Rasant

Bernhards Beschimpfungen
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Ist das ein Reisebericht, ein Briefwechsel? Erzählt hier ein Garibaldi, Minetti oder immer Bernhard? In welchem Zusammenhang stehen die Briefe?

Alphabetisch wird hier geschimpft, und deshalb hört man gleich zu Beginn, dass die Stadt Altaussee Thomas Bernhard zuwider ist, denn wie in allen schönen Gegenden Österreichs haben sich hier die Nazis niedergelassen. Augsburg? Ein muffiges, verabscheuungswürdiges Nest an der Lechkloake. Düsseldorf ist zum Glück nah genug an Bielefeld, um das gesamte Theaterensemble in die Irrenanstalt Bethel einliefern zu können.Wien ist eine einzige stumpfsinnige Niederträchtigkeit, eine Genievernichtungsmaschine. So geht es weiter quer durch Europa.

Dazwischen lamentiert der Zirkusdirektor Garibaldi, dass es nichts Abstoßenderes gebe, als das unmotivierte Lachen eines intelligenten Menschen. Der Schauspieler Minetti kommt zu Wort, man hört von einem Briefwechsel zwischen dem Verleger Unseld und Bernhard. Obgleich der rasante Einstieg in eine Geschichte immer schön ist, wäre eingangs ein Hinweis, nicht nur im Booklet, hilfreich. So bleibt der ahnungslose Hörer ratlos. Ist das ein Reisebericht, ein Briefwechsel? Erzählt hier ein Garibaldi, Minetti oder immer Bernhard? In welchem Zusammenhang stehen die Briefe?

Raimund Fellinger, Herausgeber des gleichnamigen Buches, hat bewusst bei seiner Auswahl auf die Unterscheidung zwischen persönlicher Stellungnahme des Autors und einer Figurenrede im Werk verzichtet, da Bernhard sich bekanntermaßen genauso äußert wie seine Protagonisten. Die Wiener Burg-Schauspieler Michael König und Peter Simonischek machen seine Übertreibungskunst in aller Virtuosität lautstark deutlich. „Nicht erschrecken!“, möchte man den Hörer warnen, der es sich vielleicht auf dem Sofa gemütlich gemacht hat.

Angelika Hornig

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