Nimm zwei

Gibt es bald neue Feiertage?
Der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag? Oder doch lieber der Buß- und Bettag? Warum nicht beide?

Vor sechs Jahren, das Reformationsjubiläum zeichnete sich erst am Horizont ab, gab es in EKD-Kreisen den verwegenen Plan, man solle dafür werben, dass der 31. Oktober 2017 einmalig bundesweit ein gesetzlicher Feiertag sein sollte. Überraschenderweise war dieses Werben sehr schnell erfolgreich: Ein lockeres Kamingespräch mit den Ministerpräsidenten anno 2013 - Feiertage sind in Deutschland Ländersache! Und die Sache war klar, und im vergangenen Jahr war der Reformationstag bundesweit ein gesetzlicher Feiertag.

Das hat vielen gefallen, und besonders im weitgehend protestantisch geprägten Norddeutschland scheint der Reformationstag gute Karten zu haben, auch künftig ein arbeitsfreier Feiertag zu sein. Denn der einmalige Feiertag 2017 lenkte im Norden wieder mal den Blick darauf, dass Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen nur neun gesetzliche Feiertage haben, also gleich vier weniger als beispielsweise Bayern.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil jedenfalls tritt dafür ein, dass der Reformationstag in Niedersachsen künftig ein gesetzlicher Feiertag sein solle. Den gebürtigen Katholik Weil hatten die Feiern zum 500-jährigen Reformationsjubiläum in ihrer Gestaltung als „Brückenschlag“ zu anderen Religionen überzeugt: „In diesem Sinne kann ich mir den Reformationstag gut als einen Tag des Dialoges zwischen den Religionen vorstellen. Und das wäre auch ein guter Grund für einen Feiertag.“

Auch sein Stellvertreter im Regierungsamt, der niedersächsische CDU-Vorsitzende Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, zeigt sich aufgeschlossen; aus den beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg gibt es ebenfalls positive Signale.

Lediglich auf Seiten der katholischen Kirche regt sich, allen versöhnt-versöhnlichen Jubiläumsfeiern beider Kirchen zum Trotz, Widerstand: Natürlich sei man einem zusätzlichen Feiertag gegenüber aufgeschlossen, aber man bevorzuge doch die Wiedereinführung des 1995 für die Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern (außer Sachsen) abgeschafften Buß- und Bettag. In Niedersachsen wird deutlich, dass der evangelische Pfarrerssohn Althusmann die starke katholische Fraktion seines CDU-Landesverbandes unterschätzt hat, die jetzt kräftig gegen den Reformationstag mauert. Doch die evangelische Seite sollte gelassen bleiben, denn möglicherweise ist der Buß- und Bettag wirklich die bessere Lösung, denn der Reformationstag - man kann es drehen und wenden wie man will - wird auch zukünftig zumindest Spurenelemente von Antikatholizismus enthalten.

Aus der Hamburger Bürgerschaft kam zu diesem Thema nun von der verlässlich religionsfeindlichen Partei „Die Linke“ der Vorschlag, statt des Reformationstags den 8. Mai als Erinnerung an die Befreiung am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 als neuen Feiertag einzuführen. Meinetwegen.

Aber warum könnten nicht der 8. Mai und der 31. Oktober (oder auch gerne der Buß- und Bettag) künftig den Feiertagskalender in Norddeutschland zieren? „Nimm zwei!“ sollte die Devise heißen, und die langjährigen Bemühungen der evangelischen Kirche um das Jubiläum würden aller berechtigten Selbstkritik zum Trotz in erstaunlicher Weise nachhaltig werden, und das wäre wirklich eine gute Nachricht.

Reinhard Mawick

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