochen nach seiner Heimkehr, tritt er an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn die Stelle eines ordentlichen Professors an. Im gleichen Jahr heiratet er Brigitte Freudenberg, Tochter einer befreundeten Familie aus Dahlem.

Es ist nicht nur seine sehr besondere Art des Theologietreibens - weniger dogmatisch orientiert als vielmehr auf die praktische Frömmigkeit zielend -, die viele Studenten anzieht. Eine hervorstechende Beschreibung hat der deutsch-englische Pfarrer Paul Oestreicher festgehalten. "Er war einem deutschen Professor so unähnlich, wie es nur irgend vorstellbar ist. Mit seinem starken bayerischen Akzent war seine Erscheinung mehr die eines auf seinem Land verwurzelten Bauern als die eines Pfarrers von akademischem Rang. Das Funkeln seiner Augen verriet einen entwaffnenden, selbstkritischen Sinn für Humor." 

Der "Hofkaplan"

Der durch den Bericht aus der Kriegsgefangenschaft prominent gewordene Theologe erregt rasch die Aufmerksamkeit vieler Politiker in der Bundeshauptstadt. In den vier Jahren seiner Lehrtätigkeit in Bonn sei er zu einer Art "Hofkaplan des Bonner Regierungslagers" geworden, erinnert er sich später schmunzelnd. Seine aufrechte Haltung während der Nazizeit weist ihn als Mann mit weißer Weste aus, Kontakte zu ihm sind also durchaus opportun. Außerdem verbindet ihn mit dem Bundespräsidenten Theodor Heuss eine Bekanntschaft aus Dahlemer Tagen.

Der "Hofkaplan" hat allerdings auch Freunde, die politisch ins Abseits geraten. Der prominenteste ist zweifellos Innenminister Gustav Heinemann, zugleich einer der Spitzenrepräsentanten des deutschen Protestantismus.

Dessen Opposition gegen die Wiederbewaffnung und Einführung der allgemeinen Wehrpflicht teilt Gollwitzer. Im November 1954 unterzeichnet er eine Erklärung gegen die Wiederaufrüstung. Sein Auftreten in der Paulskirche im Januar 1955 beendet seine bis dahin öffentlich demonstrierte politische Neutralität. Seine Nähe zur Sozialdemokratie lässt sich nicht mehr verleugnen, es ist bekannt, dass er Gustav Heinemann darin bestärkt hat, seine von ihm gegründete Gesamtdeutsche Volkspartei aufzulösen und mit möglichst vielen Mitgliedern der SPD beizutreten.

Auch innerkirchlich gerät Gollwitzer immer stärker in die Position eines scharfen Kritikers des offiziellen Kurses. Zur offenen Auseinandersetzung kommt es im Jahr 1957, als die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland im März den lauen Appell verabschiedet, "die Bemühungen um ein allgemeines Verbot der Massenvernichtungswaffen mit Nachdruck fortzusetzen" und "noch ernster als bisher für ein friedvolles Zusammenwirken der Völker zu beten und zu wirken". Gollwitzer nennt diese Erklärung "blamabel".

Wende im Denken Gollwitzers

Die Wende im Denken Gollwitzers hat aber auch eine andere theologische Konsequenz. Er erkennt den Antisemitismus als Folge der christlichen Tradition. Sein neuer Grundsatz: Christ könne man nur sein "in unlöslicher Verbundenheit mit Israel". Gemeinsam mit anderen setzt er sich beim Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages dafür ein, eine "Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen" ins Leben zu rufen.

Und wie hat sich seine Frömmigkeit entwickelt? In einem Gespräch 1988 über Tod und Auferstehung sagt er: Das Wort "Ewigkeit" stelle unser Leben in einen größeren Horizont - nicht einer endlosen Weite, sondern in "den Horizont einer persönlichen Beziehung, die aber nicht vergeht wie alle anderen persönlichen Beziehungen. Das Evangelium bedeutet, dass aus der Ewigkeit - sagen wir in der Kirchensprache, also: aus dem großen, umfassenden Rahmen von Zeit und Raum - eine Stimme hervortritt und sagt: Du bist mir nicht 'wurscht'!" Den Einwand, ob denn die zahlreichen christlichen Trostworte an Gräbern nicht zu Floskeln erstarrt seien, wehrt Gollwitzer ab: "Weil sie nur da, wo Leidtragende weinen, noch hervorgeholt werden, aus einem alten Koffer. Sie müssen wirklich geglaubt werden. Wenn es noch christlichen Glauben gibt, dann gibt es ihn so, dass aus der Fülle eines Lebens mit Gott, mit dem Lebenswort des Evangeliums, dem Tod seine Endgültigkeit bestritten wird."

Erschienen in zeitzeichen 01/2009.

 

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