Leicht und tief

Das neuste von „Oh Pep!”
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Es geht also um Beziehungen...

Einfach ist es nie, schön immer. Und aufregend. Jemanden finden, dann haben, oder auch nicht. Suchen jedenfalls, versuchen. Ein Leben lang, zumindest, wenn keiner der unvermeidlichen Abstürze (sind sie?) zu schrecklich war. Es geht also um Beziehungen auf dem Album I Wasn’t Only Thinking About You ... des Folk-Duos Oh Pep! der beiden Mittzwanzigerinnen Olivia Hally (Gitarre, Keyboards, Geige) und Pepita Emmerichs (Viola, Cello, Mandoline, Bouzouki, Gitarre) aus Melbourne. Musikalische Leitsterne sind Folk, Pop und Country, wozu je nach Bedarf, Stimmung und Soundidee noch Rock und Indie kommen. An Einflüssen nennen sie etwa den bei uns wenig bekannten australischen Singer/Songwriter Paul Kelly, Gillian Welch, Bob Dylan, Ryan Adams, Bright Eyes und Arcade Fire. Live und im Studio kommen auch Jungs hinzu (Schlagzeug, Bass), die am Songwriting beteiligt sind.

Nach ihrem Debut Stadium Cake und gefeierten Gigs auf wichtigen Festivals, wo sie als kommende Stars gehandelt wurden, jetzt also zehn prickelnde Songs von Begehren und Verfehlen, Hingezogenheit (= Eros) und Übersehen - Begeisterung, Schwelgen, Tratsch über Sex und Gelächter, alles hat hier seinen Platz. Mal nachdenklich, mal ertappend. Spontaner Liebling ist die irisierende Uptempo-Nummer „Bleeding Hearts“. Auch das können sie, mit Hang zum Witz, guter Beobachtungsgabe und Gespür für Szenen, wie sie sind, sein könnten. Liebesbeziehungen eben. „Statt der Wahrheit Wünsche an sie, auch Gaben von der Katze Erinnerung, dem Gewesenen hinterher schon durch die Verspätung der Worte, nicht wie es war, bloss was ich davon finden konnte“, schreibt Uwe Johnson in dem „Versuch, einen Vater zu finden“.

Hier gilt die Suche anderen, in welcher Geschlechter-Konstellation auch immer. Parallel dazu lesen wir: „Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship“. Vom Tinder-Wischen und propagierter Amazonisierung von Beziehungen (es bleibt gesteigerter Verpackungsmüll!) sei mal geschwiegen. Oh Pep! stecken ja mittendrin, sind da ein Glücksfall und halten mit 35 Minuten stark dagegen. Ihr Gesang, solo oder im Duett, ist ein Fest: „Aus der kristallklaren Quelle eines Fjords - kalt, klar und mühelos“ (aber auch ergreifend warm), wie Eve Babitz über die Sängerin Marni Dixon schreibt. Jene L.A.-Muse, Schriftstellerin und Künstlerin, deren „Eve’s Hollywood“ jetzt auch auf Deutsch vorliegt. Bekannt machte sie ein Foto, auf dem sie mit Marcel Duchamps nackt Schach spielt. Sie, die stets unabhängig blieb und nie das Wort Emanzipation traktierte, war glücklich vielen nah. Darum gehört sie hierher. I Wasn’t Only Thinking About You ... ist prima pur zu hören, aber durchaus auch Formatradio-gängig (wir hoffen drauf!): Unterhaltung, die nährt und begeistert. Leicht, tief. Einfach ist es nie, schön immer. Wie gesagt.

Udo Feist

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